Wilderness Area Duerrenstein

© Matthias Schickhofer / Matthias Schickhofer

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Gesunder Wald als Klimaretter: Worauf es jetzt ankommt

Nur 11 Prozent Österreichs Wälder sind natürlich oder sehr naturnah. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Waldbericht des WWF (PDF). Die Naturschutzorganisation drängt darauf, verbleibende Waldjuwele zu schützen sowie in der Forstwirtschaft stärker auf Nachhaltigkeit und Sortenvielfalt zu setzen.

Auch Totholz erlaubt

„In einem naturnahen Wald existieren verschiedenste Baumarten, die an den Standort angepasst sind. Neben aufstrebenden Jungtrieben gibt es Veteranen-Bäume, die auch über 200 Jahre alt werden können. Am Boden darf auch Totholz liegen, das für den Nährstoffkreislauf essenziell ist und wiederum einer Vielzahl von Organismen einen Lebensraum bietet“, erklärt Waldexpertin Karin Enzenhofer vom WWF Österreich.

Naturnahen Wäldern komme im Kampf gegen die Klimakatastrophe eine besonders wichtige Rolle zu. „Der Wald ist die beste Co2-Senke Österreichs. Je gesünder und vielfältiger er ist, desto mehr Kohlenstoff und auch Wasser kann er speichern. Ein intakter Waldboden kann folglich auch Extremsituationen viel besser abpuffern als etwa eine reine Fichtenplantage", sagt Enzenhofer.

Dazu komme die Erholungsleistung für die Bevölkerung, die im Vergleich zu einem Wald, der aus einer Monokultur bestehe, ungleich höher sei. Volkswirtschaftlich sollten all diese Faktoren sowie gehäuft auftretende Ereignisse wie Sturmschäden, Bodenerosion und Schädlingsbefall stärker berücksichtigt werden, etwa wenn es um Förderungen von bewirtschafteten Waldflächen gehe, fordert der WWF.

Ökologie und Ertrag

Beim WWF sieht man sich keinesfalls als Gegner der Forstwirtschaft. „Artenreichtum und Wirtschaftswald müssen sich nicht widersprechen. Viele Forstbetriebe haben das auch schon erkannt und setzen deshalb verstärkt auf mehr Mischwald und natürlichere Verjüngung“, erklärt Enzenhofer.

Letztere besitze zwar den Nachteil, dass der Prozess länger daure, sich aber nur Keime durchsetzen, die genetisch perfekt an den Standort angepasst und daher widerstandsfähiger seien. "Je mehr sich ein Baum gegen konkurrierende Sträucher und Bäume in die Höhe gekämpft hat, desto stärker ist er. Bei vielen künstlichen Pflanzungen kommt es hingegen zu Wurzelschäden. Der Baum ist folglich von Beginn an schon geschwächt."

Bewusstsein in der Bevölkerung

In der Bevölkerung ortet die Waldexpertin ohnehin längst ein Umdenken, das durch die Corona-Krise noch bestärkt worden sei: „Waldspaziergänge sind in Lockdown-Zeiten ganz besonders im Trend. Viele Menschen stellen dabei fest, dass ein naturnaher Wald, der nicht komplett zusammengeräumt ist, einfach angenehmer, schöner und im Sommer auch kühler ist.“

Auch die Horrorbilder von zusammenbrechenden Fichten und kahlen Landstrichen, die Windwurf oder Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind, hätten bei vielen Menschen eine Bewusstseinsänderung bewirkt. Angesichts der langen Lebenszyklen, die bei naturnahen Wäldern mehrere Hundert Jahre, im Wirtschaftswald zumindest 80 bis 120 Jahre dauern, sei nun rasches Handeln gefragt, um das wertvolle Ökosystem für kommende Generationen zu retten.

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Martin Stepanek

martinjan

Als früher „Digital Native“ schon 1984 dem legendären Macintosh 128k seines Vaters ausgesetzt. Erster eigener Computer: Atari 520ST. Gadget-verliebt. Während Journalisten-Verschnaufpausen Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Liebt gute TV-Serien. Und Wien.

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