Cars drive through "Tahia Masr"  tunnel which passes under the Suez Canal, in Ismailia

© REUTERS / MOHAMED ABD EL GHANY

Start-ups

Wenn Roboter Tunnel reinigen

Üblicherweise kommen bis zu 350 Liter Wasser pro Minute oder bis zu 7.000 Liter pro Kilometer zum Einsatz, um Abflussrohre in Tunnelanlagen zu reinigen. Sie werden mit Hochdruckdüsen in die Rohre gespritzt, um Sedimente und Verunreinigungen wegzuspülen. Das Grazer Start-up DrainBot hat ein vollautomatisiertes Robotersystem entwickelt, das die Drainagerohre von Ablagerungen befreit und dabei ohne zusätzliches Wasser und Treibstoff für die Spritzdüsen auskommt und dadurch wesentlich umweltfreundlicher ist.

"Die Tunnel müssen wegen der Wartungsarbeiten auch nicht mehr für den Verkehr gesperrt werden", sagt Slaven Stekovic, der das Unternehmen 2019 gemeinsam mit Philipp Lepold gründete. Personal vor Ort sei für die Reinigung nicht notwendig. Nicht zuletzt dadurch könnten Betreiber Kosten sparen.

Rund um die Uhr im Einsatz

Bei dem System des Grazer Start-ups werden die Rohre von 90 Zentimeter langen Robotern gereinigt, die mit einem Bürstenkopf ausgestattet sind. Die Bots verfügen auch über Kameras und Sensoren, die den Reinigungsprozess dokumentieren und Daten über den Zustand der Rohre sammeln. Wegen der Kälte und hohen Feuchtigkeit in den Tunnelsystemen müssten sie sehr robust gebaut sein, so der Gründer.

Aufgeladen werden die elektrisch betriebenen Roboter an kleinen Ladestationen, die in regelmäßigen Abständen in Schächten angebracht werden. Eine Ladung reicht dabei für mehrere Kilometer Drainage-Reinigung. "Unser System ist so konzipiert, dass es kontinuierlich reinigen kann. Die Roboter sind rund um die Uhr im Einsatz", sagt Stekovic. Damit könne einer "hohe Verdreckung" der Systeme vermieden und sichergestellt werden, dass sie optimal funktionieren.

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Drainbot-Roboter

Datenanalyse mit maschinellem Lernen

Von den Ladestationen werden die gesammelten Daten zur Analyse an das Start-up übermittelt. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sollen künftig dafür sorgen, dass die Reinigungsintervalle optimiert und auch Schäden an den Rohren frühzeitig erkannt werden können.

Geeignet sind die Reinigungsroboter des Unternehmens für Straßen- und Eisenbahntunnel. Die Technik könne aber auch in U-Bahn-Systemen verwendet werden, sagt Stekovic. Auch der Einsatz in Drainagerohren von Flughäfen werde geprüft.

Das System könne problemlos in bestehende Rohre eingebaut werden, die über den nötigen Durchmesser verfügen: "Dazu braucht es keine großen Änderungen. Ein Umbau ist nicht notwendig."

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Drainbot-Gründer Slaven Stekovic und Philipp Lepold

Erste Kunden in Österreich

Bei einem großen österreichischen Infrastrukturbetreiber kommt das System des Grazer Start-ups bereits zum Einsatz. Weitere Projekte sind in Planung. Betrieben werden die Bots von dem derzeit 4 Mitarbeiter zählenden Start-up selbst, das die Reinigung der Drainage-Rohre als Dienstleistung anbietet. Betreiber müssten kein eigenes Personal auf Robotik-Software einschulen, sagt Stekovic.

Finanziert wurde das Start-up mit Förderungen der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws), der Forschungsförderungsgesellschaft FFG sowie über das Hoirzon-2020-Programm der Europäischen Kommission. Auch erste Business Angel sind bereits an Bord.

Neben der Weiterentwicklung des Systems arbeitet das Start-up auch an der internationalen Expansion. Stekovic: "Wir sind bereits mit Betreibern in Großbritannien, Deutschland, der Schweiz, aber auch in einigen asiatischen Ländern in Gesprächen."

 
Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Austria Wirtschaftsservice (aws).

 

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Patrick Dax

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Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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