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30.04.2015

Microsoft Surface 3 im Test: Teurer Netbook-Bausatz

Der kleine Bruder des Surface Pro 3 kommt nach Österreich. Das Tablet mit optionaler Tastatur soll vor allem Studenten locken und kann mit guter Qualität überzeugen.

Microsoft darf sich zurecht als Tablet-Pionier bezeichnen. Bereits 2002 präsentierte Bill Gates den “Microsoft Tablet PC”, der den Grundstein für den heutigen Tablet-Markt legte. Doch der Konzern war um einige Jahre zu früh dran, die frühen Tablets mit Stifteingabe und angepasstem Windows XP schafften nie den Durchbruch. Als die ersten ARM-Tablets 2010 auf den Markt drängten, verpasste der US-Konzern rasch den Anschluss. Erst 2012 startete man mit dem Surface einen neuen Versuch. Doch auch das ging nicht wirklich auf. Das Problem: Windows RT. Das auf ARM-Prozessoren angepasste Betriebssystem sieht zwar aus wie Windows 8, unterstützt aber nur eigens dafür entwickelte Apps.

Surface 3

Surface 3

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Nun rudert Microsoft zurück und stattet seinen iPad-Konkurrenten wieder mit “richtigem” Windows aus. Dank Cherry Trail, Intels neuer Generation von Mobil-Prozessoren, verrichtet nun ein echter x86-Prozessor seine Arbeit im Windows-Tablet. Doch reicht es aus, dass sich das Surface von den RT-Ketten befreit hat? Die futurezone hat den Tablet-Hybriden getestet.

Mehr als ein Tablet

Optisch ist das Surface 3 kaum vom Surface Pro 3 zu unterscheiden. Lediglich die kompakteren Maße verdeutlichen, dass es sich hier um den “kleinen Bruder” des Business-Tablets handelt. Es ist sowohl in der Länge als auch der Breite um rund zwei Zentimeter kürzer und einen Hauch dünner (8,7 statt 9,1 Millimeter). Mit dem Type Cover wird es um knapp fünf Millimeter dicker. Auch beim Gewicht hat das Surface einige Gramm liegen gelassen. Mit 622 Gramm ist es nun auf dem Niveau eines klassischen 10-Zoll-Tablets, wenn auch eher im oberen Bereich. So wog beispielsweise das erste iPad (9,7 Zoll) stolze 680 Gramm, beim aktuellen iPad Air 2 ist das Gewicht auf 437 Gramm gesunken.

Die Maße des Surface 3 lassen sich nur schwer mit jenen anderer Hersteller vergleichen, da Microsoft hier auf ein ungewöhnliches Format setzt. Das Display misst 10,8 Zoll in der Diagonale und das Seitenverhältnis beträgt 3:2 statt dem üblichen 16:9. Das ungewöhnliche Seitenverhältnis sorgt jedoch dafür, dass das Gewicht gut verteilt ist und das Tablet sowohl im Hoch- als auch Querformat angenehm verwendet werden kann. Längeres Halten mit einem Arm, beispielsweise zum Schreiben von Notizen im Stehen, kann jedoch nach einigen Minuten anstrengend werden.

Kühles Magnesium

Der breite Rahmen mag auf den ersten Blick eine Platzverschwendung sein, für die Verwendung im Hochformat ist es jedoch ein Segen. Hier kann man das Surface 3 angenehm festhalten, ohne versehentlich auf den Touch-Bildschirm zu greifen. Die Verarbeitung ist ebenso hervorragend wie beim Surface Pro 3, auch hier kommt ein pulverbeschichtetes Magnesium-Gehäuse zum Einsatz. Dieses soll besonders kratzfest sein. Vor allem die Haptik weiß zu gefallen, da die Oberfläche leicht aufgeraut und daher sehr griffig ist.

Im Gegensatz zum Surface Pro 3 verzichtet das Gehäuse zudem auf Kühlschlitze. Der Grund dafür ist simpel: Das Surface 3 hat keine aktive Kühlung. Die geringe Verlustleistung des Intel-Prozessors ermöglicht ein lüfterloses Design und führt die Wärme über das Gehäuse ab. Das Magnesium bleibt selbst unter Last überraschend kühl. Unter hoher Last erwärmt sich das Gehäuse zwar etwas, es werden aber nie unangenehme Temperaturen erreicht.

Kein Pro-Ständer

Leider muss man beim Surface 3 auf eines der besten Features des Pro-Modells verzichten: den frei verstellbaren Ständer. Stattdessen muss man sich mit drei voreingestellten Positionen zufrieden geben, die jedoch meist ausreichen. Erstmals rastet der Ständer bei knapp 45 Grad ein, sodass sich das Tablet gut zum Filmschauen im Bett verwenden lässt. Die zweite Position im 90-Grad-Winkel ist gut für das Tippen am Touchscreen geeignet, wohingegen die steilste Position für Zeichnen und Notizen verfassen praktisch ist. Wird das Surface 3 per Type Cover zum Notebook-Ersatz umfunktioniert, lässt es sich leider nur in der ersten Position angenehm am Schoß verwenden. Hier bot das Surface Pro 3 durch den verstellbaren Ständer deutlich mehr Freiheit.

Unter dem Ständer verbirgt sich zudem der microSD-Kartenleser. Die Position der Hardware-Tasten wurde im Vergleich zum Surface Pro 3 etwas verändert. So ist die Lautstärkewippe nun neben der Power-Taste zu finden. Diese bleibt an ihrer alten Position links oben (im Querformat). Sollte das Tablet bereits eingeschaltet sein, kann der Bildschirm auch über den Windows-Soft-Key an der rechten Seite aktiviert werden. Der Mini-DisplayPort sowie die USB-3.0-Schnittstelle sind weiterhin an der rechten Seite zu finden, darunter befindet sich eine angenehme Überraschung. Statt des etwas lästigen, proprietären Ladesteckers kann das Surface nun per microUSB-Kabel geladen werden.
Das offizielle Ladegerät liefert einen Ladestrom von 2,5 Ampere, ein gewöhnliches Ladegerät von einem Smartphone kann aber auch verwendet werden. Die Ladezeit verlängert sich dadurch aber etwas. Etwas unglücklich platziert wurde der 3,5-mm-Klinkenanschluss. Diese ist nun an der rechten Seite unten zu finden, direkt unter dem microUSB-Anschluss. Ist das Original-Ladegerät angesteckt, wird dieser etwas verdeckt.

Kleiner ist nicht besser

Mit dem kleineren Format ist leider auch das dazugehörige Type Cover etwas geschrumpft. Die Tasten mussten verkleinert und die Abstände verengt werden. Das Tippen gelingt so zwar immer noch gut, hin und wieder erwischt man jedoch eine falsche Taste. Auch die Ablagefläche ist nun weitestgehend sinnlos, denn auf dieser finden lediglich kleine Hände Platz. Meist liegt der Handballen, je nach Anwendung, auf dem Tisch oder dem Schoß auf. In Anbetracht des kompakten Formats ist der Druckpunkt dennoch sehr gut. Er ist hart, aber dennoch gut geeignet für flottes und längeres Tippen. Da man hier allerdings mit etwas mehr Wucht in die Tasten haut, kann das Surface 3 auf dem Schoß leicht zu wackeln beginnen.

Auf einer flachen Oberfläche blieb es jedoch standhaft. Wie beim Surface Pro 3 kann das Cover in zwei verschiedenen Modi verwendet werden. So kann es flach auf eine Oberfläche gelegt oder dank einem weiteren Magneten leicht angewinkelt am Surface 3 angebracht werden. Diese Position eignet sich besonders gut zum Tippen, allerdings gab hier das Cover auch leicht nach und der Druckpunkt fühlte sich hohl an. Die Tastatur verfügt über eine Beleuchtung, sodass sich die einzelnen Tasten auch bei Dunkelheit erkennen lassen. Lediglich die Positionierung der Fn-Taste auf der rechten Hälfte ist etwas unglücklich. So lässt sich beispielsweise die beliebte Tastenkombination Alt und F4 zum Schließen eines Programmes nur mit zwei Händen betätigen. Die weiche stoffähnliche Oberfläche steht in einem groben Kontrast zum rauen Magnesiumgehäuse, verrichtet ihre Arbeit als Schutz für das Display jedoch gut und wirkt hochwertig. Umso enttäuschender, dass das Type Cover nicht im Lieferumfang enthalten ist. Dafür müssen nochmals 150 Euro auf den Tisch gelegt werden. Das gleiche gilt für den Stift um 50 Euro, der baugleich mit jenem des Surface Pro 3 ist.

Angenehmes Format

In puncto Schärfe muss sich das Surface 3 nicht vor dem großen Bruder verstecken. Die Pixeldichte ist nahezu ident (214 statt 216 ppi). Das ungewöhnliche 3:2-Format ist zudem vor allem beim Arbeiten mit Word oder anderen Office-Programmen eine Wohltat im Vergleich zu den etwas gestreckten 16:9- oder 16:10-Bildschirmen. Leider stand kein Surface Pro 3 zum direkten Vergleich mit dem Bildschirm des Surface 3 zur Verfügung. Doch das LCD-Panel wies keinerlei wirkliche Schwächen auf, lediglich die Blickwinkelabhängigkeit enttäuschte etwas.

Positiv fielen vor allem die Farbdarstellung sowie der hohe Kontrast auf. Die Größe des Displays bereitet keinerlei Probleme. Wer mit Netbooks Erfahrung hat, wird auch mit dem 10,8 Zoll großen Display gut arbeiten können. Microsoft hat dennoch Bildschirminhalte auf 150 Prozent vergrößert, sodass Text und Grafiken auch aus normaler Distanz gut erkennbar sind. Ohne diese Vergrößerung fällt vor allem die Touch-Bedienung schwer, da bereits für das Anklicken der Icons eine ruhige Hand erforderlich ist.

Zwischen Tablet und Ultrabook

Das Surface 3 ist auch die Bühne für eine Hardware-Premiere. Erstmals kommt Intels neue Cherry-Trail-Generation an Mobilprozessoren zum Einsatz. Die neuen Atom-Prozessoren sollen in puncto Leistung mit aktuellen ARM-Prozessoren für Tablets mithalten können und kommen ohne aktive Kühlung aus. In puncto Leistung befindet sich das Surface 3 somit zwischen Tablet und Ultrabook. Als Arbeitsgerät ließ es sich ohne Probleme nutzen, doch vor allem 3D-Anwendungen wurden vom eher mageren Grafik-Chipsatz zurückgehalten. Intel setzt hier auf seinen integrierten HD-Graphics-Chipsatz, der lediglich mit zwölf Shader-Einheiten bei einer Taktrate von 850 MHz ausgestattet ist.

3DMark (IceStorm v1.2): 20.735 Punkte
CrystalDiskMark (v 3.0.4, sequentiell): 139,5 / 34,5 MB/s
CineBench R15: 14,83 fps/134 cb

So werden auch in den GPU-lastigen Benchmarks eher enttäuschende Werte erreicht, die eher mit einem aktuellen High-End-Tablet als einem Ultrabook vergleichbar sind. Dennoch ließen sich einige ältere Spiele mit akzeptablen Bildraten spielen - allerdings nur mit Einschränkungen. So lief beispielsweise Civilization V mit mittleren Details in der nativen Auflösung von 1920 mal 1280 Pixeln flüssig. Dank der Touch-Unterstützung, über die leider nur wenige Spiele verfügen, ließ sich das Rundenstrategie-Spiel so bequem auf dem Tablet spielen. Doch bei schnelleren und anspruchsvolleren Spielen verzweifelt man rasch. Das bereits drei Jahre alte Counter-Strike GO ließ sich selbst mit niedrigen Details und stark reduzierter Auflösung nicht mit einer stabilen Bildrate spielen.

Wenn es um Office-Aufgaben geht, verrichtet das Tablet jedoch hervorragende Arbeit. Dass es sich hier um einen Mobilprozessor handelt, bemerkt man kaum. Der Wechsel zwischen Programmen funktioniert nahtlos, vor allem die Office-Suite (ein Jahr Office 365 wird kostenlos mitgeliefert) sticht hervor. Eine Touch-optimierte Version fehlt zwar noch, diese soll aber mit Windows 10 folgen. Das Surface 3 wird zum Start ein kostenloses Update auf die neue Windows-Version erhalten. Auch im Browser sowie bei der Wiedergabe von hochauflösenden Inhalten gab es keinerlei Probleme.

Microsofts Versprechen von bis zu zehn Stunden Akkulaufzeit konnte im Test zudem erreicht werden. Auch bei aktiver WLAN-Verbindung war das Tablet so zwischen acht und zehn Stunden ohne Ladegerät einsatzfähig. So sollte sich ein kompletter Tag ohne Ladekabel überstehen lassen. Das Laden selbst ging eher träge voran, im Stand-by war der Akku erst nach knapp drei Stunden vollständig gefüllt.

Im Bundle empfehlenswert

Microsofts Surface 3 soll der perfekte Begleiter für Schüler und Studenten sein. Die für ein Tablet gute Hardware-Leistung sowie die lange Akkulaufzeit sprechen dafür, doch der hohe Preis könnte dem vielversprechenden Gerät einen Strich durch die Rechnung machen. Die leistungsfähige Variante mit 64 Gigabyte an internem Speicher sowie vier Gigabyte RAM kostet 719 Euro, mit dem dazu passenden Type Cover (150 Euro) sowie dem Stift (50 Euro) steigt der Preis auf 919 Euro. Zu diesem Preis bekommt man bereits ein leistungsfähiges Windows-Notebook.

Hier kommt es auf die eigenen Prioritäten an: Wer Design und lange Akkulaufzeit schätzt sowie auf GPU-lastige Anwendungen verzichten kann, sollte das Surface 3 durchaus in Betracht ziehen. Microsoft hat sein kleinstes Tablet auf Office und Windows-Apps optimiert, sodass hier die Vorzüge von Windows 8.1 voll ausgeschöpft werden. Hier empfiehlt es sich aber, auf Aktionen und Bundles zu warten. So soll es ab Mai ein günstigeres Modell mit zwei Gigabyte RAM, 32 Gigabyte an internem Speicher sowie dem Stift geben, das 579 Euro kosten soll - vorerst aber nur für Schüler und Studenten. Zudem soll das Surface 3 verbilligt über ubook vertrieben werden. Das Surface 3 ist ab dem 7. Mai in Österreich im Handel erhältlich.

Modell:
Microsoft Surface 3
Maße und Gewicht:
267 x 187 x 8,7 mm; 622 g
CPU:
Intel Atom x7-Z8700 (Quad-Core 1,6 bis 2,4 GHz)
GPU:
Intel HD (IGP, 600 MHz)
RAM:
2/4 Gigabyte (LPDDR3 1600)
Bildschirm:
10,8 Zoll ClearType-Bildschirm (spiegelnd, 1920 x 1280 Bildpunkte, 3:2, 214 ppi)
Speicher:
32/64/128 GB SSD
Akku:
keine Angabe (laut Hersteller bis zu 10 Stunden Laufzeit)
Sonstiges:
1 x Mini-DisplayPort, 1 x USB 3.0, WLAN (801.11 a/b/g/n/ac), Bluetooth 4.0, Frontkamera (3,5 Megapixel), Rückkamera (8 Megapixel, Autofokus), Speicherkartenleser (microSD)
Preis:
ab 599 Euro (getestete Variante: 719 Euro; Stift: 50 Euro; Type Cover: 150 Euro)