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07/10/2019

Mit dem Tesla-Autopilot unterwegs durch Österreich

Das Fahrassistenzsystem mit dem klingenden Namen gibt ein Vorgeschmack auf das autonome Fahren, hat dann aber doch noch einige Schwächen.

von Florian Christof

Der Tesla-Autopilot sorgt regelmäßig für Aufsehen und Schlagzeilen. Mit der Bezeichnung Autopilot ist dem E-Autohersteller ein PR-Stunt geglückt: Die scheinbar unmissverständliche Bezeichnung lässt dann doch einen großen Interpretationsspielraum zu.  

Mir war es schon leicht unangenehm, als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal mit einem intelligenten Tempomat unterwegs war, der automatisch den Abstand zum Vorderfahrzeug hält. Nun also Premiere mit dem Tesla-Autopilot:

Mit einem Tesla Model 3 war ich auf einer Wiener Stadtautobahn unterwegs. Mein Beifahrer mit Autopilot-Erfahrung meinte, das sei nun eine optimale Möglichkeit den Autopiloten auszutesten. Also los: Um den Autopiloten zu aktivieren, muss der Hebel hinter dem Lenkrad zwei Mal ganz nach unten gedrückt werden und schon fährt das Model 3 selbständig: Es hält die Spur und passt den Abstand zum Vorderfahrzeug automatisch an.

Erste Erfahrungen

Es ist ein eigenartiges Gefühl, sich bei gut 80 km/h vom Auto chauffieren zu lassen. Dann taucht eine stehende Fahrzeugkolonne auf - das heißt wir müssen demnächst bis zum Stillstand abbremsen. Die stehenden Autos kommen immer näher, langsam werde ich nervös und sage zu meinem Beifahrer, dass ich doch lieber selber bremsen würde. Er meint nur, ich sollte keine Angst haben, das Auto mache das schon. Die Kolonne ist nicht mehr allzu weit weg. Als vorausschauender Fahrer hätte ich längst gebremst, doch der Autopilot lässt sich noch Zeit. 

Und dann bremst der Autopilot doch noch. Absolut stressfrei reduziert er die Geschwindigkeit von ungefähr 80 km/h auf null, sodass wir uns nahtlos in die Kolonne einreihen. Der Autopilot bleibt aktiv und steuert uns ganz angenehmen durch den Stop-and-go-Kolonnenverkehr.  

Die erste Bekanntschaft mit dem Tesla-Autopilot war recht stürmisch und hätte mich mein Beifahrer nicht dazu ermutigt, ich hätte nie und nimmer den Autopiloten derartig bremsen lassen. Von nun an war ich mit dem Tesla-Fahrassistenzsystem auf du und du. 

In der Praxis

Auf Schnellstraßen und Autobahnen, wo die Begrenzungslinien eindeutig und gut sichtbar sind, hat der Autopilot kaum Probleme sich zu orientieren. Er lenkt selbstständig und hält das Fahrzeug innerhalb der Begrenzungslinien. Auch den Abstand zum Vorderfahrzeug regelt er selbst. Wie groß dieser Abstand sein soll, kann man mithilfe der Bedienknöpfe in mehreren Stufen regeln. 

Was dem Fahrassistenzsystem aber offenbar manchmal noch Probleme bereitet, sind Fahrzeuge die sich auf der parallelen Fahrspur befinden: Zwei Mal hat der Autopilot offenbar nicht mehr weitergewusst, als er eine Kurve nach rechts gefahren ist, während sich auf der rechten parallelen Fahrspur vor mir ein Fahrzeug befand. Schwer zu sagen, ob dadurch der weitere Fahrweg verdeckt wurde oder die Software tatsächlich davon ausgegangen ist, dass wir uns hinter dem Fahrzeug einreihen sollten. In diesen beiden Fällen hat der Autopilot eine Warnmeldung angezeigt und hat leicht abgebremst. 

Einmal hat der Autopilot abrupt abgebremst, als sich eine Person auf einer Schnellstraße der Fahrbahn genähert hat. Hätte ich das Fahrzeug gesteuert, wäre ich nicht derart auf die Bremse gestiegen, da mich die Person gesehen hat und es erwartbar war, dass sie am Bankett stehen bleibt. Der Autopilot hat dies aber offenbar nicht so gesehen und abgebremst. 

Nichts für den Stadtverkehr

Auf der mehrspurigen Fahrbahn am Gürtel in Wien ist es mir ebenso passiert, dass der adaptive Tempomat abgebremst hat, weil ein Wagen von der Nebenspur sich in Richtung meiner Fahrspur bewegt hat. Als Fahrer habe ich erkannt, dass Platzgründe die Erklärung für die Fahrbewegung waren und kein Spurwechsel erwartbar war. Die Software war wohl eher der Meinung, dass der Wagen tatsächlich die Spur wechseln will und hat entsprechend reagiert.  

Im Kolonnenverkehr am Wiener Gürtel wäre der Autopilot eigentlich ideal, sein Einsatz ist jedoch vom Gesetzgeber nicht erlaubt. Hier sind auch die Begrenzungslinien der einzelnen Fahrspuren nicht eindeutig genug. Einmal aktiviert, habe ich das Fahrassistenzsystem schnell wieder ausgeschaltet, da es verwirrt war. Der adaptive Tempomat ist hier wesentlich besser geeignet und lässt den nervigen Stop-and-go-Verkehr deutlich entspannter bewältigen. 

Achtung, Achtung!

Wie von Tesla empfohlen, sollte man den Autopiloten keinesfalls aktivieren, wenn die Begrenzungslinien schlecht sichtbar oder gar nicht vorhanden sind. Ebenso wird von einer Verwendung in Baustellenbereichen oder bei Ausfahrten strikt abgeraten. Wie sich gezeigt hat, sind genau in derartigen Situationen die meisten Unfälle mit dem intelligenten Fahrassistenzsystem passiert. 

Hat man den Autopiloten aktiviert, muss ungefähr alle 30 Sekunden das Lenkrad ganz leicht bewegt werden, um sicherzustellen, dass der Fahrer auch bei der Sache ist und die Hände am Lenkrad hat. Ignoriert man die Meldung des Bordcomputers, werden die Hinweise immer aufdringlicher. Ist eine gewisse Toleranz überschritten, lässt sich der Autopilot erst wieder aktivieren, nachdem man den Parkmodus eingelegt hat. Auf diese Weise will Tesla zusätzlich verhindern, dass sich manche Fahrer nicht an die Vorgaben halten - eine Art Erziehungsmaßnahme. 

Fazit

Mit dem Autopiloten von Tesla erhält man bereit heute einen Vorgeschmack auf das autonome Fahren. Wie von Tesla empfohlen, funktioniert das Fahrassistenzsystem auf Schnellstraßen, Autobahnen und Überlandstraßen mit gut sichtbarer Fahrbahnbegrenzung gut. Dass es gesetzlich vorgeschrieben ist, immer sofort die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen zu können, hat gute Gründe, wie einige Autopilot-Testfahrten gezeigt haben. 

Auch wenn der Autopilot gerade auf der Westautobahn über weite Strecken völlig problemlos funktioniert hat, war das Fahren mit dem adaptiven Tempomaten wesentlich entspannter als mit dem futuristischen Assistenzsystem, das auch von selber lenkt.