FILE PHOTO: Smoke and steam billow from Belchatow Power Station, Europe's largest coal-fired power plant, near Belchatow
© REUTERS / Kacper Pempel

Science

Österreichs Emissionen stiegen 2021 um 6,5 Prozent

Österreichs Treibhausgas-Emissionen sind nach dem Pandemie-Jahr 2020 wieder deutlich gestiegen. Das berichtet das Wegener Center der Universität Graz. Die Daten wurden für den österreichischen Klimarat der Bürger*innen erhoben. Sie veröffentlichten Anfang der Woche ihre Empfehlungen an die Politik. 

Demnach sind 2021 die CO2-Emissionen um 6,5 Prozent gestiegen. So befindet man sich wieder auf dem Niveau von 1990. Dieses Jahr markiert den Basiswert der Pariser Klimaziele. Will man bis 2040 wirklich klimaneutral werden, stehen insgesamt nur noch 700 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten zur Verfügung (die Effekte aller Treibausgase, darunter auch Methan, werden auf CO2 umgerechnet und in "Äquivalenten" angegeben).

"Das bedeutet, dass Österreich bis 2040 eine Reduktion von mindestens 95 Prozent, davon mindestens 90 Prozent primär im Bereich Fossilenergie und Industrie schaffen muss“, sagt der Klimaforscher Gottfried Kirchengast in einer Pressemeldung

Österreichs Treibhausgas-Emissionen

Fossile Brennstoffe und CO2-Speicher

Das bedeutete auch, dass zwischen 2021 und 2030 nur noch 550 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen werden dürfen, wenn man die Ziele einhalten will. Bei weniger als 150 Millionen Tonnen Restbudget von 2031 bis 2040 "würde das Emissionsreduktionsraten von weit über 10 Prozent pro Jahr erfordern, was in der Umsetzung unrealistisch ist“, so Kirchengast. Das Climate Change Center Austria kommentiert die Zahlen folgendermaßen: "Österreich hat in Richtung Klimaneutralität über 30 Jahre verschlafen und liegt mittlerweile auf einem der letzten Plätze der EU-27." 

Das Wegener Center nennt vor allem fossile Brennstoffe und nachhaltige Kohlenstoffspeicherung als zentrale Maßnahmen. Man könne rund 5 Prozent des aktuellen Ausstoßes im Boden und im Wald in sogenannten Kohlenstoffsenken speichern, also Bereiche, die mehr CO2 binden, als sie ausstoßen. Der Klimarat empfiehlt daher auch, die weitere Bodenversiegelung zu vermeiden. Vielmehr solle man bereits bebaute Flächen besser nutzen, etwa zur erneuerbaren Energiegewinnung (Empfehlungen des Klimarats als PDF).

 

Neuer Klimabericht in Arbeit

Mehr als 120 Wissenschaftler*innen werden in den kommenden 3 Jahren an einem neuen, umfassenden Klimabericht für Österreich arbeiten. Dieser soll vor allem Handlungsoptionen in den Fokus rücken und diese auch auf die regionale Ebene herunterbrechen.

Der zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel (APCC Assessment Report on Climate Change in Austria, kurz AAR2, Anm.) soll "Transformationspfade" aufzeigen und die "wissenschaftliche Grundlage" für den notwendigen "gesellschaftlichen Wandel" schaffen, legten die Verantwortlichen die Ziele bei einem Pressegespräch dar. Die Ergebnisse seien wesentlich für den Weg Österreichs zur Klimaneutralität 2040.

Handlungsoptionen in Österreich

Die Expert*innen orteten Bewusstsein sowie Bereitschaft für Veränderungen in der Bevölkerung. Nun sei es "die Aufgabe der Wissenschaft herauszuarbeiten, wo es Synergien, Zielkonflikte und Trade-Offs gibt", um schlussendlich eine evidenzbasierte Klimapolitik zu ermöglichen.

Die Struktur des Berichts orientiere sich an dem Anfang April vorgestellten Bericht des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC, Anm.). Dieser rückte allerdings Ergebnisse auf globaler Ebene ins Scheinwerferlicht, wohingegen der AAR2 Auswirkungen und Handlungsoptionen auf Österreich herunterbreche. Damit nähme das Land "international eine Vorreiterrolle ein", unterstrich Margreth Keiler von der Universität Innsbruck und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). 

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