© Thorsten Schier - Fotolia/Thorsten Schier/Fotolia

Energy Hero
01/19/2018

Start-up bringt Abo für günstige Strom- und Gaspreise

Das Wiener Start-up Energy Hero will Energiekunden beim Anbieterwechsel helfen. Das Einsparungspotenzial ist laut Gründerin Evelyn Steinberger-Kern hoch.

von Patrick Dax

Über 900 Euro kann sich ein durchschnittlicher Haushalt in Österreich laut der Regulierungsbehörde E-Control durch einen Wechsel des Strom- und Gasanbieters jährlich maximal ersparen. Dennoch wechseln die Österreicher ihre Energielieferanten kaum. Zuletzt waren es laut der E-Control lediglich 3,3 Prozent der Strom- und 4,5 Prozent der Gaskunden. "Insgesamt lassen die Kunden in Österreich rund 400 Millionen Euro pro Jahr liegen", sagt Eveline Steinberger Kern. Mit dem von ihrem Unternehmen Blue Minds Group gemeinsam mit dem Investor Paul Swarovski gegründeten Start-up Energy Hero will sie das ändern.

Gegen eine Abogebühr von 24 bis 36 Euro jährlich, je nachdem ob man nur den Strom- oder Gasanbieter oder beide wechseln will, sucht das Start-up mithilfe eines Tarifalgorithmus nach den günstigsten Tarifen und leitet den Anbieterwechsel in die Wege. Kunden müssen dazu ihre Strom- und Gasrechnung bei dem Dienst hochladen und eine Vollmacht erteilen. Der Rest passiert automatisch. Falls es sich rechnet auch mehrmals im Jahr. Gewechselt werde allerdings erst, wenn die Ersparnis höher ist als die Gebühr, sagt Steinberger-Kern.

Tarifdschungel

In Österreich gebe es 140 Strom- und 30 Gaslieferanten. Sich einen Überblick über die Tarife des seit 2001 (Strom) und 2002 (Gas) vollständig liberalisierten Marktes zu verschaffen, sei nicht einfach, meint die Gründerin. Zwar gebe es zahlreiche Wechselportale, der Aufwand den besten Anbieter zu finden, sei aber für viele Energiekunden offenbar noch zu groß. Die E-Control beziffert die Anzahl der wechselwilligen Haushalte mit rund einer Million. Steinberger-Kern sieht ein weit größeres Potenzial.

Mit Energy Hero macht sie bestehenden Wechselportalen, etwadurchblicker.atoderOhho, Konkurrenz. "Wir wollen die Szene positiv beleben", sagt die Gründerin, die mit Energy Hero heuer 50.000 Kunden gewinnen will. Im Vergleich dazu wechselten nach Schätzungen von durchblicker.at-Geschäftsführer Reinhold Baudisch im vergangenen Jahr rund 300.000 Kunden ihren Energieanbieter. Rund ein Viertel davon über seine Plattform: "80 Prozent der Haushalte haben noch nie gewechselt, es gibt noch Potenzial", sagt Baudisch.

Im Unterschied zu anderen Portalen, die sich meist über Provisionen der Energieanbieter bei einem Wechsel finanzieren, setzt Energy Hero auf eine Abogebühr. "Das ist unsere einzige Einnahmequelle", bestätigt Steinberger-Kern. In der Branche sieht man den Markteintritt des Start-ups gelassen. Bei Diensten wie Energy Hero falle eine laufende Gebühr an, auf Vergleichsportalen sei der Anbieterwechsel gratis, meint etwa durchblicker.at-Geschäftsführer Baudisch.

Steigende Energiepreise

Zuletzt sind die Energiepreise wieder gestiegen, auch die bevorstehende Auflösung der gemeinsamen deutsch-österreichischen Strompreiszone könnte in Österreich zu Preissteigerungen führen. Bleibt das Einsparungspotenzial weiterhin so hoch? "Es wird auch künftige attraktive Angebote geben", ist Steinberger-Kern überzeugt. Mögliche Preissteigerungen sieht sie als weiteren Anreiz für Kunden, sich mit dem Thema zu befassen.

In weiterer Folge will das Start-up auch andere Dienste im Energiebereich anbieten, etwa verbrauchsorientierte Tarife oder energieeffiziente Produkte für Haushalte. Auch die Unterstützung des Energiehandels unter Privatverbrauchern und Selbstversorgern ist geplant. "Es ist eine neue Energiewelt", meint Steinberger-Kern: "Wir waren überrascht, dass die Anbieter und ihre Geschäftsmodelle darauf noch nicht abzielen."

Angedacht ist auch die Expansion ins Ausland. Für das kommende Jahr wird der Start von Energy Hero in Deutschland und in der Schweiz anvisiert. Das Modell des Start-ups könnte aber auch auf andere Branchen, etwa Versicherungen und Telekommunikation ausgeweitet werden, meint Steinberger-Kern: "Auch darüber haben wir bereits nachgedacht."