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Science
05/19/2020

Zweifel an Wirksamkeit von Gesichtsschildern

Sie mögen den Träger schützen, nicht aber die Mitmenschen. Experten sind skeptisch, ob Plexiglas-Visiere empfohlen werden können.

Spätestens seit Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet haben, sind Gesichtsschilder dort weit verbreitet. Meistens werden die Plexiglas-Visiere von Verkaufs- oder Restaurantmitarbeitern getragen und sollen den herkömmlichen Mund-Nasen-Schutz (MNS) ersetzen.

Allerdings sind sich Experten für öffentliche Gesundheit uneins, wie wirksam die Gesichtsschilder tatsächlich sind. Normalerweise werden solche Plexiglas-Visiere von Medizinern zusätzlich zu einer Mund-Nasen-Gesichtsmaske getragen, um die Augen zu schützen.

Aus diesem Grund sei zwar anzunehmen, dass Gesichtsschilder den Träger vor einer Tröpfcheninfektion schützen. Ob sie auch die Weiterverbreitung des Virus verhindern, wenn der Träger Mund und Nase nicht zusätzlich bedeckt, sei anzuzweifeln, wird beispielsweise Linda Bauld, Professorin für öffentliche Gesundheit an der Universität von Edinburgh, im Guardian zitiert.

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Praktisch, aber tatsächlich wirksam?

Die Gesichtsmasken, die derzeit in ausgewiesenen Bereichen der Öffentlichkeit getragen werden müssen, sollen bekanntlich nicht in erster Linie den Träger des Mund-Nasen-Schutzes schützen. Vielmehr geht es darum, durch Bedecken von Mund und Nase eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern.

Bill Keevil, Professor für öffentliche Gesundheit an der Universität von Southampton sieht ein, dass die Visiere zum Teil wesentlich bequemer sind als Gesichtsmasken aus Stoff. Sie seien einfacher anzulegen, man könne mit ihnen besser atmen und sie würden besser verhindern, dass man sich mit der Hand ins Gesicht greift.

Aber auch er zeigt sich skeptisch darüber, ob die Visiere tatsächlich einen wirksamen Schutz für die Allgemeinheit darstellen. "In einer gewissen Weise könnten sie schon Menschen in der Umgebung schützen", sagt Keevil zum Guardian. Denn es gehe ja in erster Linie darum, die Verbreitung von Tröpfchen zu verhindern, die aus dem Mund des Trägers kommen. Und durch das Visier könnten die Tröpfchen ebenso aufgefangen werden.

Nur wenige Studien über Gesichtsschilder

Das Problem sei vielmehr, dass es keine ausreichenden Studien zur Wirksamkeit von Gesichtsschildern gebe. Eine NIOSH-Untersuchung aus dem Jahr 2014 kam zum Ergebnis, dass Visiere den Träger unter bestimmten Umständen schützen. Wird beispielsweise jemand aus einer Entfernung von ungefähr 2 Metern angehustet, reduzierten sich das inhalierte Influenzavirus um 92 Prozent. Die Wirksamkeit der Gesichtsschilder wird allerdings drastisch gemindert, wenn sich die Tröpfchen in der Luft zerstreut haben.

"Bevor solche Visiere für den allgemeinen Gebrauch empfohlen werden können, sind jedenfalls noch zahlreiche Forschungen zu derartigen alternativen Schutzmöglichkeiten erforderlich", sagt Bauld zum Guardian

Auch zum Thema Wirksamkeit von herkömmlichen Gesichtsmaken wird derzeit umfassend geforscht. Eine aktuelle Studie kam zum Ergebnis, dass jene sehr wohl einen nachweisbaren Effekt haben.