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29.11.2018

So funktioniert Österreichs erstes Kino mit LED-Screen

Im Cineplexx Wienerberg wurde der klassische Filmprojektor durch einen LED-Screen mit neun Millionen Pixeln ersetzt. Das bringt einige Vorteile mit sich.

Wer sich im Onyx Cinema LED-Saal des Cineplexx Wienerberg umdreht und einen Blick auf die Rückseite des Saals wirft, der wird feststellen, dass etwas fehlt: Anders als in anderen Kinosälen wird das Bild nicht mit einem Projektor auf eine Leinwand geworfen, sondern von einem überdimensionalen LED-Screen wiedergegeben. Dies ist der erste Screen dieser Art in Wien, weltweit gibt es erst rund 20 Kinos, die mit einer derartigen Technologie ausgestattet sind.

Die Vorteile des Screens sind vergleichbar mit jenen, die ein Fernseher zuhause gegenüber einem Beamer hat: Die Farben sind kräftiger, der Kontrast ist höher, Schwarz ist wirklich Schwarz. Bei einem Testbesuch durch die futurezone zeigte sich, dass das Schwarz auf dem Bildschirm von der natürlichen Dunkelheit des Saals nicht mehr zu unterscheiden war. Zusätzlich zur neuen Leinwand wurde auch der Saal selbst komplett in Schwarz ausgekleidet, damit nichts mehr vom eigentlichen Kinofilm ablenkt. Dass die Farben deutlich kräftiger wirken, zeigt sich besonders bei Animationsfilmen wie „Der Grinch“. Inhalte in 3D werden hier allerdings nicht angeboten. „Denn der Kontrast auf dem Bildschirm ist so hoch, dass 3D nicht benötigt wird“, sagt Cineplexx-Geschäftsführer Christian Langhammer. Der hohe Kontrastumfang kommt vor allem der Darstellung von HDR-Inhalten zugute.

Zu den technischen Details: Mit neun Millionen LED-Pixeln lässt der Screen eine Fläche von 10,3 mal 5,4 Metern leuchten. Damit ist full-4K mit 4.096 mal 2.160 Pixel möglich. Die Pixel sind 2,3 Millimeter von einander entfernt: Wer also direkt vor der Leinwand steht, der kann den Abstand sehen, vom Kinosessel aus sind die einzelnen Pixel freilich nicht zu erkennen. Die Leuchtkraft ist laut Samsung zehn Mal stärker als bei herkömmlichen Kinoprojektoren.

Der Screen besteht aus 96 Einzelmodulen, die ausgetauscht werden könnten, wenn Pixel defekt sind. Ein Blick hinter den Screen zeigt einen Laptop und etliche Kabel, mit denen jedes einzelne Modul verbunden ist.

Kosten und Nutzen

Die LED-Wand hat laut Langhammer 750.000 Euro gekostet. Zum Vergleich: Ein Projektor kosten 50.000 bis 60.000 Euro. Der Preisunterschied ist in der Anschaffung also groß, Langhammer will sich damit aber unter anderem als Innovationsführer unter den österreichischen Kinobetreibern positionieren. Zu den Kunden gehören unter anderem „Technik-Freaks, die sich intensiv damit beschäftigt haben und einen Film genau in diesem Saal sehen wollen“, und auch Unternehmen können den Saal für ihre Präsentationen mieten: Je nach Vorführungszeit – ein Samstagabend kostet wegen der hohen Nachfrage freilich mehr als ein Dienstagvormittag – muss man rund 1500 Euro auf den Tisch legen, um den Saal samt Personal für drei Stunden zu mieten.

A propos Personal: Deren Rolle ändert sich nun auch, wie Langhammer ausführt. Denn mit den neuen Möglichkeiten steigen auch die Anforderungen des Publikums, bei einem Kinderfilm wünscht man sich zum Beispiel eine geringere Lautstärke als bei „Bohemian Rhapsody“, die B2B-Kunden wünschen sich oft ein eigenes WLAN oder haben ähnliche Spezialwünsche. „Der Filmvorführer wird somit zum Universaltechniker“, sagt Langhammer.

Cineasten im Chill-out-Sessel

Insgesamt hat der Umbau des Wienerberg-Kinos 4,4 Millionen Euro gekostet. Dabei ging es nicht nur um den besagten LCD-Screen, sondern auch zum Beispiel um die Kinosessel. Denn im Saal 4 wurde die Zahl der Sessel von 470 auf 370 reduziert, hier setzt man mehr auf Klasse als auf Masse. Die oberste Liga sind dabei Leder-Fauteuils, bei denen die Rückenlehne zurückgekippt und eine Fußlehne ausgefahren werden kann. Wer den neuesten Blockbuster in diesen Luxus-Sesseln genießen will, der muss einen Aufpreis von 5,50 Euro für sein Kinoticket berappen. In der Anschaffung haben diese Sessel jeweils 2500 Euro gekostet, ein normaler Kinosessel kostet bloß 220 Euro.

„Das Ziel ist, den Umsatz pro Ticket mit diesem Komfort-Upgrade zu erhöhen“, sagt Christof Papousek, CFO von Cineplexx. Neben den Luxussitzen werden aber auch weiterhin normale Sessel zu durchschnittlichen Preisen angeboten: Vor allem Familien, die mit ihren Kindern ins Kino gehen, sind hier eher sparsam. Durchschnittlich kostet ein Kinoticket in Österreich neun Euro, im Schnitt gehen die Österreicher zwei Mal pro Jahr ins Kino – deutlich mehr als in Deutschland, wo auf 83 Millionen Einwohner bloß 135 Millionen Kinobesuche pro Jahr kommen.

Der erfolgreichste Kinofilm in Österreich, das verraten Langhammer und Papousek noch im Rahmen der Demonstration, war übrigens weder „Titanic“ noch „Avatar“ – sondern Bully Herbigs „Der Schuh des Manitu“ mit insgesamt 2,2 Millionen Besuchern.