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Science
06/04/2019

So verdecken die SpaceX-Satelliten alle sichtbaren Sterne

Videos der Satelliten-Karawane, die hell leuchtend über den Himmel zieht, sorgen für Staunen, aber auch Besorgnis.

Die Diskussion über die geplanten Satellitennetzwerke, welche die Erde mit Internet versorgen sollen, reißt nicht ab. Auslöser der Debatte, die vor allem Astronomen in Alarmbereitschaft setzt, sind Videos. Diese zeigen die 60 SpaceX-Satelliten hell leuchtend am Himmel - und zwar nicht nur in der Nacht, sondern auch in der Dämmerung. Nur durch das SpaceX-Projekt, das auf 12.000 Satelliten angelegt ist, werden mehr Satelliten als sichtbare Sterne am Himmel zu sehen sein.

Astronomische Aufnahmen

Die Aufnahmen und Beobachtungen versetzen vor allem Astronomen in Alarmbereitschaft. Schon jetzt haben sie bei Aufnahmen des Sternenhimmels durch die notwendige lange Belichtungszeit mit Störungen durch vorbeifliegende Satelliten zu kämpfen. Diese machen durch einen hellen Schweif das Bildmaterial unbrauchbar.

Wenn zig Tausend Satelliten den Himmel durchkreuzen, "verdecken" diese die sichtbaren Sterne bzw. machen die Beobachtung und Aufnahme über leistungsstarke Teleskope praktisch unmöglich, so die Befürchtung. Der Astronome Guy Ottewell hat eine Grafik angefertigt, wie der Himmel aussehen könnte, wenn das globale Satellitennetzwerk installiert ist. Als Zeitpunkt seiner Berechnung nahm er den 1. Juni 2019 an. Auf dieser Grafik sieht man, wie das Satellitennetzwerk mehrere Sternbilder überlagert.

Satelliten sollen höher fliegen

Elon Musk hat bereits darauf hingewiesen, dass die Satelliten später in einem höheren Orbit (550 statt 440 Kilometer) fliegen und daher weniger gut sichtbar sein werden. Wie Ottewell in seinem Blog ausführt, möge das zwar stimmen. Gleichzeitig seien die Satelliten aber länger über dem Horizont sichtbar und würden länger das Licht der Sonne reflektieren. Im Sommer bedeute dies, dass sie überhaupt die ganze Nacht zu sehen sein werden.

Neben der Problematik, dass die Satelliten die sichtbaren Sterne überstrahlen, fürchten Astronomen auch, dass der dann überall verfügbare Funk die Beobachtungsinstrumente stört. Viele Messstationen sind bewusst in Gegenden platziert, die möglichst frei von Funkstörungen wie Mobilfunk-Stationen sind. Wird Internet auch an diesen Orten durch die Satelliten möglich, würden diese funkfreien Zonen verschwinden.

Eine Firma entscheidet über Weltraum

Für besonders viel Unbehagen sorgt zudem der Umstand, dass eine Firma - in diesem Fall SpaceX - offenbar aus wirtschaftlichen Interessen und ohne Diskussion entscheiden könne, was mit dem Weltraum passiere. Natürlich könne man diskutieren, ob die Beobachtung des Weltraums wichtiger ist als die Versorgung der Menschheit, auch in entlegenen Gebieten, mit Internet. Dass diese Grundsatzentscheidung aber von einem Unternehmen getroffen werden könne, meinte etwa der Astronome Tyler Nordgren.