FRANCE-WEATHER-HEATWAVE

© APA/AFP/DENIS CHARLET / DENIS CHARLET

Science
05/10/2020

Tödliche Hitze kommt schneller als erwartet

Einige Orte auf der Welt erhalten bereits jetzt einen Mix aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit, der Menschenleben fordert.

Um großer Hitze standzuhalten, steht Menschen ein fantastischer Mechanismus zur Verfügung: das Schwitzen. Ab einer bestimmten Temperatur kann aber nicht einmal durch Schweiß entstehende Verdunstungskälte den Körper kühlen. Die Schwelle, die selbst für gesunde Menschen tödlich sein kann,  wird bei 35 Grad Celsius Feuchttemperatur (Wet Bulb Temperature - Lufttemperatur minus Verdunstungskälte) angesetzt. Dieser Wert wird bei Hitze von 45 Grad Celsius und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit erreicht.

Früher als erwartet

Durch die Klimaerwärmung erwarteten Forscher bisher, dass die Schwelle in gewissen Regionen der Erde ab Mitte des Jahrhunderts überschritten werde. Nun stellt sich heraus, dass der extreme Hitze-Feuchtigkeits-Mix an einigen wenigen Orten der Welt bereits erreicht wird. "Frühere Studien sagten voraus, dass dies in einigen Jahrzehnten eintreten würde, aber stattdessen passiert es bereits jetzt", sagt Studienleiter Colin Raymond vom NASA Jet Propulsion Laboratory.

A barefooted boy walk over cracked soil of a 1.5 hectare dried up fishery at the Novaleta town in Cavite province, south of Manila

Küsten und Täler

Durch eine Analyse von 40 Jahre zurückreichenden Daten von Wetterstationen auf der ganzen Welt stellten die Forscher fest, dass die 35 Grad Feuchttemperatur etwa an Küsten des Persischen Golfs erreicht wurden. Auch in Flußtälern in Pakistan und Indien wurde der Wert gemessen.

Ein nur geringfügig kühlerer "Hotspot" ist Mexiko, wo Orte nahe dem Golf von Mexiko sowie am Golf von Kalifornien von Feuchttemperaturen über 33 Grad betroffen sind. In Venezuela wurde derselbe Wert in der Küstenstadt San Francisco gemessen. Wetterstationen in Westafrika und Südchina haben ebenso hohe Temperaturen registriert.

PAKISTAN-WEATHER-HEAT

Rasanter Anstieg

Im Jahr 2017 allein haben die Forscher weltweit über 1000 Messungen gezählt, bei denen die Feuchttemperatur 30 Grad überschritten hat - das ist mehr als doppelt so viel im Vergleich zu 1979. Die Forscher sind durch diese Werte alarmiert. Wie das Science Magazie berichtet, gilt u.a. der Rekordsommer 2003 als Anhaltspunkt für die Auswirkungen solcher Extremtemperaturen. Damals ereilte alleine in Europa 70.000 Menschen der Hitzetod. Die Feuchttemperatur, die dabei erreicht wurde, waren 28 Grad.

Weitere Orte möglich

Um Irrtümer auszuschließen, verglich das Forscherteam seine Ergebnisse mit Satelliten- und Wetterballonmessdaten. Die festgestellten Werte wurden u.a. in einer online abrufbaren interaktiven Karte festgehalten. Für ihre Studie haben die Forscher die Welt in ein relativ grobes Raster mit Einheiten von jeweils 700 Quadratkilometern eingeteilt. Es könne daher sein, dass man Temperaturspitzen innerhalb dieser Einheiten übersehen habe. Die Regionen mit bereits jetzt auftretender tödlicher Hitze und Luftfeuchtigkeit könnten also in Realität sogar noch zahlreicher sein.