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Start-up entwickelt bienenverträgliches Pflanzenschutzmittel

Sogenannte insektenpathogene Pilzarten werden in Form von Sporenpräparaten bereits seit Jahrzehnten als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel in der Landwirtschaft eingesetzt. Das im EcoPlus Forschungszentrum in Tulln ansässige Start-up EcoSafe arbeitet auf Basis spezieller Stoffwechselprodukte der Pilze an einem neuartigen Pflanzenschutzmittel. Das soll stark gegen Insekten und Milben wirken, für Bienen aber unbedenklich sein.

Die Varroamilbe gilt als Hauptursache für das Bienensterben. Ein bienenverträgliches, umweltfreundliches und gegen den Parasiten effektives Mittel sorgt dafür, dass die biologische Vielfalt erhalten bleibt.

Selektive Wirkung

Bei Versuchen mit den Wirkstoffen an mit Milben verseuchten Bienen habe sich gezeigt, dass die Milben sehr stark reagieren, die Bienen aber praktisch gar nicht, erzählt der Biologe Arnold Dohr, der das Start-up im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Biotechnologen Alexander Pretsch und dem Chemiker Miroslav Genov gegründet hat.

"Wir waren selbst erstaunt", sagt Dohr. Die selektive Wirkung gegenüber Bienen und Varroamilben sei der Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen gewesen und eröffne auch neue Perspektiven für bienenverträgliche Pflanzenschutzmittel.

Pilzkultur von EcoSafe

"Noch weit von einem Produkt entfernt"

"Wir sind aber noch weit von einem Produkt entfernt", sagt Dohr. In Proof-of-Concept-Studien sollen die Wirkstoffe nun weiter untersucht und analysiert werden. Angeregt werden die Stoffwechselprozesse der Pilze durch eine neue Fermentationsmethode.

Die dabei entstehenden sogenannten Sekundärmetaboliten wirken nicht nur gegen Milben, sondern etwa auch gegen Blattläuse, Borkenkäfer und Reiswanzen. Zum Einsatz kommen könnten die Wirkstoffe aber nicht nur im Pflanzenschutz, sondern auch bei Schädlingen im Veterinärbereich.

Kooperationen

Bei seinen Forschungen arbeitet das Unternehmen mit der von Mitgründer Pretsch geleiteten Oxford Antibiotic Group und in Bezug auf die Bienenforschung auch mit einem externen Bienenforschungsinstitut sowie lokalen Fachimkern des Niederösterreichischen Imkerbundes zusammen.

Bis die Forschungsarbeiten abgeschlossen und die für die Zulassungsverfahren nötigen Daten vorhanden seien, werde es noch dauern, meint Dohr. Man hoffe, das Mittel in den nächsten Jahren in die Zulassung bringen zu können, da ein sehr aufwendiges Zulassungsverfahren erforderlich ist.

EcoSafe-Gründer: Miroslav Genov, Arnold Dohr und Alexander Pretsch (v.l.n.r.)

Finanziert wird EcoSafe primär aus Förderungen der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws). Die bereits gewonnenen und vielversprechenden Forschungsergebnisse stellen die Grundlage dar, um Investoren für die weitere Entwicklung zu gewinnen, sagt der Gründer.

Auszeichnung

Neben den Studien zu den Wirkstoffen knüpft das Start-up auch Kontakte für weitere Kooperationen und konnte sich auch bereits Auszeichnungen sichern. Bei der Bio Innovation Challenge, die Ende vergangenen Jahres stattfand, gewann EcoSafe gemeinsam mit einem Unternehmen aus Deutschland den ersten Preis. Weitere Preise erhielten Unternehmen aus den Niederlanden und Mexiko. Das Projekt sei sehr gut angekommen, erzählt Dohr: "Das ist für die weitere Zukunft sehr wichtig."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Austria Wirtschaftsservice (aws).

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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