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Extremer Sonnensturm beunruhigt Forscher: Verheerende Folgen für Erde

Vor etwa 9.200 Jahren wurde die Erde von einem verheerenden Sonnensturm heimgesucht. Er hinterließ bleibende Narben im antarktischen Eis, die Forscher*innen der Lund Universität in Schweden nun genauer unter die Lupe genommen haben.

Es handle sich bei dem Sonnensturm um die stärkste jemals untersuchte Eruption. Hätte ein Sturm dieser Größenordnung heute die Erde getroffen, wären Kommunikationssysteme und die Stromversorgung weltweit ausgefallen sowie Satelliten und Raumfahrzeuge lahmgelegt worden.

Ausbruch in Phase mit geringer Sonnenaktivität

Derartige Ausbrüche sind durchaus normal. Erst im vergangenen Oktober traf eine starke Sonneneruption Mitteleuropa, wie futurezone berichtete. Denn die Sonne verfügt über natürliche Aktivitätszyklen, die in der Regel 11 Jahre dauern. Bei starker Aktivität ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie eruptiert und geomagnetische Stürme auslöst. Was die an der Studie beteiligten Wissenschaftler*innen allerdings besonders beunruhigt: Der gewaltige Sonnensturm trat offenbar in einer Periode auf, in der Ausbrüche selten sind  – weit entfernt vom „Sonnenmaximum“ im Zyklus des Sterns.

„Wir haben Bohrkerne aus Grönland und der Antarktis untersucht und dabei Spuren eines riesigen Sonnensturms entdeckt, der vor etwa 9.200 Jahren, während einer der passiven Phasen der Sonne, die Erde hart getroffen hat", erklärt Raimund Muscheler, Geologe an der Universität Lund, in einem Statement. „Wir waren überrascht einen solchen Peak zu finden, der auf einen bisher unbekannten riesigen Sonnensturm in Verbindung mit geringer Sonnenaktivität hinweist", so der Wissenschaftler weiter.

Risiko muss neu abgewogen werden

Die Folgen eines Sonnensturms dieser Größenordnung wären heutzutage katastrophal gewesen, heißt es in der Studie. Es könne zu flächendeckenden Strom- und Internetausfällen kommen, da die massive Sonnenaktivität Untersee-Internetkabel und Funknetze beeinträchtigt. Große Teile der Weltbevölkerung würden ohne Kommunikationsmittel auskommen müssen, befürchten Expert*innen.

Auf ein solches Solar-Großereignis sei die Erde nicht vorbereitet, gibt Muscheler zu bedenken: „Diese gewaltigen Stürme werden derzeit nicht ausreichend in die internationale Risikobewertung einbezogen. Es ist von größter Bedeutung zu analysieren, was diese Ereignisse für die heutige Technologie bedeuten und wie wir uns schützen können.“

Forscher*innen leisten geologische Detektivarbeit

Heute können Satelliten Sonnenausbrüche direkt beobachten. Doch um Beweise für frühere Stürme zu finden, müssen Forscher*innen geologische Detektivarbeit leisten. Die Autor*innen der Studie suchten, wie Space.com berichtet, nach Hinweisen auf die Existenz spezieller Teilchen – sogenannte kosmogene Radionuklide – die entstehen, wenn geladene Sonnenteilchen auf Elementen in der Erdatmosphäre treffen.

Diese kosmogenen Radionuklide können etwa in Baumringen oder im antarktischen Eis auftauchen. Die Forscher*innen der Studie untersuchten letzteres und konnten einen Anstieg bestimmter Radionuklide vor etwa 9.200 Jahren identifizieren. Das deutet darauf hin, dass zu jener Zeit ein starker Sonnensturm über die Erde hinwegfegte.

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