FILE PHOTO: Small bottles labbeled with a "Vaccine COVID-19" sticker and a medical syringe are seen in this illustration

© REUTERS / Dado Ruvic

Science
05/18/2020

"1 Tag früher" sucht Freiwillige für Corona-Infektion

Das Projekt 1 Day Sooner will die Entwicklungszeit für eine Corona-Impfung verkürzen. In Österreich startet die Webseite 1Tagfrueher.at.

von David Kotrba

Bis ein fertig entwickeltes Medikament sämtliche Tests für einen Marktstart durchlaufen hat, dauert es üblicherweise lange. Gerade bei Impfungen muss gewährleistet werden können, dass sie sicher für den Menschen und effektiv bei der Bekämpfung einer Krankheit sind.

Weil durch die Verbreitung von COVID-19 die Zeit drängt, überlegen Mediziner, ein schnelleres Testverfahren als üblich zu verfolgen. Dabei wollen sie Menschen absichtlich mit dem Coronavirus infizieren. Der Fachbegriff dafür lautet „Human Challenge Study“.

Die Non-Profit-Organisation 1 Day Sooner aus den USA sucht nun weltweit Freiwillige, die eine COVID-19-Infektion in Kauf nehmen, um der Allgemeinheit möglicherweise schneller einen Impfstoff zu verschaffen. Kommt eine Impfung durch ein beschleunigtes Verfahren nur einen Tag früher als sonst auf den Markt, könne man über 7000 Leben retten.

Diskussion anregen

Der Mathematik-Student Jan Hurt hat in einem Podcast von der Idee gehört. Mit der Webseite 1tagfrueher.at hat er den ersten deutschsprachigen Ableger von 1daysooner.org gestartet. "Für mich war klar, dass hier wissenschaftlicher Aktivismus Sinn macht", erklärt Hurt seine Motivation für das Privatprojekt. "Ich habe das Gefühl, dass Politiker und Wissenschaftler bei Human Challenge Studies zögerlich sind, weil sie Angst vor einem Image-Schaden haben."

Die Webseite 1tagfrueher.at soll die öffentliche Diskussion über die umstrittene Medikamententestmethode anfachen. "Ich bin gar nicht zu hundert Prozent überzeugt, dass man das machen muss, aber man muss sich das schneller überlegen." Hurt steht in engem Kontakt mit 1 Day Sooner, ist aber überzeugt davon, die Idee mit lokalen Webseiten in Österreich, Deutschland (1tagfrueher.de leitet noch automatisch auf die .at-Webseite um) und später auch im Rest Europas besser verbreiten zu können.

Sterberisiko

Dass Freiwillige bei einer Human Challenge Study an COVID-19 sterben könnten, ist Hurt bewusst: "Das kann man nicht ausschließen, aber das Risiko ist mit 1:3000 in etwa so hoch wie bei einer Nierentransplantation." Mehr Sorgen bereiten ihm derzeit noch unbekannte Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung. "Ich vermute mal, dass man in den nächsten Monaten mehr weiß. Das ist sicher etwas, was man abwägen muss und wo es volle Transparenz geben sollte."

Das in den USA gegründete 1 Day Sooner versichert, dass nur Freiwillige für einen Test zugelassen werden, die sich zwischen 20 und 45 Jahre alt sind und sich bester Gesundheit erfreuen. Die Krankheitsverläufe sollen in einer höchst kontrollierten Umgebung beobachtet werden. Bei einer Infektion sollen die Teilnehmer eine "exzellente medizinische Behandlung" erfahren. Finanzielle Kompensation winkt obendrein.

Hohe Motivation

Während all dies schon sehr konkret klingt, fehlen doch noch wichtige Voraussetzungen. Die wichtigste: Ein Impfstoff gegen COVID-19. Den gibt es noch nicht. Die zweite: Eine Forschergruppe oder eine Institution, etwa eine Klinik, muss sich der Durchführung einer Human Challenge Study annehmen. Erst dann werden all jene Freiwilligen, die sich bei 1 Day Sooner oder 1 Tag früher gemeldet haben, darüber informiert. Für eine tatsächliche Teilnahme müssen sie sich dann erneut bewerben.

Über 20.000 Menschen haben sich schon freiwillig gemeldet. Viele nehmen aus selbstlosen oder auch eher pragmatischen Gründen teil. Ein Webseiten-Kommentar lautet etwa: "Ich will, dass das alles endlich vorbei ist."

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