SPACE-DISAPPEARING STAR

© APA/AFP/European Southern Observatory/L. CALCADA / L. CALCADA

Science
07/07/2020

Intelligentes Leben im All: Hier sollen Forscher suchen

Es gibt einen Katalog mit 700 Vorschlägen, wo Forscher als nächstes nach Zeichen von Zivilisation im All suchen sollen.

Observatorien rund um die Welt suchen seit Jahren nach Anzeichnen technologischer Aktivität außerhalb der Erde. Dies können Zeichen von intelligentem Leben im All sein.

Mit Breakthrough Listen gibt es seit 2015 eine Initiative, die dafür aktuelle Software und Daten einsetzt und diese auch veröffentlicht. Vor rund 2 Jahren hat die Initiative eine Kollaboration mit der NASA bekannt gegeben – doch die jüngste Veröffentlichung dürfte viele Fans von außerirdischem Leben im All noch mehr begeistern: Es handelt sich dabei um einen Katalog namens „Exotica“ (Studie als PDF). Darin geht es um eine Liste von Objekten, die für Astronomen besonders interessant sind und Anhaltspunkte sein können, wo Forscher nach intelligentem Leben suchen sollen.

Blick über den Tellerrand

Der „Exotica“-Katalog wurde im The Astrophysical Journal of Supplement Series publiziert und vom Astronomen Brian C. Lacki am Berkely SETI Research Center (BSRC) und weiteren Mitgliedern des Forschungszentrums sowie zahlreichen Universitäten verfasst. C. Lacki kommt zu dem Schluss, dass man nicht davon ausgehen dürfe, dass intelligentes Leben im All ausschließlich unter den Bedingungen stattfindet, die wir Menschen auf der Erde gewohnt sind. Intelligentes Leben und Anzeichen von technologischer Aktivität können auch in exotischen Umgebungen zu finden sein, die für uns Menschen extrem sind, heißt es in der Publikation.

„Universe Today“ berichtet, dass der Katalog die Orte im All auflistet, an die Forscher bisher gar nicht gedacht haben und an denen bisher gar nicht nach intelligentem Leben gesucht wurde. Das soll kein Vorwurf sein an die bisherigen Forscher, denn oftmals lag es an den begrenzten Instrumenten, die zur Verfügung standen, dass nicht über den Tellerrand rausgeblickt worden war. Aber das Universum sei groß, wenn nicht sogar unendlich, heißt es in dem Bericht.

Der zweite Grund, warum diese Orte bisher ignoriert worden waren, liegt darin, dass die Erde bisher der einzige Planet ist, den wir kennen, auf dem Leben existiert. Was ist aber, wenn intelligentes Leben unter völlig anderen Bedingungen als die, die wir gewohnt sind, existiert? Extremtemperaturen, oder eine andere Schwerkraft zum Beispiel. Im „Exotica“-Katalog finden sich Orte und Situationen wieder, die diese Überlegungen berücksichtigen.

Oft zufällige Entdeckungen

„Viele der Astronomie-Entdeckungen sind nicht geplant gewesen. Manchmal wurde eine große, neue Entdeckung übersehen, weil nicht am richtigen Platz danach gesucht wurde und man gedacht hat, dass man dort nichts finden würde. Das ist mit Exoplaneten passiert, die bereits vor den 1990er-Jahren entdeckt werden hätten können, wenn Astronomen nach Solarsystemen gesucht hätten, die sich von unseren unterschieden. Schauen wir uns etwa auch an den falschen Orten nach technologischer Aktivität um? Der Exotica-Katalog versucht uns dabei zu helfen, dies Frage zu beantworten“, erklärt C. Lacki gegenüber „Universe Today“.

Die Forscher erhoffen sich, dass mit dem Exotica-Katalog ihr Denken, wie und wo sie nach intelligentem Leben im All suchen sollen, verändern können. Die Frage „Wie wird die Menschheit erstmals außerirdisches Leben entdecken?" beschäftigt Astronomen nämlich schon seit geraumer Zeit. Andrew Siemion, einer der Projektleiter bei Breakthrough Listen, erklärt: „Die Suche nach technologischer Aktivität war bisher stark darauf fokussiert, Leben zu finden, wie wir es kennen: Sterne oder Planeten mit Wasser drauf. Die Suchmöglichkeiten haben sich mit unserem Projekt vergrößert und wir können größere Umgebungen berücksichtigen.“