D-MARS Habitat in der Negev-Wüste

© D-MARS

Science

Amadee 20: Mars-Simulation in Negev Wüste kurz vor dem Start

Technologien für zukünftige Raummissionen werden ab Montag (4.10.) bei der Mars-Simulation „AMADEE-20“ in der Negev Wüste getestet. Die Analog-Mission des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF) startet mit einer einwöchigen Vorbereitungsphase, ehe am 11. Oktober sechs Analog-Astronaut*innen drei Wochen lang teilweise isoliert von der Umwelt in marsähnlicher Umgebung Experimente durchführen sowie Ausrüstung und Arbeitsabläufe für die künftige Erforschung des Mars testen werden. Das ÖWF wird die analoge Mars-Feldsimulation in Kooperation mit der israelischen Raumfahrtagentur ISA und der „Desert Mars Analog Ramon Station“ (D-MARS) coronabedingt ein Jahr später als geplant vom 4. bis 31. Oktober durchführen. An der 13. Mars-Simulation des ÖWF sind mehr als 200 Wissenschafter*innen aus 25 Ländern beteiligt.

Ziel des Projekts ist es, die Arbeit von Astronaut*innen - auch in Kombination mit dem Einsatz von Robotern - in marsähnlichen Umgebungen auf der Erde zu simulieren. Dazu werden nicht nur neue Technologien erprobt. Analogforschung suche auch nach Schwachpunkten und Fehlern in Arbeitsabläufen und Geräten, „damit beim tatsächlichen Einsatz alles glatt geht“, so ÖWF-Chef Gernot Grömer.

Internationales Astronaut*innen-Team

Für den Isolationsteil der Mission wurden sechs „Analog-Astronaut*innen“ - eine Frau und fünf Männer - ausgewählt und trainiert. Sie kommen aus Österreich, Deutschland, Israel, den Niederlanden, Portugal und Spanien. Drei Wochen lang werden sie in einem eigens von D-MARS für die Mission gebauten Habitat leben. Es befindet sich im Ramon-Krater, dem größtem Erosionskrater in der Negev Wüste im Süden von Israel und soll auch nach „AMADEE-20“ für weitere derartige Missionen verwendet werden.
Das Habitat besteht aus einem „Crew Module“ mit 50 Quadratmetern, das als Schlaf- und Aufenthaltsraum sowie Küche für die sechs Bewohner verwendet wird. Über einen zwei Meter langen Gang ist es mit dem rund 60 Quadratmeter großen „Science and Command Module“ verbunden. Dieses dient als Labor, Wissenschafts- und Kommandoeinheit, Lager und Krankenstation. In diesem Modul wird auch der vom ÖWF entwickelte Raumanzugs-Simulator an- und ausgezogen, den die „Analog-Astronaut*innen“ bei „Außeneinsätzen“ tragen müssen.

In der ersten Woche wird das gesamte Equipment ausgepackt, aufgebaut und überprüft. Während der Isolation gibt es ein Team von fünf bis zehn Leuten, die in der Nähe des Habitats Unterstützungsarbeit leisten, ohne aber mit den „Analog-Astronaut*innen“ in Kontakt zu treten. Unterstützung bekommt das Team in der Wüste von der Mannschaft des Mission Support Centers (MSC) in Innsbruck, wobei in die Kommunikation zwischen Habitat und MSC eine zehnminütige Verzögerung eingebaut ist. So lange braucht auch ein Funksignal vom Mars zur Erde.

Kugelförmiger Rover im Einsatz

Der Ablauf der dreiwöchigen Isolation ist minutiös in einem „Flugplan“ vorgegeben. In 15-Minuten-Schritten ist darin geregelt, wer was wann macht, wer welchen Raumanzug anzieht, etc. Im Rahmen des Projekts werden mehr als zwei Dutzend internationale Experimente durchgeführt und verschiedene Technologien erprobt. Getestet wird etwa eine autonom fliegende Drohne, die bei der Kartierung unbekannten Terrains und der Rettung verschollener Astronauten helfen soll. Ein Forscherteam um Stephan Weiss von der Uni Klagenfurt, der am Erstflug des Hubschraubers „Ingenuity“ am Mars im Frühjahr dieses Jahres beteiligt war, will bei der Mission weitere Erfahrung sammeln, wie eine Drohne ohne GPS-Systeme ihren Standort bestimmen und navigieren kann.
Mit Unterstützung dieser beiden Fluggeräte soll ein von Forscher*innen der Technischen Universität (TU) Graz entwickelter Rover die Außeneinsätze der Analog-Astronaut*innen vorbereiten.

Erneut im Einsatz ist ein ungewöhnlicher, kugelförmiger Rover mit einem Durchmesser von mehr als zwei Metern eines außeruniversitären Forschungsprojekts, der von Steppenläufern, einem Strauch, der vom Wind getrieben weite Strecken zurücklegen kann, inspiriert ist. Erprobt werden auch die Benutzerfreundlichkeit einer Luftschleuse, eine haptische Fernsteuerung eines Roboters oder Möglichkeiten zur Überwachung von Kontaminationen mit Mikroorganismen. In Kooperation mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) wird zudem der Einsatz von 3D-Druckern sowie von innovativen Methoden getestet, um Raumanzug-Unterwäsche in Zukunft hygienischer und somit mehrfach wiederverwendbar zu machen. Ausprobiert wird weiters eine Schutzweste, die Knochenmark und andere stammzellreiche Organe vor schädlicher Strahlung abschirmt.

Auswirkungen auf Gesundheit untersucht

Auch die psychische und physische Gesundheit der Analog-Astronaut*innen ist ein großes Thema. Das Spektrum reicht dabei von der Untersuchung der Auswirkungen der Isolation auf die psychische Gesundheit einer Gruppe, über Techniken zur positiven Beeinflussung von Teamleistungen bis zur Überwachung der Gesundheit der Analog-Astronaut*innen durch Kontrolle von Häufigkeit und Konsistenz ihres Stuhlgangs.

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