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17.08.2018

Xiaomi Mi Band 3 im Test: Viel Fitnessband für 27 Euro

Der chinesische Konzern ist bei den Wearables zum Marktführer aufgestiegen. Wir haben das neue 30-Euro-Fitnessband getestet.

Vor rund vier Jahren ist Xiaomi mit dem ersten displaylosen Mi Band in den Wearable-Markt eingestiegen, Mitte 2016 folgte dann das Mi Band 2. Mit einer aggressiven Preispolitik und schlichten Produkten erreichte das chinesische Unternehmen schnell enorm hohe Verkaufszahlen. Im ersten Quartal 2018 teilte sich Xiaomi die Wearable-Marktführerschaft mit Apple, wie aus entsprechenden Statistiken hervorgeht.

Gleichzeitig mit den Smartphone-Spitzenmodellen der Mi-8-Serie wurde am 31. Mai 2018 nun das Mi Band 3 vorgestellt. Schon kurz nach Veröffentlichung meldete das Unternehmen hohe Verkäufe. Nach rund zweieinhalb Wochen am Markt wurden rund eine Million Stück abgesetzt, wie es hieß.

Mitgrund für den Erfolg ist abermals die aggressive Preispolitik. Der Preis in China liegt bei 169 Yuan, was etwas mehr als 21 Euro entspricht. Bei europäischen Händlern ist das Mi Band 3 aktuell für knapp 30 Euro zu haben.

ich habe das neue chinesische Fitnessarmband getestet.

Xiaomi Mi Band 3

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Erster Eindruck

Wie bereits seine Vorgänger und andere Fitness-Armbänder besteht das Mi-Band aus dem Herzstück, das bei einem Gewicht von 20 Gramm 46,9 x 17,9 x 12 mm misst, sowie einem Armband aus Silikon. Das Gerät ist mit einem Bewegungssensor sowie einem Pulsmesser ausgestattet. Um das Mi Band 3 zu laden, muss man es aus dem Silikonband entfernen und das Ladegerät anbringen, das sich als eine Art Gummi-Klammer umschreiben lässt. Das Ladegerät wird per USB Typ A an die Stromquelle angesteckt.

Das Design des Mi Band 3, dessen Band es in mehreren Farben gibt, ist sehr schlicht gehalten. Das Gerät selbst besteht aus Kunststoff, auf der Rückseite findet sich der Pulsmesser, auf der Vorderseite das OLED-Display, das im Vergleich zum Vorgänger eine Spur größer geworden ist. Beim aktuellen Modell misst es 0,78 Zoll und hat eine Auflösung von 128 x 80 Pixel. Leider ist das in monochrom gehaltene Display bei starker Sonneneinstrahlung kaum zu erkennen. In Innenräumen oder im Schatten ist es aber scharf und gut ablesbar.

Muss ich jetzt Mandarin lernen?

Beim ersten Einschalten des Bandes war ich durch die chinesischen Schriftzeichen etwas irritiert. Eine Einstellung zur Änderung der Sprache fand ich weder in der App noch auf der Uhr selbst, also half nur Googlen. Dabei stellte sich heraus, dass ich die Sprache meines Smartphones mit installierter Mi-Fit-App ändern muss, damit sich auch die Sprache des Bandes ändert. Mein Android-Handy war zu diesem Zeitpunkt auf Deutsch gestellt und da die offizielle Mi-Band-Firmware Deutsch (noch) nicht unterstützt, wurde stattdessen Mandarin ausgewählt. Abhilfe verschaffte, das Handy auf Englisch zu stellen.

Für Deutsch kursieren bereits angepasste Firmware-Versionen im Netz, die man sich auf das Fitnessband laden kann. Da es aber nur mehr eine Frage der Zeit sein dürfte, bis Xiaomi Deutsch auch in die offizielle Firmware integriert, sollte man einfach abwarten.

Mi Fit Screenshots

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Bedienung: Wisch Wisch

Bedient wird das Band 3 über Wischbewegungen am Display sowie einer Soft-Touch-Taste am unteren Rand. Durch seitliche Wischbewegungen kann man am Band verschiedene Menüpunkte durchsteuern, darunter etwa auch die Pulsmessfunktion, das Wetter oder die Benachrichtigungen, die vom per Bluetooth verbundenen Handy ankommen.

Die Bedienung über den Touchscreen funktioniert im Alltag bestenfalls durchschnittlich. Allzuoft passiert es mir, dass Wischbewegungen am Band nicht korrekt registriert werden. Auch das Öffnen der verschiedenen Menüs wird so erschwert.

Die Funktionen

Glücklicherweise gibt es neben den Menüs auf dem Band selbst noch die Mi-Fit-App, die als eigentliches Zentrum der Fitness-Funktionen fungiert. Das Band trackt alle Werte, wie man sie von vergleichbaren Produkten auch kennt. So wird neben den Schritten auch der Puls gemessen. Wahlweise automatisch in fixen Zeitabständen (minütlich, alle zehn Minuten oder stündlich) oder manuell.

Sportliche Tätigkeiten abseits von Gehen oder Laufen müssen in der App manuell gestartet werden. Anschließend bekommt man Infos darüber, wie viel man sich bewegt hat und wie sich der Puls dabei entwickelt hat. Um eine Karte der zurückgelegten Strecke zu generieren, greift das Wearable auf den GPS-Sensor im Handy zurück. Wahlweise kann man sich auch warnen lassen, falls der Puls während des Trainings einen bestimmten Grenzwert überschreitet.

Die Daten, die über das Band 3 aufgezeichnet werden, sind mit Vorsicht zu genießen. Alleine die Pulsmessung über das Handgelenk kann nie die Qualität teurerer Alternativen mit Brustgurt bieten.

Der Schlaf bzw. dessen Qualität kann automatisch erfasst werden. Das Band registriert, wann man schlafen geht und liefert anschließend eine Statistik, wie lange man sich in der Tiefschlafphase befunden hat. Zusätzlich werden auch Vergleiche mit anderen Nutzern in der Umgebung in ähnlichem Alter präsentiert.

Neben den klassischen Fitness-Funktionen benachrichtigt das Band noch wahlweise per Vibration über eingehende Anrufe, Nachrichten oder sonstige Smartphone-Aktivitäten. Da das Display sehr schmal und klein ist, erfordert das Lesen längerer Texte starke Nerven. Für simple Mitteilungen, wie etwa SMS-Tan-Nachrichten, reicht es aber.

Die Akkulaufzeit

Mit permanent aktivierter Pulsmessfunktion (minütlich) sowie täglichem Tracken meiner Schlafgewohnheiten, meldete das Mi Band nach fünf Tagen noch einen Akkustand von 50 Prozent. Verzichtet man auf das permanente Pulsmessen soll man laut Xiaomi sogar bis zu 20 Tage ohne Strom auskommen.

Für die lange Akkulaufzeit hilft auch der Umstand, dass das Mi Band kein Always-On-Display unterstützt. So muss man die Anzeige immer manuell einschalten. Zwar gibt es die Funktion, dass sie bei Heben des Unterarms automatisch anspringt, das hat im Test allerdings nur sehr unzuverlässig funktioniert.

Fazit

Das Xiaomi Mi Band 3 zählt zu den günstigsten seiner Art am Markt, braucht sich aber dennoch nicht zu verstecken. Schrittzähler und Pulsmesser funktionieren so genau es die Bauweise zulässt. Positiv ist mir im Test die lange Akkulaufzeit aufgefallen. Die größte Schwäche des Gerätes ist sein Display, das im Freien oft schwer bis gar nicht lesbar ist. Auch der etwas schwerfällig reagierende Touchscreen nervt im Alltag ab und zu.

Immerhin gibt es die App. Die mittlerweile recht gut ausgestattete Mi Fit App bietet einen sehenswerten Funktionsumfang, der recht ansehnlich aufbereitet ist. Lediglich die mühsame Sprachauswahl und eine Exportfunktion fehlen ein wenig.

Bewegungsmuffel, die ab und zu daran erinnert werden wollen, doch ein paar mehr Schritte zu gehen oder Gelegenheitssportler, die einen günstigen Einstieg in die Fitness-Tracker-Welt suchen, können bei einem Preis von (je nach Händler) rund 30 Euro bedenkenlos zuschlagen, sofern man mit den Schwächen leben kann. Für ambitionierte Sportler, die genauere Messdaten benötigen, ist das Mi Band 3 unterdimensioniert. Auch muss man bedenken, dass man beim Sport mit den Mi-Fit-Bändern in der Regel darauf angewiesen ist, sein Smartphone dabei zu haben. Wer ganz ohne Handy laufen gehen will, muss dafür etwas mehr Geld ausgeben.

 

Der futurezone wurde das Xiaomi Mi Band 3 vom Online-Händler Trading Shenzhen zur Verfügung gestellt, wo es um 27 Euro zu kaufen ist.