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Science

Wie riecht der Weltraum?

Das riesige Vakuum des Weltraums stellt man sich oft wie ein riesiges finsteres Nichts vor – keine Geräusche und keine Gerüche. Das stimmt so nicht, denn nur, weil wir im luftleeren Raum nicht atmen und damit auch nicht riechen können, heißt das nicht, dass das All keinen Geruch hat. Tatsächlich riecht es im Weltraum manchmal sehr gut, manchmal ungewöhnlich und manchmal grässlich.

Einen Geruch kennen wir, weil viele Astronaut*innen ihn bereits beschrieben haben. Wenn sie während eines ISS-Einsatzes einen Weltraumspaziergang durchführen und anschließend am Raumanzug riechen, haben sie ein kleines bisschen Weltall in der Nase. Natürlich sind die Berichte subjektiv, denn jeder Mensch nimmt Gerüche verschieden wahr und findet andere Assoziationen. ESA-Astronaut Alexander Gerst beschreibt ihn auf Twitter "wie Walnuss und Motorrad-Bremsscheiben".

Die Weltraumtouristin Anousheh Ansari beschrieb ihn als "verbrannte Mandelkekse". Der NASA-Astronaut Greg Chamitoff sagte in einer Fragerunde, es rieche "stark metallisch". Sein Kollege Chris Hadfield erklärt, dass er nach der Rückkehr von einem Außeneinsatz "Schießpulver, verbranntes Steak und Schwefel" gerochen habe.

Hadfields Vermutung: Das Vakuum des Weltraums zieht Spurengase aus der ISS-Ummantelung. Das rieche man sonst nie, da die Spurengase vom Luftdruck normalerweise im Metall gehalten werden. Der verbrannte Geruch hingegen lässt sich auf polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe zurückführen, die im Weltall herumschweben. Sie sind Bestandteile von Öl, Kohle - und angebranntem Essen.

Eau de Space

2008 hatte die NASA die Idee, gemeinsam mit dem Chemiker Steven Pearce den Geruch des Weltalls im Labor herzustellen. Der Duft sollte im Astronaut*innen-Training eingesetzt werden. Das Projekt verlief im Sande, bis Pearce mit seiner Firma Omega Ingredients eine Kickstarter-Kampagne ins Leben rief. Aus seiner Entwicklung wurde ein Parfum: Das "Eau de Space".

Es orientiert sich an den Beschreibungen der Astronaut*innen und riecht nach Schießpulver, Steak, Himbeeren und Rum. Bei den letzten beiden Gerüchen hat sich Pearce möglicherweise an der Gaswolke Sagittarius B2 orientiert. Hier schwirren große Mengen an Alkoholen und Ameisensäureethylester umher. Auf der Erde wird letzterer als natürlicher Aromastoff verwendet und riecht eben nach Rum und Himbeeren.

Feuerwerk am Mond

Der große Erfolg des "Eau de Space" sorgte dafür, dass die Firma mit dem "Eau de Luna" auch den Duft des Mondes in Flacons abfüllte. Diesen hatte Pearce bereits 2010 im Auftrag des Künstler*innen-Duos "We Colonised The Moon" (WCTM) erstellt. Damals hatte der Geruch noch den recht sterilen Namen "Moondust Natural R342" und wurde auf Duftkarten gepresst.

Die Rubbelkarte von WCTM mit dem von Pearce entwickelten Duft

Pearce verließ sich auf die Aussage des Apollo-16-Astronauten Charlie Duke: "Es ist ein wirklich starker Geruch. Für mich riecht und schmeckt es wie Schießpulver". Das deckt sich mit der Mondstaub-Beschreibung von Buzz Aldrin (Apollo 11): "Er hatte eine sandige, kohleartige Textur und einen beißenden metallischen Geruch, so etwas wie Schießpulver oder der Geruch, der in der Luft liegt, nachdem man ein Feuerwerk abgefeuert hat. Neil beschrieb den Geruch als 'nasse Asche'". Das schreibt Aldrin in seinem Buch „Magnificent Desolation: The Long Journey Home from the Moon“.

Müffelnder Komet

Bisher scheint das Weltall also zumindest olfaktorisch interessant bis angenehm zu sein. Wie die ESA allerdings bei einer Forschungs-Mission feststellte, ist das nicht überall der Fall. Mit dem Kometen 67P/C-G hat der Rosetta Orbiter Sensor 2014 einen besonderen Stinker gefunden.

In einem Blogeintrag schreibt die ESA: „Wenn du ihn riechen könntest, würdest du dir wahrscheinlich wünschen, du könntest es nicht“. Die Astrophysikerin Kathrin Altwegg beschreibt, der Komet rieche nach faulen Eiern wegen des Schwefelwasserstoffs und Pferdestall (Ammoniak). Dazwischen fänden sich leichte Spuren des bitteren mandelähnlichen Aromas von Cyanwasserstoff, Alkohol (Methanol) gepaart mit essigartigen Aromen von Schwefeldioxid und einem süßlich Duft von Schwefelkohlenstoff.

Die Aufnahme von Rosetta zeigt den Komet 67P/C-G - riechen kann man ihn glücklicherweise nicht

Mars, Venus, Jupiter

Nicht viel freundlicher soll es auf Venus, Mars und Uranus riechen. Auch hier könnte der Geruch nach faulen Eiern dominieren. Das liegt an der hohen Schwefelkonzentration auf den Planeten. Befindet man sich auf dem Jupiter oder Saturn, könnte man stellenweise Knoblauch riechen. Verantwortlich ist Phosphor bzw. Monophosphan in der dortigen Atmosphäre. Von dem Knoblauchduft würde man allerdings wenig mitbekommen, da Monophosphan ein starkes Nervengift ist, das beim Menschen zum Koma führen kann.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction.

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