Science
14.10.2018

Prüfer äußern heftige Kritik an Mond- und Marsrakete der NASA

Das Space Launch System (SLS) der NASA soll Astronauten zu Mond und Mars bringen. Ein interner Prüfbericht schürt Zweifel.

Das SLS ist jenes Raketensystem, das die NASA wieder zu einer Macht in Sachen bemannte Raumfahrt machen soll. Die riesige Rakete soll wieder Menschen zum Mond und später sogar zum Mars bringen können. Die Entwicklung läuft aber nicht gerade rund, wie ein 44-seitiger interner Prüfbericht der NASA zeigt. Das Projekt kämpft mit Budgetüberschreitungen und Zeitverzögerungen.

Die Prüfer stellen das gesamte Projekt in Frage, wie der Business Insider berichtet. Die Entwicklung des SLS sollte ursprünglich 12,2 Milliarden US-Dollar kosten. Dieser Rahmen wird aber bereits jetzt um mehrere Milliarden Dollar gesprengt. Zudem liegen die Ingenieure bereits 2,5 Jahre hinter dem Zeitplan zurück. Verantwortlich dafür ist laut den Prüfern vor allem Boeing, der wichtigste Zulieferer von Komponenten für die neue Rakete.

Schwaches Boeing

"Die Kostenüberschreitungen und Verzögerungen lassen sich großteils auf Probleme mit Management, Technik und Infrastruktur, die sich durch Boeings schwache Performance ergeben, zurückführen", wie ein NASA-Vertreter in einem Video erklärt. Allerdings bestätigen die Prüfer auch, dass die NASA ihre Aufsichtspflichten vernachlässigt hat.

Der Bericht äußert Zweifel daran, dass sich die SLS-Entwicklung überhaupt in einem vertretbaren Zeit- und Kostenrahmen abschließen lässt. Das NASA-Budget werde drei Jahre früher aufgebraucht sein, als veranschlagt und die Kosten für die erste Raketenstufe, die Boeing entwickelt, würden doppelt so teuer, wie geplant. Boeing hätte das Teil eigentlich schon im Dezember 2017 liefern sollen, es ist aber immer noch nicht fertig. Mit anderen Komponenten gibt es ähnliche Probleme. Die Kosten eines bemannten Fluges zum Mars, ohne Landung und nur bis in eine Umlaufbahn, schätzen die Prüfer auf über 210 Milliarden US-Dollar.

Keine Reaktion

Der Bericht kritisiert auch die Zahlungen von Boni an Boeing, die auf NASA-internen Evaluierungen beruhen. Die NASA habe Boeing trotz der Probleme immer wieder mit "sehr gut" bewertet, was zur Auszahlung von Boni in Höhe von 234 Millionen US-Dollar geführt habe. Die Gutachter fordern strengere Prüfungen und eine teilweise Neuverhandlung der Verträge zwischen NASA und Zulieferern. Umgesetzt wurden diese Forderungen bisher nicht, wie der Bericht festhält.

Die NASA und Boeing verweisen in Reaktionen auf den Bericht auf die Komplexität des Projekts und die wichtige Rolle für die weitere Eroberung des Weltraums. Das SLS soll in drei Entwicklungsstufen gebaut werden. Die erste, "Block 1", wird frühestens 2020 fertiggestellt. Block 1B soll 2024 folgen, Block 2 dann 2028.