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Science

So klimaschädlich ist die Bitcoin-Erzeugung

Dass die Herstellung von Bitcoin über aufwändige Rechenoperationen extrem viel Energie kostet, war bereits bekannt. Der aktuelle Preisanstieg wird in weiterer Folge aber auch den Stromverbrauch explodieren lassen, rechnet der Wirtschaftswissenschaftler Alex de Vries vor. Denn je mehr Geld der Verkauf von Bitcoin abwirft, desto mehr werden Miner in zusätzliche Hardware und Infrastruktur investieren und folglich noch mehr Energie verbrauchen.

CO2-Abdruck wie London

Der geschätzte Stromverbrauch der Bitcoin-Produktion ist schon jetzt gigantisch. Vries zufolge ist dieser von 30 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2017 auf 78 bis 101 TWh im Jahr angestiegen. Damit fällt für die Herstellung der Cryptowährung schon so viel Strom an, wie Norwegen verbraucht. Angesichts der enormen Wertsteigerungen von Bitcoin rechnet der Forscher mit einer Verdopplung des Stromverbrauchs auf 184 TWh im Jahr.

Das ist so viel, wie alle Rechenzentren der Welt derzeit gemeinsam verbrauchen. Für den CO2-Fußabdruck und in weiterer Folge für das Klima ist das eine enorme Belastung. Ausgehend von den 184 TWh Energieaufwand im Jahr und der Annahme, dass für jede produzierte Kilowattstunde 480 bis 500 Gramm CO2 anfallen, würde das einen Fußabdruck von 90,2 Millionen Kubiktonnen an CO2 bedeuten, folgert de Vries. Das entspricht den CO2-Emissionen von London.

Verzögerter Effekt

Der Anstieg des Energieverbrauchs erfolgt laut de Vries verzögert auf den Preisanstieg. Denn die Miner, die etwa 60 Prozent ihrer Kosten in die Stromrechnung stecken müssen, investieren meist erst nach Abschöpfung von Gewinnen in neue Hardware. Da das Mining von Bitcoin mittlerweile recht zentralisiert an wenigen Standorten abgewickelt wird, könnten Regierungen mit entsprechenden Vorgaben und Abgaben den Energieverbrauch eindämmen bzw. dafür sorgen, dass mit grüner Energie produziert wird.

Neben dem enormen Stromverbrauch ortet de Vries ein weiteres Problem. Durch die Popularität von Bitcoin und den damit verbundenen höheren Gewinnspannen könnte es zu einem Engpass an leistungsstarken Chips kommen - wenn diese von Minern im großen Stil aufgekauft werden, um neue leistungsstarke Rechenzentren aufzubauen.

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Martin Stepanek

martinjan

Erste Computer-Begegnung: Macintosh 128k (1984). Erster eigener Computer: Atari 520ST. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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