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06/27/2019

Vespa Elettrica im Test: Eine Roller-Legende unter Strom

Die Vespa gibt es seit Kurzem auch in Elektrisch. Der Motorroller setzt auf Komfort und Reichweite statt Geschwindigkeit.

von David Kotrba

Einfache Technik, Fahrkomfort und ein abgedeckter Motor: Aus diesen Anforderungen bastelte der Hubschraubertechniker Corradino D'Ascanio in den 40er-Jahren ein Fahrzeug, das zum Inbegriff des Motorrollers werden sollte. Seitdem Auftraggeber Enrico Piaggio aufgrund des niedrigen Durchstiegs der Vergleich mit einer Wespentaille einfiel, ist die Vespa (Wespe auf Italienisch) in aller Munde. 2017 kündigte Hersteller Piaggio an, die Vespa künftig auch als Elektroroller anzubieten. Seit dem Frühjahr 2019 ist die Vespa Elettrica auch in Österreich erhältlich. Wir haben die elektrifizierte Roller-Legende getestet.

Technik

Vespa-Generalimporteur Faber stellte uns eine Vespa Elettrica L3e zur Verfügung. Das ist jenes Modell, für das ein 111-Zusatz zum B-Führerschein (für 125 ccm Motorräder) notwendig ist. Im Gegensatz dazu kann man das Modell L1e schon mit B- oder Mopedführerschein fahren. Technisch gesehen gibt es zwischen den beiden nur geringe Unterschiede. Beide besitzen einen 4 kW (5,4 PS) starken bürstenfreien Elektromotor mit Energierückgewinnung (KERS) und einen Akku mit einer Kapazität von 4,3 Kilowattstunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt beim Modell L1e abgeriegelte 45 km/h, beim L3e 53 km/h.

Wer sich bei letzterem Wert: "das ist aber wenig" denkt, ist nicht alleine. Laut Faber wurde bei der Vespa Elettrica aber großer Wert auf eine stabile Reichweite gelegt. Bis zu 100 Kilometer sollen es sein, in der Praxis kommt man laut Faber rund 70 Kilometer weit. Beide Elettrica-Modelle bauen auf der Vespa Primavera auf. Das ergibt eine Länge von lediglich 1,87 Metern. Durch die Akkus kommt der Roller dennoch auf 130 Kilogramm Gewicht. Die Sitzhöhe liegt bei 79 Zentimeter.

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Die Vespa Elettrica L3e im futurezone-Test

Praxis

Wird der Zündschlüssel gedreht, springt zunächst ein Display an, das die Mitte des Vespa-Elettrica-Lenkers ziert. Will man losfahren, so muss man zunächst mit dem rechten Daumen die "Map"-Taste betätigen. Mit einer Landkarte hat das nichts zu tun, die Taste dient der Auswahl des Fahrmodus. "Power", "Eco" und "Reverse" lauten die Optionen. Bestätigt wird die Wahl, indem die Map-Taste rund vier Sekunden lang gedrückt wird. Als Fluchtfahrzeug taugt die Elettrica also nur bedingt. Los geht's erst, wenn das grüne "Ready" am Display erscheint.

Üblicherweise wird man den "Power"-Modus wählen, denn bei "Eco" wird die Maximalgeschwindigkeit auf 30 km/h gedrosselt. Das motorisierte Zurückschieben mittels "Reverse" ist auf steilen Parkplätzen praktisch und wird von einem Piepen begleitet. Obwohl "Power" nach Kraft klingt, ist man damit relativ gemütlich unterwegs. Beim Beschleunigen kann man mittels Gasgriff fein dosieren. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man sich im Stau zwischen stehenden Autos durchschlängelt. Ampelstarts gewinnt man höchstens gegen Mopeds. Auf der Geraden werden tatsächlich maximal 53 km/h erreicht, bergab geht es auch geringfügig schneller.

Besser im Flachen

Beim Bergauffahren tut sich die Vespa Elettrica teilweise schwer. Auf dem langen Anstieg der Triester Straße in Wien sank die Geschwindigkeit trotz "Vollgas" beständig ab. Auf der noch steileren Grünbergstraße in Wien kam der mit 90 Kilogramm beladene Roller am Ende nur noch mit 39 km/h voran. Wenn man solcherart auf der rechten Spur herumzuckelnd von Lastwägen bedrängt wird, kann das etwas unangenehm sein. Auf halbwegs ebenen, einspurigen Straßen kann man die komfortable Vespa eher genießen.

Geräusche entwickelt die Vespa während des Fahrens in moderatem Rahmen. Die Lautstärkenspitze des ansteigenden Elektromotorheulens liegt bei rund 35 km/h, darüber wird es hochfrequenter, aber leiser. Das Eingreifen der Energierückgewinnung beim Loslassen des Gasgriffs verläuft sanft, nicht ruckartig.

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Begrenzte Vernetzung

Mittels Bluetooth kann man das eigene Smartphone mit dem Roller verknüpfen. Eingehende Anrufe werden dann auf dem Display angezeigt. Mit der Vespa-App kann man die eigenen Fahrleistungen im Auge behalten und Spaß mit virtuellen Foto-Stickern in Vespa-Designs haben. Dinge wie das Einstellen von Fahrzielen am Smartphone und die anschließende Navigationsanzeige am Motorrad-Display gibt es nicht. Der Mehrwert für den Fahrer bleibt dadurch begrenzt.

Einfaches Aufladen

Aufgeladen wird die Vespa Elettrica an einer normalen Schuko-Steckdose. Ein Knopf neben dem Zündschloss öffnet den Stauraum unter dem Sitz. Hinter dem Fach für einen Jethelm findet man eine Kappe zum Abschrauben, unter der sich ein Spiral-Kabel samt Stecker befindet. Ist dieser mit der Steckdose verbunden, informiert das Display über den Ladevorgang. Der Akkuladestand wird sowohl in Prozent als auch in Restreichweite angezeigt. Außerdem erhält man eine Prognose in Minuten, wie lange man wartet, bis vollständig aufgeladen ist.

Die Reichweite entspricht in der Praxis recht genau jenen Angaben, die Generalimporteur Faber gemacht hat, also rund 70 Kilometer. Für Elektroroller ist das ein guter Wert. Da sich der eingebaute Akku nicht entnehmen lässt, empfiehlt sich im täglichen Betrieb das Vorhandensein einer Lademöglichkeit daheim oder am Arbeitsplatz.

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Fazit und Preis

Die Vespa Elettrica L3e ist ein komfortabler Elektroroller für Fans der Kultmarke, die emissionsärmer in Städten unterwegs sein wollen. Die Maschine lässt sich einfach und präzise steuern, zählt allerdings nicht zu den sprintstärksten im Roller-Feld. Auf Anstiegen ist man nochmal langsamer unterwegs als mit den ohnehin mageren 53 km/h Maximalgeschwindigkeit. Mehr braucht man andererseits in der Stadt kaum.

Das Aufladen der Elettrica ist dank integriertem Ladekabel einfach, setzt aber Zufahrt zu einer Steckdose voraus. Entnehmen und in der Wohnung aufladen kann man den Akku nicht. Bei vernetzten Diensten schneidet die Vespa dürftig ab, dafür punktet sie mit stabiler Reichweite.

Wie bei Vespa üblich, greift man bei der Anschaffung etwas tiefer in die Geldbörse. Dazu kommt noch der im Vergleich mit Benzinern übliche Aufschlag für den eingebauten Akku. Das Basismodell L1e wird nach Abzug von Umweltförderung seitens des Importeurs um 6270 Euro verkauft, die Vespa Elettrica L3e kommt auf 6990 Euro. Bei Bezug von Ökostrom kann der Käufer zusätzlich 350 (L1e) bzw. 500 Euro Förderung (L3e) vom Staat erhalten.