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Start-ups

Start-up analysiert Schmieröl, um Maschinen vor Ausfall zu bewahren

Ursprünglich sollte die Technologie auf der Internationalen Raumstation ISS zum Einsatz kommen. Mit der von Alexander Niedermayer am Institut für Mikroelektronik und Mikrosensorik der Johannes Kepler Universität Linz entwickelten Messmethode sollte die Viskosität einer Flüssigkeit in einem Experiment zum Kristallwachstum in Schwerelosigkeit überwacht werden. Dem kam aber die Finanzkrise 2008 dazwischen. Budgets der ESA wurden umgeschichtet, das Projekt wurde kurz vor dem geplanten Start eingestellt.

Viele der Anforderungen, die für den Einsatz auf der Raumstation erfüllt werden mussten, bringen aber auch im industriellen Umfeld wesentliche Vorteile. Dazu zählen zum Beispiel die Robustheit und die Autonomie des Messprinzips. Daher entschloss sich Niedermayer dazu, die Technologie gemeinsam mit seinen Studienkollegen Thomas Gahleitner und Thomas Voglhuber zur Marktfähigkeit weiterzuentwickeln.

Zustandsüberwachung von Maschinen

Das wichtigste Standbein des 2015 gegründeten Start-ups MicroResonant sind Systeme zur Zustandsüberwachung von Maschinen und Anlagen. Dabei wird die Viskosität von Schmier- und Hydraulik-Ölen kontinuierlich überwacht, was Schlüsse auf den Verschleiß der Maschinen zulässt.

"Wird die Viskosität zu gering und das Öl zu dünn, wird es von der mechanischen Last weggedrückt und Metallteile kommen direkt miteinander in Kontakt", erläutert Niedermayer. "Ist es zu zäh, kommt zu wenig Öl an die wichtigen Stellen. Beides verursacht Abrieb und Verschleiß und kann in kurzer Zeit zum Totalschaden führen."

Im Überwachungssystem fluidFOX wird das Öl von elektromechanischen Resonatoren in Bewegung versetzt und das Schwingungsverhalten vermessen. „Diese Methode erlaubt eine sehr hohe Genauigkeit und hat kaum Querempfindlichkeiten“ sagt Niedermayer, "wir sehen zuverlässig, wenn sich das Öl der Grenze seiner Lebensdauer nähert oder wenn die Betriebsbedingungen nicht optimal sind“.

Mit dem fluidFOX hat MicroResonant bereits international für Aufsehen gesorgt. So wurden die Entwickler 2020 mit dem renommierten Innovationspreis des Deutschen Verbands für Messtechnik und Sensorik ausgezeichnet.

Produktion angelaufen

Nach dem Abschluss einer Testserie befindet sich die Technologie nun in der Produktion. Anfang des nächsten Jahres sollen die ersten Analyse-Systeme ausgeliefert werden.

Zunächst will sich das Linzer Start-up verstärkt auf Industriezweige konzentrieren, in denen hohe Anforderungen an die Zuverlässigkeit von Anlagen gestellt werden und Stillstandszeiten sehr teuer sind, etwa der Offshore-Bereich oder die Schwerindustrie.

Als Hauptabnehmer hat man Maschinenbauer im Visier, die mit dieser Technologie die Wartungskosten ihrer Maschinen senken und damit ihren Kunden einen Mehrwert bieten können.

Lizenzvereinbarungen für die Massenproduktion

Um die unterschiedlichen Anforderungen in verschiedenen Anwendungsfeldern auch in großen Stückzahlen umsetzen zu können, strebt MicroResonant Lizenzvereinbarungen und Partnerschaften mit anderen Sensorherstellern an. 

Finanziert wurde das 2015 gegründete Start-up großteils aus dem Eigenkapital der Gründer. Die Entwicklung wurde mit einer Forschungsförderung der FFG sowie einer Seedförderung der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws) unterstützt.

MicrosResonant-Team

Dämpfer durch Corona

Durch die Corona-Krise haben die Pläne des MicroResonant-Teams einen Dämpfer erfahren. Die Präsentation der Technologie auf Fachmessen, die für das vergangene Frühjahr geplant waren, fielen Corona-bedingt aus. In wichtigen Branchen, wie in der Luftfahrt, wurden die Investitionen massiv zurückgefahren. "Das hat uns zwar gebremst, aber nicht aufgehalten", sagt Niedermayer.

Für die Zukunft ist man zuversichtlich. Wenn nach der Krise wieder mehr in produktive und ressourcenschonende Anlagen investiert werde, gewinne auch die Zustandsüberwachung der Maschinen an Bedeutung, sagt der Gründer: "Der grundsätzliche Trend ist auf unserer Seite."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und austria wirtschaftsservice (aws).

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit digitaler Musikwirtschaft, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Interessiert sich auch für Start-ups, kollaborative Software und Aufschreibsysteme aller Art. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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