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Wie Österreich dank Forschung krisenstark bleibt

Krieg, Pandemie, Klimawandel: Die Welt sieht sich zunehmend mit einer Energieverknappung konfrontiert. Der Bedarf an Innovation und schnellen Lösungen ist groß. Henrietta Egerth und Klaus Pseiner, Geschäftsführung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG, erzählen, warum Forschung gerade jetzt so wichtig ist. 

futurezone: Wegen des Ukraine-Kriegs sind fundamentale Veränderungen im europäischen Energiesystem zu erwarten. Was heißt das für die Forschung in Österreich?
Egerth: Was wir mit Beginn dieses fürchterlichen Kriegs verstanden haben, ist, dass wir in einem Boot sitzen und raschest handeln müssen. Wir wissen, dass ein Umstieg aus fossiler Energie nicht von heute auf morgen möglich ist. Aber wir wissen auch: Forschung wirkt. Denn Forschung und Innovation sind die Grundlage für wichtige Zukunftsvorhaben – von Klimaschutz über Energie- und Mobilitätswende bis zu Digitalisierung und Life Sciences.

Welche Sektoren sind primär vom Krieg betroffen?
Pseiner: Aktuell sind es vor allem einzelne Branchen. So ist etwa der Automotive-Sektor mit Lieferproblemen aus der Ukraine konfrontiert und musste die Produktion substanziell drosseln oder kurzfristig aussetzen. Mittelfristig werden erhöhte Energiepreise insbesondere energieintensive Branchen und damit auch Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) treffen. Forschung made in Austria nimmt eine zentrale Rolle in Bezug auf die Energiewende ein. Nur mit Forschung und Kreativität ist die ökologische Wende zu schaffen und nur Innovationen können eine nachhaltige und resiliente Wirtschaft gestalten. 

Von den FFG-Förderungen fließt auch fast die Hälfte in klimarelevante Projekte.  
Pseiner: Österreich ist einfach top im Bereich Green Tech. Das Spektrum reicht „von bis“, egal ob Themenstellung oder Branche. Das liegt nicht nur daran, dass wir vor einiger Zeit Nachhaltigkeit als ein fixes Kriterium bei der Bewertung von Forschungs- und Innovationsprojekten verankert haben. Erstmals wurden in den 80er- und 90er-Jahren gezielt Umwelt- und Mobilitätsforschung gefördert. So sind etwa Klimaneutralität, Ressourceneinsparung und -effizienz sowie Wege hin zu einer sauberen, kreislauforientierten Wirtschaftsweise, einer nachhaltigen Energie- und Mobilitätswende in Österreich, Europa und darüber hinaus anzustreben.

Henrietta Egerth und Klaus Pseiner (FFG-Geschäftsführung)

Wie wird die Forschung auf die nahenden Veränderungen reagieren?
Pseiner: Österreich hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass unser Land gestärkt aus Krisen hervorgehen kann. Und genau diese Forschungsleistungen aus früheren Jahren geben uns jetzt Lösungen in die Hand, um die Energiewende zu bewältigen. Es braucht jetzt vor allem einen Turbo für drei zentrale Themen: Erstens für die erneuerbaren Energien wie Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik, Biomasse und Geothermie. Zweitens für das Thema Energieeffizienz und drittens für den Bereich Speicher- und Übertragungstechnologien.

Welche Rolle nehmen diesbezüglich Start-ups ein?
Egerth: Von den FFG-Förderungen profitieren Einsteiger wie Innovationsprofis, Start-ups oder Einzelforscher genauso wie Konzerne oder Hochschulen. Mit 78,5 Millionen Euro an Förderungen für Start-ups konnte 2021 ein Höchstwert erreicht werden. Über 1.100 Start-ups haben Unterstützungen der FFG genutzt, um ihre Ideen umzusetzen. Die meisten von ihnen aus dem Sektor digitaler Technologien, aber auch aus den Life Sciences und den Branchen Energie und Mobilität bzw. Produktion. Die FFG konnte in den vergangenen Jahren wesentlich zu einer wachsenden, lebendigen Start-up-Szene in Österreich beitragen.

Welchen Stellenwert hat Vernetzung in der Forschung?
Pseiner: Kooperation und Vernetzung sind großgeschrieben und in der Forschungsförderung unbedingt erwünscht. Sei es die Kooperation von bestimmten Zielgruppen wie Start-ups, oder eine, wo es um die Optimierung von Strukturen und Prozessen oder die Nutzung von Infrastrukturen geht – etwa in der Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft. Auch wir als Förderagentur setzen stark auf die Zusammenarbeit und wickeln etwa für Bundesländer Ausschreibungen ab und erleichtern Anschlussfinanzierungen. Damit reduzieren wir den Aufwand für Fördernehmer.

Die FFG-Förderzusagen sind 2021 deutlich angestiegen. Was sagt der Blick in die Zukunft?
Pseiner: Zahlreiche innovative Unternehmen haben die Pandemie für F&E und innovative Weiterentwicklungen genutzt. Die forschende Wirtschaft konnte nach wie vor Projekte mit enormer Innovationskraft umsetzen. Die Nachfrage nach Fördermittel war ungebrochen groß. Die Ergebnisse des Jahres 2021 stimmen uns auch mit Blick auf die nahe Zukunft zuversichtlich.

Egerth: Besondere Zeiten bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Der Krieg in Europa und die Pandemie treffen viele Unternehmen in Österreich. Deshalb ist Forschungs- und Innovationsförderung nicht nur Initialzündung, sie wirkt vor allem als Motivationsschub. Und deshalb ist ein Budgetplus für die FFG ein Plus für Österreich – gerade jetzt. Denn Forschung- und Innovationserfolge bedeuten Resilienzfähigkeit für unser gesamtes Wirtschaftssystem.

Diese Serie erscheint in redaktioneller Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Start-up nutzt CO2 für Essen

Österreichweit entwickeln Forscher*innen Lösungen, um die Folgen des Klimawandels zu reduzieren. Die Innovationen reichen von grüner Energiegewinnung über die Kreislaufwirtschaft bis hin zur Minderung von Treibhausgasen. Letzterem hat sich das im vergangenen Jahr gegründete Wiener Start-up Arkeon Biotechnologies verschrieben. Mithilfe eines speziellen Verfahrens der Gasfermentation will es CO2 aus der Industrie in Nahrungsmittel verwandeln. 

Archaeen-Bakterien

Die Technologie, an der über 10 Jahre geforscht wurde, kommt ohne Acker, Ernte und Gentechnik aus. Das Verfahren ist sogar klimanegativ: Der Umwelt wird mehr CO2 entzogen, als bei der Umwandlung in Proteine ausgestoßen wird. 

Bei dem Prozess verwandeln die besonders robusten Archaeen-Mikroorganismen das Kohlenstoffdioxid in Proteine. Diese „Biokatalysatoren“ können dabei alle 20 für den Menschen nötigen Aminosäuren erzeugen. Ist das CO2 in die Protein-Bausteine umgewandelt, können daraus rein pflanzliche Fleisch- und Milchalternativen hergestellt werden.

Herkömmliche Fleischersatzprodukte werden in der Regel auf Basis von Erbsenproteinen hergestellt. Sie bedürfen bei der Herstellung mehrere Produktionsschritte, unter anderem zum Entfernen des Eigengeschmacks. Beim neuartigen Verfahren werden diese Schritte eingespart und somit Ressourcen geschont. Arkeon Biotechnologies will das CO2 zunächst von heimischen Brauereien beziehen.

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Andreea Iosa

Andreea Iosa beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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