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Science
04/02/2020

Radioaktivität könnte Eisplaneten bewohnbar machen

Leben sollte auch auf Planeten möglich sein, bei denen die Sonne eigentlich zu weit entfernt ist, sind Forscher überzeugt.

von Martin Stepanek

Auf der Suche nach außerirdischem Leben suchen Forscher in der Regel nach Planeten oder Monden, die wie die Erde nicht zu nah und nicht zu weit von ihrer Sonne entfernt sind. Damit ein Himmelskörper für Lebewesen bewohnbar ist, sollte Wasser oder zumindest der Kohlenwasserstoff Ethan in flüssiger Form vorkommen. Zwei Astrobiologen kommen nun zum aufsehenerregenden Schluss, dass die dafür notwendige Energie nicht unbedingt von einer Sonne stammen muss.

Radioaktive Isotope

Vielmehr könnten radioaktive Isotope bei ihrem Zerfall genug Energie freisetzen, um einen flüssigen Zustand auf ihren Oberflächen zu erhalten, sind Mansvi Lingam vom Florida Institute of Technology und Abraham Loeb von der Harvard University überzeugt. Auch auf der Erde sind solche Isotope - etwa Uran-238, Thorium-232 und Kalium-40 - im Erdmantel vorhanden. Sie erzeugen allerdings gerade einmal ein 30.000stel der Energie, welche die Erde von der Sonne abbekommt.

Andere Planeten könnten allerdings genug radioaktive Isotope aufweisen, um die nötige Energie zu erzeugen, sind die Forscher überzeugt. Sie vermuten diese eher im Zentrum der Milchstraße. Denn dort kommt es eher zu Kollisionen von Neutronensternen, was wiederum die besagten Elemente wie Uran und Thorium erzeugt. Den Berechnungen zufolge müsste das Vorkommen radioaktiver Isotope bei einem vergleichbaren Planeten oder Mond allerdings 1000 Mal so groß sein wie auf der Erde, um flüssiges Wasser ohne Hilfe der Sonne zu gewährleisten.

Stärkere Strahlenbelastung als in Tschernobyl

Damit sind wir bei der schlechten Nachricht für einen Alternativplaneten zur Erde - zumindest, was die Menschheit betrifft. Denn die Radioaktivität einer solchen Welt wäre wohl Hunderte Mal größer als nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor Ort. Für jegliche Form von mehrzelligem Leben wäre diese Strahlung wohl tödlich. Das heißt aber nicht, dass ein derartiger Planet nicht für andere Lebensformen bewohnbar wäre. So sind bestimmte Mikroben bekannt - etwa das Bakterium Deinococcus radiodurans - die gegen hohe Dosen ionisierender Strahlen immun sind.

Weniger radioaktive Isotope und damit auch weniger Strahlung um den Faktor 10 wäre notwendig, um Ethan in flüssigem Zustand zu halten. Dachte man lange Zeit, dass Leben nur mit flüssigem Wasser möglich ist, geht die neuere Forschung davon aus, dass in diesem Element völlig andere Formen von Leben möglich sein könnten. Diese Fragestellung ist etwa für den Jupiter-Mond Titan interessant, der mit riesigen Ethan-Seen, Flüssen und Wetterbildung sowie einem flüssigen Wasservorkommen in 30 Kilometer Tiefe an die Erde erinnert.

James Web Teleskop soll Planeten aufspüren

Aufschluss, ob es solche Planeten in der Milchstraße überhaupt gibt, könnte das James Webb Teleskop liefern, das den Vorgänger Hubble ablösen soll. Der ursprünglich für 2014 geplante Starttermin wurde Jahr für Jahr verschoben. Nun soll es zumindest 2021 soweit sein - sollte die Corona-Krise dem Ganzen nicht wieder einen Strich durch die Rechnung machen.

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