Start-ups
26.06.2018

133 Millionen Euro in österreichische Start-ups investiert

© Bild: REUTERS / CHARLES PLATIAU

2017 wurde laut dem Startup Report Austria deutlich mehr Geld in heimische Start-ups gesteckt, auch von ausländischen Investoren.

Die Investitionen in österreichische Start-ups sind im vergangenen Jahr stark gestiegen. Insgesamt wurden 2017 laut dem Startup Report Austria, der Beteiligungen über 250.000 auflistet, 133 Millionen Euro in junge heimische Unternehmen investiert. Im Vergleich dazu waren es 2016 lediglich 81 Millionen Euro. Spitzenreiter ist das Wiener Biotech-Unternehmen Hookipa Pharma, das im vergangenen Jahr ein Investment von 50 Millionen Euro lukrierte, gefolgt von der Buchungsplattform TourRadar (8,5 Millionen Euro) und dem auf Navigation für Roboter spezialisierten Linzer Start-up Robart (6,1 Millionen Euro).

Internationale Investoren

"Die Investitionen steigen vor allem bei großen Deals", sagt der Seriengründer Florian Kandler (unter anderem Ulmon), der den alljährlichen Startup Report heuer zum dritten Mal veröffentlichte. Heimische Gründer würden auch zunehmend internationales Kapital anziehen, sagte Kandler. Das gelte vor allem für Deals über zwei Millionen Euro. Aber auch bei kleineren Investments von 250.000 Euro seien zunehmend internationale Investoren an Bord.

Wien als Start-up-Zentrum

Mit 71 Prozent der Investments und 84 Prozent der Investmentsummen ist Wien wenig überraschend das heimische Start-up-Zentrum, gefolgt von Oberösterreich (9,4 Prozent der Beträge) und der Steiermark (2,5 Prozent der Beträge). Schlusslicht ist mit 0,4 Prozent der Beträge das Burgenland.

Im Schnitt würden heimische Start-ups 5,7 Monate mit der Investoren-Suche verbringen, sagte Kandler. Jedes vierte Start-up suche mehr als sieben Monate. Dabei machen sich heimische Gründer zunehmend Business-Angel-Netzwerke wie startup300, PrimeCrowd oder das Angel-Netzwerk der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws) zunutze. 26 Prozent der Start-ups würden maximal fünf Investoren kontaktieren.

"Kleinere Beträge seien einfacher aufzustellen. Große Beträge gehen ohne internationales Kapital nicht", sagte Peter Windischhofer vom 2017 gegründeten Start-up refurbed bei der Präsentation des Startup Reports. Refurbed bietet generalüberholte Elektronikgeräte an und konnte und im vergangenen Jahr 250.000 Euro von heimischen Investoren lukrieren. Angehenden Gründern rät er, so schnell wie möglich ein Produkt auf den Markt zu bringen. "Für uns war das schnelle Feedback der Kunden sehr wichtig."

Internationale Netzwerke

Erfahrungen mit internationalen Investoren hat das Start-up YodelTalk gesammelt, das intelligente Telefonie-Lösungen für Unternehmen entwickelt und zwei Drittel seiner Kunden in Nordamerika hat. Im vergangenen Jahr konnten Beteiligungen von mehr als 500.000 Euro an Land gezogen werden. Wichtig sei es an internationale Netzwerke anzudocken, sagte Gründer Mike Heininger. Start-ups müssten sich eigentlich um drei Märkte kümmern: Die Kunden, die Investoren und die Medien. "Man darf keinen vernachlässigen."

Gute Erfahrungen mit Crowdfunding-Plattformen hat das Start-up Scubajet gemacht, das elektrische Antriebe für Wasserfahrzeuge entwickelt. Unsere Kickstarter-Kampagne hat uns geholfen, mit Investoren ins Gespräch zu kommen, sagte Gründerin Sabrina Hanneman. Die Arbeit an einer solchen Kampagne dürfe man aber nicht überschätzen: "Es ist ein Vollzeitjob."

"Blick schärfen"

Zu internationalen Erfahrungen rät auch Philipp Baldauf vom Linzer Start-up Butleroy, das Assistenzsoftware für Kalendar anbietet und im vergangenen Jahr mehr als 250.000 Euro an Investitionen bekam. "Das hilft sehr, den Blick zu schärfen."

Der Startup Report ist am Mittwoch erschienen und beinhaltet neben einer Liste von Investitionen in österreichische Start-ups auch Interviews mit Gründern. Er kann unter www.startupreport.at heruntergeladen werden.