Science

Masken-Nutzen: Forscher streiten weiter über Studie

Mitte Juni sorgte eine Studie über die Wirksamkeit von Masken zur Eindämmung der Corona-Pandemie für Aufsehen. Die Autoren kamen unter anderem zum Schluss, dass Masken nicht nur andere Personen, sondern auch die Träger selbst schützen. Auch beschrieben sie, dass eine Luftübertragung über Aerosole der dominante Weg für die Verbreitung von COVID-19 sei. Hauptautoren der Studie sind der Chemie-Nobelpreisträger Mario J. Molina aus Mexiko und der US-Wissenschaftler Renyi Zhang. 

Kurz nach der Veröffentlichung hagelte es jedoch Kritik aus der Fachwelt. Mehrere Wissenschaftler orteten „ungeheuerliche Fehler" und „nachweislich falsche Behauptungen". Laut den Experten deckt sich die Haupterkenntnis, nämlich dass Masken die Verbreitung reduzieren, zwar mit den Ergebnissen anderer Studien. Die Methode der Studie sei aber „zutiefst fehlerhaft“, hieß es. 40 namhafte Wissenschaftler forderten in einer Petition, die Studie zurückzuziehen. 

Nun haben die Autoren der Studie auf die Kritik reagiert. In einem entsprechenden Dokument gehen sie auf einige der Kritikpunkte ein und versuchen sie zu entkräften. 

Epidemiologe unter den Autoren

So seien die in dem öffentlichen Brief kritisierten Punkte zum Teil aus dem Zusammenhang gerissen. Sie werfen den Wissenschaftlern “unglaubliche Vereinfachung” vor, außerdem sei die Kritik teilweise schlichtweg falsch.

Als Grund für die kritischen Stimmen zu ihrer Studie orten die Forscher weniger fachliche Unzulänglichkeiten, sondern mehr die Tatsache, dass kein COVID-19-Epidemiologe unter den Autoren war. Die Autoren seien aber bereit, die Kritikpunkte noch einmal auf ihre Wissenschaftlichkeit zu überprüfen. 

Gerade Linien bei komplexem Sachverhalt

Die Wissenschaftlerin Kate Grabowsk von der Medizinischen Fakultät der Johns Hopkins University ortet in der Methode zweifellos große Unzulänglichkeiten. "Mir ist aufgefallen, dass sie eine gerade Linie durch den Höhepunkt einer Epidemiekurve gezogen wird”, so Grabowsky. “Das ist einfach verrückt”, erklärt sie gegenüber Vox. Das Zeichnen eines geradlinigen Trends durch komplizierte Kurven sei zu vereinfachend, um Rückschlüsse ziehen zu können. Es könne auch irreführend sein.

Auch würde eine Verzögerung zwischen dem Setzen der Maßnahmen und dem Widerspiegeln in den Daten schlichtweg nicht berücksichtigt. In ihrer Reaktion sagen Molina und Zhang, dass sie auf die Verzögerung in einem zweiten Paper detailliert eingehen wollen und dass Menschen schon Masken getragen hätten, bevor sie offiziell verordnet worden seien. 

Prüfer selbst ausgesucht

Kritisiert, wird auch dass die Studie überhaupt im hochangesehenen Fachmagazin PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) erschienen ist. Dies liege daran, dass sie über ein bestimmtes Verfahren eingereicht wurde, bei dem sich die Studienautoren aussuchen können, wer die Studie vor der Veröffentlichung überprüft. 

Normalerweise entscheidet das Journal, wer den Peer-Review-Prozess vornimmt. "Ich bezweifle sehr, dass es in PNAS veröffentlicht worden wäre, wenn es über den regulären Kanal gegangen wäre", sagte Grabowski.

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