Per SMS nehmen Konstantin (li.) und Moritz Bestellungen entgegen

© KURIER/Gilbert Novy

Junge Gründer im Porträt
07/18/2017

Lobu: "Manchmal stressen wir uns zu viel"

Viele Junge nutzen die Chancen der digitalen Vernetzung und machen sich selbstständig. Wir haben die Gründer von Lobu, Unispotter, Coachfox und Amlogy interviewt.

von Martin Stepanek

Von Sozialforschern werden sie als "digitale Individualisten" bezeichnet: Junge Erwachsene, die mit den neuesten Technologien nicht nur aufgewachsen sind, sondern sie in allen Lebenslagen zu ihrem Vorteil nutzen. Sie gelten als ambitioniert, risikofreudig und schrecken auch nicht davor zurück, ein Unternehmen aufzubauen.

"Viele Start-up-Gründer wollen selber etwas auf die Beine stellen und Verantwortung übernehmen. Es widerstrebt ihnen, ein kleines Rädchen im System zu sein. Vielmehr wollen sie eine Tätigkeit ausüben, die eine nachhaltige Wirkung auf viele hat", erklärt Markus Raunig, Geschäftsführer der Initiative AustrianStartups.

Neben diesem Anspruch, mit dem eigenen Start-up die Welt ein wenig verbessern zu wollen, haben sich laut Raunig auch die Statussymbole der jungen Generation völlig verändert. "Waren es früher das Auto oder die coole Eigentumswohnung geht es der jungen Generation heute eher um einen Job, in dem coole Sachen machen kann, herumreisen oder auch mal seine Idee auf einer großen Bühne präsentieren darf. Derartige Momente mit vielen zu teilen, ist gerade in der Start-up-Szene sicher ein wichtiger Antrieb", sagt Raunig.

Teamgeist essenziell

Die Gespräche, welche die futurezone im Rahmen der Kurier-Serie "Plan K" mit den jungen Gründerinnen und Gründern von Lobu, Unispotter, Coachfox und Amlogy führte, scheinen diese Analyse zu bestätigen. Und noch eines wird in den Interviews deutlich: Dass individuell nicht automatisch egoistisch oder einzelkämpferisch heißen muss.

So betonen alle immer wieder den Teamgeist, der notwendig ist, um zum Erfolg zu kommen. Was die jungen Unternehmer sonst noch eint: Wissbegierigkeit und die Lust, täglich dazuzulernen und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Den Auftakt zur vierteiligen Porträt-Serie, die im Laufe der Woche auf der futurezone zu lesen sein wird, bildet Lobu.

Teil 1 - Lobu: "Manchmal stressen wir uns zu viel"
Teil 2 - Unispotter: "Der größte Luxus ist die Freiheit"
Teil 3 - Coachfox: "Kein einziger Tag ist Routine"
Teil 4 - Amlogy: "Wollte immer ein Superheld sein"

Lobu

Anstatt online bestellte Waren von einem großen Konzern aus dem Ausland geliefert zu bekommen, wollten die beiden Schüler Moritz Stephan und Konstantin Klingler den lokalen Einzelhandel unterstützen und gründeten mit Lobu einen eigenen Buchversand. Per SMS bestellt, liefert Lobu das Buch vom örtlichen Buchhändler noch am selben Tag aus.

Schüler als Gründer

Die beiden Gymnasiasten waren bei der Gründung von Lobu gerade einmal 16 und 17 Jahre alt. Zeitungsinterviews und TV-Berichte folgten, auch eine Podiumsdiskussion mit Bundeskanzler Christian Kern stand auf dem Programm. „Mit dem riesigen medialen Interesse haben wir gar nicht gerechnet gehabt. Wir wollten einfach unsere Idee einer lokalen Buchzustellung umsetzen und damit etwas ins Leben rufen, das eine Verbesserung für viele Menschen sein kann“, sagt Moritz Stephan zur futurezone.

Die Arbeit am Start-up frisst neben der Schule viel Freizeit, missen möchte der heute 17-Jährige diese „Lernerfahrung“ aber nicht: „Die persönliche Weiterentwicklung ist mir wichtig, ich möchte vieles ausprobieren und mir ständig neue Fähigkeiten aneignen.“ Ob Stephan der Start-up-Szene auch nach der Schule erhalten bleibt, hängt wohl nicht zuletzt auch davon ab, wie es mit Lobu nach der ersten Testphase in diesem Jahr weitergeht.

Positive Grundstimmung

Auch ein Studium steht für Stephan oben auf der Prioritätsliste – am ehesten Physik oder ein technisches Studium Richtung Engineering. Die Start-up-Welt sei zwar sehr spannend, da man praktisch jeden Tag dazulerne. Durch das Studieren könne man sich allerdings noch ganz andere Fähigkeiten aneignen. "Ich denke, da geht es nicht einmal nur um den Stoff, sondern dass man durch das Studium noche eine eigene Art zu denken entwickelt", ist Stephan überzeugt.

Mit seinem Tatendrang fühlt sich der junge Gründer nicht allein. „In meinem Umfeld sind praktisch alle motiviert. Die einen stecken viel Zeit und Energie in Musik, andere engagieren sich sozial. Manchmal hab ich das Gefühl, dass sich meine Generation fast zu viel stresst, indem man dauernd eine Leistung erbringen und vieles erreichen will“, meint Stephan. Die Grundstimmung in seiner Generation erlebe er positiv. „Wir denken mit, haben eigene Ideen – das ist doch ein gutes Zeichen für die Zukunft.“

Teil 2 - Unispotter: "Der größte Luxus ist die Freiheit"

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