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11/19/2020

iPhone 12 Mini im Test: Steve Jobs hatte recht

Mit dem iPhone 12 Mini knüpft Apple an längst vergangene Zeiten an, als Handys noch bequem mit einer Hand benutzbar waren.

von Martin Stepanek

Wenige Wochen nach dem Verkaufsstart des iPhone 12 (zum futurezone-Test) und iPhone 12 Pro (zum Test) liefert Apple nun auch das kleinere iPhone 12 Mini aus. Dass es das spannendste Modell des aktuellen iPhone-Portfolios ist, hat mehrere Gründe. Nicht nur ist es „das kleinste, dünnste und leichteste 5G-Telefon der Welt“, wie Apple betont. Es ist seit Jahren auch der erste ernstzunehmende Versuch eines führenden Herstellers, ein wirklich kompaktes Gerät ohne technische Abstriche zu entwickeln.

Steve Jobs blieb stur

Apples Strategie beim Thema Displaygröße war stets eigenwillig. Zwar besaß das Original-iPhone den größten Bildschirm (3,5 Zoll!) aller damals verfügbaren Smartphones. Steve Jobs betonte allerdings, dass die Proportion perfekt und das Gerät klein genug sei, um es mit den Fingern einer Hand bedienen zu können. Unvergessen ist eine Pressekonferenz rund um die Empfangsprobleme des iPhone 4 (Antennagate), in der Jobs die größeren Geräte der Konkurrenz trashte.

iPhone SE (2020) vs iPhone 12 Mini

Um derartige Probleme zu lösen, helfe es natürlich, „ein Telefon so groß zu bauen, dass man es mit der Hand nicht mehr umfassen kann. Aber niemand wird das kaufen.“ Der von Jobs ausgegebenen Prämisse sollte der Konzern noch jahrelang folgen. Erst nach seinem Tod folgten mit dem iPhone 6 und 6 Plus erste zaghafte Versuche, die dem Smartphone-Trend nach immer größeren Geräten Tribut zollten. Am vorläufigen Ende dieser Entwicklung steht das iPhone 12 Pro Max mit einem Gehäuse von 16,1 mal 7,8 Zentimeter und 6,7 Zoll Display-Diagonale.

Kleine iPhones stets beliebt

Apples langes Festhalten an kleineren Gerätegrößen sorgte dafür, dass ältere, kleine iPhone-Modelle erstaunlich populär blieben. Und genau hier setzt das iPhone 12 Mini an. Fast alles erinnert schon beim ersten in die Hand nehmen an das erste iPhone SE: Die Aluminium-Gehäuseform mit geschliffenen Kanten, die Proportionen, das geringe Gewicht von gerade einmal 133 Gramm. Statt 4 Zoll Display bekommt man nun durch den Wegfall von Rändern und des Home-Buttons nun aber 5,4 Zoll.

Auch im Vergleich zum iPhone 8 und aktuellen SE (2020) triumphiert das iPhone 12 Mini. Obwohl es noch kleiner und leichter ist, ist die Displaygröße um 15 Prozent gewachsen. Befürchtungen, dass der Akku zu klein sein könnte, haben sich im Test nicht bestätigt. Zwar kann das Mini mit den größeren iPhone-12-Modellen nicht ganz mithalten.

Trotz größerem Display mit besserer Auflösung hält es allerdings länger als das iPhone SE. Einen bis eineinhalb Tage kam ich bei mittelmäßiger Nutzung immer problemlos durch – auch wenn das WLAN ausgeschaltet war und das iPhone ausschließlich auf eine ressourcenintensivere 4G- und 5G-Verbindung angewiesen war.

Kameras ohne Abstriche

Was die technische Ausstattung betrifft, hat Apple zum größeren iPhone 12 erfreulicherweise keine Abstriche gemacht. Es ist mit Haupt- und Ultraweitwinkelkamera dasselbe ausgezeichnete Kamerasystem verbaut. Der Nachtmodus, der bessere Bilder in der Dunkelheit verspricht, kann nun von beiden Kameras auf der Rückseite sowie der Frontkamera verwendet werden. Wie im iPhone-12-Test bereits erwähnt, funktioniert der Modus bei der Hauptkamera am besten.

Beispielfoto iPhone 12 (Mini)

Fotos schießt das iPhone in der Grundeinstellung eher mit dezenter Farbgebung

Umso mehr kann man mit ein wenig Nachbearbeitung herausholen

Unbearbeitetes Foto

Nachbearbeitetes Foto

Hauptkamera

Ultraweitwinkel

Hauptkamera

Ultraweitwinkel

Hauptkamera

Ultraweitwinkel

Wer Angst hat, dass die kompaktere Form und das leichtere Gewicht gerade bei Videos für wackeligere Aufnahmen sorgt, den kann ich beruhigen. Selbst beim Filmen mit nur einer Hand, während ich mich über eine schmale Wendeltreppe nach unten bewegte, waren von meinen Rucklern beim Video schließlich kaum welche zu sehen. Damit profitiert man beim Fotografieren und Filmen von der kompakten Gehäusegröße und dem geringen Gewicht.

Bockiger unterer Bildschirmrand

Der OLED-Bildschirm ist wie beim iPhone 12 ausgezeichnet und wäre sogar perfekt – wenn da nicht der leidige Notch wäre. Interessanterweise hat er mich beim Mini mehr als beim iPhone 12 oder 12 Pro gestört – wohl weil er bei einem kleinen Display einfach präsenter ist und die Proportionen noch mehr stört. Zum Glück verschwindet er in vielen Apps und im Dark Mode durch das echte OLED-Schwarz häufig.

Die zuletzt geäußerten Probleme, dass der Touchscreen beim Entsperren nicht reagiere, konnte ich im Test teilweise reproduzieren. Da ich privat immer noch ein iPhone 8 verwende (I know!), bin ich es gewohnt, am äußersten unteren Rand mit Fingerprint zu entsperren. Genau diese Region reagiert beim iPhone 12 Mini im Gegensatz zum Rest des Displays nämlich nicht, wenn man nur den Daumen sanft auflegt. Berührt man den Bildschirm ein paar Millimeter weiter oben, entsperrt sich das iPhone jedes Mal problemlos.

Innen- und Außenleben

Auch über den superschnellen A14-Chip, der selbst im iPhone 12 Pro verbaut ist, wurde schon fast alles gesagt. Dass Apple auch das Mini mit dem Chip ausstattet, ist äußerst löblich. Das Gleiche gilt für 5G. Wie bereits in den anderen iPhone-Tests erwähnt, ist das eine gute Zukunftsinvestition. Die im A1-Netz erreichten Spitzenwerte von bis zu 256 Mbit zeigen, was künftig möglich sein wird. Im Alltag wird es mangels fertigem Ausbau und teuren Tarifen wohl noch dauern, bis alle User von 5G profitieren.

Über das Design habe ich bereits einige Worte verloren. Für mich persönlich kommt das iPhone 12 Mini mit seinen kompakten Proportionen, den hochwertigen Materialien sowie der präzisen Verarbeitung der ursprünglichen Vision von Steve Jobs extrem nahe. Es gibt vieles, das für ein größeres Smartphone spricht.

Die seit dem iPhone 6 von Apple quasi als Standard verwendete Gehäusegröße empfand ich aber immer als faulen Kompromiss. Zu klein, um mit vergleichbaren Android-Modellen mitzuhalten und gerade eine Spur zu groß, um wirklich angenehm mit einer Hand bedienbar zu sein.

Fazit: Das Vermächtnis von Steve Jobs

Wer sich seit Jahren nach einem wirklich kompakten Handy sehnt, das technisch auf dem neuesten Stand ist, mit ausgezeichneten Kameras und tollem Bildschirm glänzt, hat mit dem iPhone 12 Mini eine überzeugende Option bekommen. Das Gefühl, so ein kleines Handy in der Hand zu halten, ist im ersten Moment seltsam. Das Gerät erweist sich in vielen Situationen aber als praktisch.

Auch beim Lesen verliert man im Vergleich zum viel größeren iPhone 11, das ich daneben ausprobiert habe, gerade einmal ein paar Zeilen. Ob das Mini für die Leute die beste Option ist, die ihr Smartphone den ganzen Tag zum Lesen, Posten und YouTube-Schauen nutzen, wage ich allerdings zu bezweifeln. Mein Hauptgerät Tag und Nacht ist mein iPad. Das iPhone ist für mich nur wichtig, wenn ich unterwegs bin und zum Fotografieren. Und da ist mir ein kompaktes Gerät lieber.

Abzuwarten bleibt, ob Apple mit dem Mini eine neue Renaissance der kleinen Handys einläutet. Verkaufspsychologisch wird es zudem spannend, ob User bei der Wahl zwischen der 800 Euro teuren kleineren Variante und dem 900 Euro teuren iPhone 12 nicht doch auf das größere Display setzen – selbst wenn dieses kaum mehr Informationen auf dem Screen unterbringt und eben nicht so leicht zu halten ist.

Und ja: Steve Jobs hatte natürlich nicht recht, als er sagte, dass sich große Handys nicht verkaufen. Nach seinem Tod hatten Käufer, die ein iPhone ohne technische Abstriche wollten, aber auch nicht wirklich eine Wahl. Dass Apple seine ursprüngliche Vision des mit einer Hand bedienbaren Handys nun wieder aufgreift, gibt ihm gewissermaßen dann doch wieder recht.

Disclaimer: Das iPhone 12 Mini wurde uns für einen begrenzten Zeitraum von A1 zur Verfügung gestellt

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