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In Sekunden geklaut: Fast alle Keyless-Autos gefährdet

Sehr viele moderne Autos sind heutzutage mit einem sogenannten Keyless-System ausgestattet. Um das Auto zu entriegeln, müssen sich Besitzer*innen nur dem Fahrzeug nähern, sofern sie den entsprechenden Schlüssel in der Tasche haben. Ein Tastendruck am Schlüssel zum Öffnen der Tür ist somit nicht notwendig, der Motor wird ohne Zündschloss per Knopfdruck gestartet.

Der zusätzliche Komfort geht jedoch oft auf Kosten der Sicherheit. Der deutsche Verkehrsclub ADAC hat eine neue Untersuchung veröffentlicht, wonach von 500 Autos lediglich fünf Prozent gut vor Diebstahl geschützt sind. Unter den gefährdeten Marken befinden sich Fahrzeuge nahezu aller  Hersteller, darunter Audi, Renault, Volkswagen und viele mehr. Die Lücke ist nicht neu, denn die Keyless-Technologie wird bereits seit mehreren Jahren verbaut. Dennoch hat sich bislang fast nichts getan, kritisieren Expert*innen. 

Der Diebstahl ist sehr einfach durchzuführen. Die Angreifer verlängern das Funksignal des Schlüssels, wodurch sie das Auto öffnen und in Betrieb nehmen können. Im konkreten Fall könnte es etwa sein, dass der rechtmäßige Besitzer eines Autos in einem Restaurant sitzt. Über spezielle Geräte wird das Signal des Schlüssels so verstärkt, dass das Fahrzeug am Parkplatz davon ausgeht, dass sich der Fahrer in der Nähe befindet. Das Auto entsperrt sich und die Dieb*innen können damit flüchten. 

Fahrt ins Ausland

„Läuft der Motor einmal, bleibt er auch ohne Schlüssel so lange in Betrieb, bis er abgestellt wird oder der Sprit ausgeht. Theoretisch könnte ein Dieb also bei laufendem Motor nachtanken und das Auto problemlos über weite Strecken, auch bis ins Ausland, entführen“, warnt der ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Das notwendige Gerät, um einen solchen Keyless-Diebstahl durchzuführen, kann man sich laut Einschätzung von ADAC-Expert*innen mit geringem Aufwand selbst bauen. Die Kosten der dazu nötigen Einzelteile bewegen sich im Bereich von lediglich 100 Euro. Das bestätigt auch Kerbl, weist aber darauf hin, dass dazu einiges an technischem Vorwissen notwendig sei. 

Kriminelle, die nicht basteln wollen, können sich die benötigten Gerätschaften auch einfach im Internet bestellen. Eine richtig formulierte Google-Suche führt bereits nach wenigen Minuten zu zahlreichen Webseiten, die notwendige Hardware verkaufen. Die Preise liegen in der Regel bei einigen Tausend Euro für ein betriebsbereites Gerät. Rein rechtlich ist der Kauf legal.

Gefahr bannen

Die Technologie, um ein Keyless-Auto sicherer zu gestalten, gibt es bereits. Ultra-Wideband-Technik (UWB) in Schlüsseln macht einen Diebstahl auf diese Art und Weise unmöglich. Darum fordert auch der ÖAMTC von den Autoherstellern, UWB in alle Funkschlüsselsysteme zu integrieren. 

UWB

Ultra-Wideband
Mit dieser Funktechnik – abgekürzt UWB – kann das Auto präzise erkennen, wie weit der Schlüssel entfernt ist. Sind das mehrere Meter, entriegelt sich das Fahrzeug nicht bzw. lässt sich nicht starten, auch, wenn das Funksignal verlängert wird. Eingesetzt wird die Technologie außerdem auch bei Apples AirTags, damit jene genau von Smartphones geortet werden können.

Automodelle
Welche Automodelle mit einem Keyless-System mit UWB ausgestattet sind, findet man in diesem PDF des ADAC. Dazu gehören etwa der Audi A3 oder der Seat Leon (jeweils aus 2020) sowie der VW Golf 8.

Eine andere Möglichkeit der Absicherung, auf die manche Autobauer setzen, ist ein Bewegungssensor im Schlüssel. Wird der Schlüssel eine Zeit lang nicht bewegt, schaltet sich das Funksignal aus. Sobald man den Schlüssel bewegt, geht es allerdings wieder an. „Es ist eine Lösung, aber nicht die beste“, sagt Kerbl. „UWB ist nach derzeitigem Stand der Technik nicht zu überlisten.“

Einen absoluten Schutz vor derartigem Diebstahl bietet lediglich das Deaktivieren des Keyless-Schließsystems, sofern das möglich ist. Ganz so weit würde Kerbl nicht gehen. Er empfiehlt aber zumindest, den Schlüssel nicht in der Nähe von Fenstern oder Außentüren zu lagern. „Es reicht, wenn der Schlüssel irgendwo  im Wohnzimmer liegt“, so der ÖAMTC-Techniker. 

Wenn man mit dem Auto in eine Gegend fährt, in der Autodiebstahl ein Problem ist, empfiehlt Kerbl ein abgeschirmtes Schlüsseltäschchen. Um das Auto kontaktlos zu entsperren, muss man ihn dann aber jedes Mal herausnehmen. 

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

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