Forschung in Österreich

Unter anderem sind Life Sciences eine der relevantesten Forschungsbereiche 2023   

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Science

Woran Österreich 2023 forschen wird

Österreichs Forschung ist auf der Überholspur. Vor allem in der Quantenforschung hat sich dieses Jahr hierzulande viel getan. Die Ehrung Anton Zeilingers mit dem Physiknobelpreis war ein Highlight für die heimische Wissenschaftsgemeinde. „Der Nobelpreis für einen österreichischen Forscher ist auch eine Auszeichnung für die heimische Forschungslandschaft und zeigt, dass Großes möglich ist“, zeigten sich Henrietta Egerth und Klaus Pseiner, Geschäftsführer der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), über die Ehrung erfreut. 

Was es laut dem Nobelpreisträger braucht, um große wissenschaftliche Durchbrüche zu erreichen, sei insbesondere die von Neugier angeregte Grundlagenforschung, wie er im Rahmen einer Pressekonferenz vor der Ehrung am 10. Dezember mitgeteilt hat.

 Anton Zeilinger wurde im Dezember für seine Arbeit zur Quantenverschränkung mit dem Physiknobelpreis geehrt 

„Quantum Austria“

Die wiederum braucht Fördermittel. Unterstützung kommt insbesondere von der FFG, die auch mit Zeilinger  in der Vergangenheit jahrelang zusammengearbeitet hat. Auch in Zukunft soll in seinem Fachbereich investiert werden. Generell ist die Quantentechnologie laut der Förderagentur einer von 3 Bereichen, die im kommenden Jahr noch weiter an Bedeutung gewinnen werden. „Die FFG übernimmt dabei den wichtigen Part der Unterstützung der angewandten Forschung für die Initiative Quantum Austria“, heißt es.  

Umgesetzt wird das Förderprogramm gemeinsam mit dem Wissenschaftsfonds FWF bis 2026. Ziel ist es unter anderem, innovative Grundlagenforschung in den Bereichen Quantenphysik oder Quantencomputing zu fördern und Österreichs Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der EU und weltweit weiterhin zu gewährleisten. „Mit Infrastruktur- und F&E-Projekten (Forschung & Entwicklung) in Zusammenarbeit zwischen innovativen Unternehmen und den Forschungseinrichtungen wird es in den kommenden Jahren gelingen, die Quantentechnologie im Land entscheidend voranzubringen“, so die FFG.

50 Millionen Euro

Daneben wird auch der Sektor Life Sciences mit Projekten auf dem Gebiet der Medizin, Biochemie oder Lebensmittelforschung 2023 hochrelevant bleiben. Im Rahmen der neuen Initiative „Austrian Life Sciences“ von der FFG und dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort wird dieser Sektor mit einer  Summe von 50 Millionen Euro gefördert. 

„Die Herausforderungen der Life-Science-Branche sind enorm. Kaum ein Sektor hat längere Entwicklungszeiten, ein höheres Entwicklungsrisiko und derart strenge regulatorische Vorgaben“, so die FFG. Daher sei es umso wichtiger, diese Betriebe nun mit einem eigenen Life-Science-Schwerpunkt bei ihren Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu unterstützen.

FFG-Fakten

Infrastruktur
Zusätzlich zu Forschung, Entwicklung und Innovation unterstützt die Forschungsförderungsgesellschaft nun auch  die Infrastrukturentwicklung in Österreich. Der größte Anteil fällt dabei auf die Bereiche „Breitband“ und „Emissionsfreie Busse/Nutzfahrzeuge und Infrastruktur“ (EBIN/ENIN) 

3,2 Milliarden Euro wurden mithilfe der FFG in wirtschaftsnahe Forschung und Breitbandinfrastruktur in Österreich investiert 

Künstliche Intelligenz

Der dritte Bereich, der nicht nur in den vergangenen Jahren für eine bunte Vielfalt an Anwendungen gesorgt hat, sondern auch in Zukunft immer bedeutender wird, ist künstliche Intelligenz (KI). Mit dem Programm „AI Mission Austria“, das die FFG gemeinsam mit dem FWF und der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) unterstützt, werden 2 FFG-Ausschreibungen im Bereich der anwendungsorientierten KI-Forschung mit 1,5 Millionen Euro gefördert. Der Start erfolgte mit der Ausschreibung des Leitprojekts in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Milliardenschwelle erreichen

Ab 2023 fließt bis 2026 auch eine halbe Milliarde Euro in die Transformationsoffensive der Bundesregierung. Mit dem Förderpaket für eine klimafreundliche und energieunabhängige Industrie soll Österreich unabhängig von Russland werden. Die FFG fokussiert dabei auf Forschungs- und Technologieentwicklung, Standortförderung und auf Qualifizierungsmaßnahmen vor allem im Bereich der Fachkräfte.

Generell wird erwartet, dass 2023 ein fast so gutes Jahr für die heimische Forschung wird wie das aktuelle. Trotz der krisenbeladenen Zeit war 2022 mit einer Auftragssumme zur Unterstützung von Forschungsprojekten von rund 1,7 Milliarden Euro ein Rekordjahr für die FFG. Zum Vergleich: 2021 belief sich diese Mittelbindung noch auf 900 Millionen Euro.

Im Unterschied zur Finanzkrise im Jahr 2008 gab es heuer keinen Einbruch bei der Nachfrage nach Projekten, sondern sogar einen massiven Anstieg. Mit ein Grund ist die Erweiterung des FFG-Portfolios. Die Förderagentur hat sich vom reinen Programmabwickler zur Innovationsdrehscheibe zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft weiterentwickelt. 

Diese Serie erscheint in redaktioneller Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Gebirgsforschung auf dem Vormarsch

Rund ein Viertel der Landfläche auf der Erde sind Gebirgsregionen. Ca. eine Milliarde Menschen leben darin und noch viel mehr sind von Ressourcen aus den Bergen abhängig. Die Klimakrise wirkt sich auf diese Regionen stark aus, weshalb sich auch die Wissenschaft immer mehr damit beschäftigt. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Innsbruck hat sich einen Überblick über die Forschungslage verschafft. 

„Wir wissen heute, dass Bergregionen vom globalen Temperaturanstieg durch den Klimawandel und den damit verbundenen ökologischen und sozioökomischen Konsequenzen besonders stark betroffen sind. Viele Entwicklungen sind aufgrund ihrer Komplexität und der aktuellen Dynamik noch nicht ausreichend verstanden und dementsprechend besteht großer Forschungsbedarf“, erklärt Wolfgang Gurgiser, Hauptautor der im Fachmagazin PLOS ONE erschienenen Studie.

Für ihre Analyse haben die Forscher 195.114 Studien zusammengetragen, die zwischen 1900 und 2019 in englischer Sprache veröffentlicht wurden. „Blickt man auf die Verteilung dieser großen Anzahl an Veröffentlichungen über die Jahre, zeigt sich eine deutliche Zunahme in den letzten 10 Jahren: Mehr als die Hälfte der Publikationen erschien zwischen 2010 und 2019“, sagt Gurgiser.

Themen wie Klima, Wald, Wasser, Biodiversität und Ökosysteme standen dabei im Vordergrund – und damit auch die Naturwissenschaften. Nur 5 Prozent der Studien stammen aus den Sozial- und Geisteswissenschaften.  

Himalaya dominant

Die meisten Studien wurden im Himalaya durchgeführt, dahinter landen die Alpen und die Anden. Weniger bekannten Gebirgen wird weniger Aufmerksamkeit geschenkt, was laut den Forscher*innen aber wichtig wäre. 
Die meisten Gebirgsstudien stammen aus den USA. Rechnet man nach Publikationen pro Kopf, liegen europäische Länder voran. Bei den Unis belegt die ETH Zürich den Spitzenplatz, die Uni Innsbruck folgt auf Platz 2. 

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Andreea Iosa

Andreea Iosa beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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