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© Bild: AP / ap
Science
28.11.2019

Forscher: "Kritische Klimapunkte könnten bereits überschritten sein"

Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Erdsystem schneller als bisher angenommen an verschiedenen Punkten kippen könnte.

Die Welt könnte kurz davor stehen, eine Reihe sogenannter Klima-Kipppunkte zu überschreiten, beziehungsweise könnte einige solcher Kipppunkte bereits überschritten haben, warnen mehrere Forscher in einem am Mittwoch veröffentlichten Artikel im Wissenschaftsmagazin Nature. Damit sei das Risiko einer „existenziellen Bedrohung für die Zivilisation“ verbunden, schreiben die Wissenschaftler, die deshalb auch von einem „planetarischen Ausnahmezustand“ sprechen.

Bislang sei man davon ausgegangen, dass das Erreichen solcher Kipppunkte im Erdsystem – wie etwa der Verlust des Amazonas-Regenwaldes oder das Abschmelzen des Westantarktischen Eisschildes - nicht besonders wahrscheinlich sei, solange die globale Erwärmung nicht um 5 Grad ansteige.

Es gebe aber immer mehr Beweise dafür, dass solche Ereignisse bereits bei einer Erderwärmung zwischen 1 und 2 Grad Celsius eintreten könnten, heißt es in dem von Thimoty M. Lenton vom Global System Insitute der britischen Universität Exeter und sechs weiteren Forschern aus Europa und Australien verfassten Artikel.

Kettenreaktionen

Langfristig hätte das unumkehrbare Folgen, denn solche Ereignisse seien über verschiedene biophysikalische Systeme miteinander verbunden und würden Effekte zeitigen, die mit umstürzenden Domino-Steinen vergleichbar seien. So könnte etwa das Schmelzen des arktischen Meereises die Erwärmung verstärken, in dem von den Ozeanen mehr Sonnenlicht absorbiert werde.

Dies könnte wiederum das Schmelzen von grönländischen Eis- und Permafrostböden beschleunigen. Das wiederum könnte sich auf den Monsun in Westafrika auswirken und auch die Feuchtigkeit im Amazonas beeinflussen. Mehrere Risiken könnten zusammenwirken, wobei eine Veränderung die andere verstärke. Eine Erderwärmung von nur ein oder zwei Grad könnte ausreichen, um dramatische Kaskadeneffekte zu erzielen, erläutern die Wissenschaftler.

„Die Schulkinder haben recht“

Möglicherweise habe man bereit die Schwelle, die zu solchen Kettenreaktionen führen könnte, überschritten, sagte Lenton dem Guardian. „Die einfache Version ist, dass die Schulkinder, die für Klimaschutz streiken, Recht haben. Wir sehen bereits potenziell unumkehrbare Veränderungen im Klimasystem oder stehen kurz davor.“