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11/16/2020

Wie Elektro das Aussehen von Autos verändern wird

Citroën-Designchef Pierre Leclercq erklärt die Auswirkungen von E-Motoren und warum die französische Automarke gern polarisiert.

von Martin Stepanek

Seit 2018 ist Pierre Leclercq Chefdesigner bei Citroën. Er soll die vor wenigen Jahren eingeleitete Repositionierung des traditionsreichen Autoherstellers weiter vorantreiben. Im krisengeschüttelten Corona-Jahr 2020 überraschte Citroën in puncto Design vor allem mit zwei Modellen, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Dem winzigen Elektroauto Ami und der Kompaktlimousine C4, die als ë-C4 auch als elektrisches Modell auf den Markt kommt.

futurezone: Was macht ein gutes Design bei einem Auto aus?
Pierre Leclercq:
Das kommt auf das Projekt an. Bei einem regulären Auto wie dem ë-C4 muss man etwas entwerfen, das ungeachtet der mechanischen Vorgaben super sexy und super attraktiv ist. Bei einem Spezialprojekt wie dem Ami funktioniert der Designprozess komplett anders. Man beginnt mit einem leeren Blatt und entwickelt vom Innenraum nach außen. Dabei darf man nicht in die Falle tappen, dass das Fahrzeug wie ein Auto aussehen muss.

Was bedeutet „von innen nach außen“ zu entwickeln?
Normalerweise wird auf einer Plattform produziert, bei der viele Parameter bereits vordefiniert sind. Man weiß, wo Motor, Windschutzscheibe, Fenster sein werden, auch die Höhe des Daches ist ein Fixpunkt. Das Innen- und Außendesign muss sich an diesen Vorgaben orientieren, setzt also auf diesen auf.

Und das war beim Ami anders?
Beim Ami haben wir tatsächlich mit zwei Sitzen begonnen, die wir nebeneinander platziert haben. Dann tüftelt man, wohin man den Elektromotor gibt, in welchem Winkel sich die Türen öffnen müssen, damit man ein geräumiges, funktionelles und leistbares Fahrzeug bekommt. Mechaniker, Ingenieure, Designer - alle müssen sich ständig abstimmen, damit das Ding am Schluss auch tatsächlich fährt.

Wird der Umstieg auf Elektroantrieb das Aussehen von Autos verändern?
Definitiv. Der Motor wird kleiner und kann in anderen Positionen verbaut werden als bisher, was wiederum mehr Platz schafft. Die Batterien sorgen dafür, dass Autos höher werden und sich so die Proportionen verschieben. Die aerodynamischen Eigenschaften der Karosserie sind beim Elektroantrieb viel wichtiger, um Reichweite zu garantieren. Gleichzeitig braucht man weniger Frischluftzufuhr für den Motor, die Vorderseite kann also ganz anders gestaltet werden.

Woran liegt es eigentlich, dass Autos in den vergangenen Jahrzehnten bis auf wenige Ausnahmen kaum mit mutigem Design auffielen?
Für Citroën kann ich das gerade für die vergangenen Jahre nicht bestätigen - im Gegenteil. Ich habe noch nie in einem Autokonzern gearbeitet, der so wagemutig unterwegs ist. Das ist das Schöne an der französischen Firmenmentalität. Es geht darum, die Kreativität voranzutreiben. Nur ein bisschen mehr Wasser in die Suppe zu geben, interessiert hier keinen.

Wie verrückt darf ein Auto aussehen, um es verkaufen zu können?
Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich mit einem Projekt 700.000 Autos oder 100.000 Autos verkaufen muss. Mir persönlich ist ein polarisierendes Fahrzeug wie das AMI viel lieber. Entweder man liebt oder hasst es. Viele Autos enden in einer Grauzone. Um die Industrie voranzutreiben, braucht es allerdings solche Schwarz- oder Weiß-Autos.

Das Design des ë-C4 ist weniger gewagt als der AMI ausgefallen. Welche Elemente der bestehenden Markenlinie wurden weiterentwickelt?
Wir haben diverse Akzente gesetzt. Die Vorderseite nimmt Anleihen von unserem futuristischen Konzeptauto 19_19. Als Kontrast zu den weichen, runden Strukturen setzen wir auf markantere Formen an der Seite und vorne– um etwa die technischen Elemente wie die neuen Scheinwerfer zu betonen. Das Heck ist ebenfalls dynamischer gestaltet. Im Inneren folgen wir der Citroën-Philosophie von viel Platz und Komfort, wofür etwa völlig neue Sitze entwickelt wurden.

Das Nutzungsverhalten beim Autofahren ändert sich gerade stark, wie das Beispiel Carsharing zeigt. Werden bestimmte Zielgruppen wie junge Leute oder Frauen von der Autoindustrie genügend ernstgenommen?
Jugendliche und Kinder wurden bisher wirklich vernachlässigt. Bei der Entwicklung des AMI haben wir erstmals gezielt 12- bis 20-Jährige eingebunden und ihr Feedback eingearbeitet. Das war in der Tat faszinierend, weil manche unserer Annahmen nicht bestätigt wurden. Statt kräftigen, bunten Farben wollten beispielsweise alle eine kühle, schicke Farbgebung. Eine andere Gruppe sind Senioren, gerade auch solche, die nicht mehr selber fahren können. Da kann man noch viel verbessern. Bei Frauen sehe ich das nicht so.

Inwiefern?
Wenn man Frauen fragt, was sie fahren wollen, dann sagen sie einen 911 oder ein anderes konkretes Modell oder einen SUV. Sie wollen kein spezielles, süßes Auto, das für Frauen entwickelt wurde, sondern ein normales Auto fahren. Unsere Autos werden im gleichen Maß von Frauen und Männern genutzt. Da gibt’s eigentlich keine Unterschiede.

In Fahrzeugen ist immer mehr Technologie, aber auch Software verbaut. Gegenüber den großen Techkonzernen wie Apple oder Google hinkt das Interface stets hinterher. Wird sich das jemals ändern?
Wir haben einen Plan, der in Bezug auf das User Interface absolut disruptiv für die Autoindustrie ist. Auch wenn ich derzeit nicht mehr verraten kann – es wird etwas sein, was in dieser Form bisher in keinem Auto von keinem Hersteller existiert.

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