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Science

Drogeriemarkt warnt vor Masken aus Staubsaugerbeutel

Nachdem die Bundeswehruniversität München am 9. April verkündet hat, dass Staubsaugerfilter sich für den Eigenbau von Schutzmasken gut eignen - die futurezone hat berichtet - warnt der Drogeriemarkt dm nun vor bedenklichen Eigenschaften der Staubsaugerbeutel.

Laut dem Drogeriemarkt ist Vorsicht geboten. Das gilt zumindest für die dm-Eigenmarke Profissimo. Diese Staubsaugerfilter enthalten laut dm Substanzen, die gesundheitsschädigend sein können, wenn sie in die Atemwege gelangen. Aus Hygienegründen würden die Filter ein antibakteriell wirkendes Pulver aus Polymer beinhalten. Werde der Beutel aufgeschnitten und halte man ihn direkt vor Mund und Nase, würde das Pulver eingeatmet, was infolge Reizungen auslösen könne, heißt es in einer Mitteilung des Drogeriemarktes. Zudem könnten Verdauungsorgane beeinträchtigt werden.

Dm zufolge gibt es auch keine wissenschaftliche Belege dafür, dass Staubsaugerbeutel mit Feinstaubfilter jene Filtereigenschaften aufweisen, die mit Atemschutzmasken der Kategorie FFP 2 vergleichbar sind. 

In der Pressemitteilung der Bundeswehruniversität München hat es geheißen: "Um sich sicher vor einer Tröpfcheninfektion zu schützen und als infizierte Person die Ansteckung der Mitmenschen vollständig zu verhindern, sind partikelfiltrierende Atemschutzmasken ohne Ventil erforderlich. Die Experimente durch Prof. Kähler und Dr. Hain zeigen, dass Staubsaugerbeutel mit Feinstaubfilter sehr gute Filtereigenschaften haben."

Update 11. April: In der Zwischenzeit haben die Forscher zur Kritik der Hersteller Stellung genommen.

Glasfasern in Lunge

Laut Gabriele Ettenberger-Bornberg, Expertin für Hygiene, Reinigung und Desinfektion beim Österreichischen Forschungs- und Prüfinstitut (OFI), enthalten Staubsauger in den meisten Fällen sogenannte HEPA-Filter. Auch die sind bedenklich. „Diese bestehen aus Glasfasern, andere wiederum aus Polymere. Wenn man diese Glasfasern inhaliert, können sie in die Lunge gelangen und gesundheitsschädigende Wirkungen haben“, sagt sie der futurezone

Ob es Staubsaugerfilter gibt, die als Schutzmaske unbedenklich sind, könne man laut der Expertin nicht sagen. „Diese Filter werden nicht auf Inhalation getestet, sondern vielmehr auf Rückhaltevermögen von Bakterien und Ähnliches. Sie sind kein Medizinprodukt – es gab bisher keine Notwendigkeit, sie auf gesundheitliche Auswirkungen zu untersuchen“, so die Forscherin.

Sie rät dazu, auf Medizinprodukte zurückzugreifen, die auf ihre Biokompatibilität geprüft wurden und hautverträglich sind. 

Coronaviren zu klein

Auch der Hersteller Swirl warnt vor dem Einsatz seiner Staubsaugerbeutel als Schutzmasken – jedoch aus einem anderen Grund. Laut dem Unternehmen hätten die einen Feinstaubfilter, der Feinstaub bis zu einer Fragmentation bis zu 0,3 Mikrometer zu 99,9 Prozent filtert. Coronaviren seien jedoch zwischen 120 und 160 Nanometer klein. Zu klein, um ausreichend gefiltert zu werden. 

Von den Forschern der Luft- und Raumfahrttechnik der Bundeswehruniversität München konnte aufgrund des Feiertags in Deutschland am Freitag, dem 10. April, niemand erreicht werden. 

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Andreea Bensa-Cruz

Andreea Bensa-Cruz beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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