Symbolbild: Auch der LK-99 Supraleiter ist umstritten

Symbolbild: Auch der LK-99 Supraleiter ist umstritten

© Hyun-Tak Kim

Science

Supraleiter bei Raumtemperatur: Forscher hat gelogen, Daten gefälscht

Ein Supraleiter, der bei Raumtemperatur funktioniert, wäre ein enormer Durchbruch für die Wissenschaft. 2023 sorgten verschiedene Forscher*innen für Aufsehen, die Materialien präsentierten, die diese Eigenschaft haben. Doch schnell machte sich Skepsis breit. Insbesondere eine Studie vom März 2023 stand unter Verdacht, gefälscht zu sein.

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Ein 124 Seiten langer Bericht, der von mehreren unabhängigen Forscher*innen erstellt wurde, beweist jetzt, dass der Physiker Ranga Dias von der Universität Rochester Daten manipuliert und „wiederholt gelogen“ hat. Initiiert wurde der Bericht von der Universität Rochester selbst. 

Studien zu Supraleitern wurden zurückgezogen

Eine seiner inzwischen zurückgezogenen Studien wurde ursprünglich im Fachmagazin Nature veröffentlicht. Er hatte behauptet, dass Stickstoff-dotiertes Lutetium-Hydrid bei nur 21 Grad Celsius und einem Druck von 10 kbar supraleitend würde. Auch CSH, ein Gemisch aus Kohlenstoff, Schwefel und Wasserstoff, wurde als Kandidat in einer zurückgezogenen Studie beschrieben. 

Ranga Dias auf einem Pressebild der Universität Rochester

Wie Nature berichtet, sollen unter anderem Daten zur „magnetischen Suszeptibilität“ von CSH gefälscht sein. Bei einem Supraleiter wird das Magnetfeld des Materials nach außen gedrückt. Daher gibt es keinen magnetischen Fluss durch das Material. 

Die Größe der magnetischen Suszeptibilität gibt an, wie stark ein Material von außen magnetisiert werden kann. Bei einem Supraleiter ist dieser Wert immer kleiner als 0.

Gefälschte Rohdaten, intransparentes Vorgehen

Seit 2020 forscht Dias zu Supraleitern, seine Daten sind aber lückenhaft. So wurden zwar bereinigte Daten veröffentlicht, allerdings keine Rohdaten, die transparent zeigen, wie das Team zum finalen Ergebnis kam. Erst später wurden einige, ebenfalls manipulierte, Rohdaten veröffentlicht.

Nach erneuter Kritik erklärte Dias, er habe für die Bereinigung eine neue, ausgeklügelte Datenverarbeitungsmethode verwendet. Damit soll er versucht haben, die Aufmerksamkeit von den Rohdaten auf die Methode zu lenken und die wissenschaftliche Gemeinschaft in die Irre zu führen, heißt es. 

Supraleiter müssen bislang meist mit Stickstoff gekühlt werden.

Damit ein Supraleiter funktioniert, muss er bisher mit Stickstoff gekühlt werden

Bei Interviews mit Teammitgliedern stellte sich heraus, dass Dias über die Herkunft der Rohdaten gelogen hatte. Den Forscher*innen in Rochester sagte er, sie stammten aus Experimenten an der Universität Nevada in Las Vegas (UNLV). Personen an der UNLV erklärte er, sie stammten aus Rochester.

Auf Dias Festplatte wurden später Daten sichergestellt, die zeigen, dass er selektiv Messungen ausgelassen hatte, die darauf hinweisen, dass die Materialien keine Supraleiter sind. Zudem soll Dias Daten zum elektrischen Widerstand des Stoffs Mangandisulfid einfach aus seiner eigenen Doktorarbeit kopiert haben, die sich mit einem völlig anderen Stoff beschäftigte. 

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Ermittlungen hätten "Züge von Verschwörungstheorien"

Eine offizielle Stellungname von Dias gibt es noch nicht. Obwohl er immer wieder dazu aufgefordert wurde, hat er bis heute nicht die Rohdaten zu seinen Studien veröffentlicht, mit denen er jegliche Kritik beseitigen könnte. Gegenüber Nature verwies sein Anwalt auf die Bemerkung in der Klageschrift, in der Dias „die grundlegende Integrität und wissenschaftliche Gültigkeit“ der Arbeit bekräftigt. Die Ansätze der Ermittler*innen würden „Züge von Verschwörungstheorien aufweisen“. 

Unter anderem hatte Dias aufgrund seiner Forschung mehrere Finanzierungen erhalten, etwa das prestigeträchtige CAREER-Stipendium in Höhe von 790.000 US-Dollar (730.000 Euro). Die Forscher*innen empfehlen, Dias seinen Lehrstuhl zu entziehen und ihn von öffentlicher und privater Forschung auszuschließen. 

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