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Warum SpaceX und Amazon eine Schlammschlacht austragen

Seit Mai ist der Internet-Provider Starlink in Österreich aktiv. Über ein Netzwerk von tausenden Satelliten will der Betreiber SpaceX künftig an jedem Ort der Welt eine Internetverbindung anbieten.

Dasselbe plant auch Amazon mit seinem Projekt "Kuiper". Während SpaceX seine Satellitenflotte in rasantem Tempo ausbaut, ist Amazon jedoch noch nicht soweit. Der weltgrößte Online-Händler befürchtet, im Weltraum ins Hintertreffen zu geraten.

Vor der US-Telekomregulierungsbehörde FCC hat sich deshalb eine regelrechte Schlammschlacht zwischen den Unternehmen und ihren Besitzern entsponnen, die zu den reichsten Menschen der Welt zählen.

Rakete mit Amazon-Logo über der Erde

Von Amazons Kuiper gibt es bisher nur Bildmontagen wie diese zu sehen. Immerhin gibt es mit ULA bereits einen Trägerraketen-Partner.

Lizenz für Erweiterung

SpaceX, das Weltraumunternehmen von Elon Musk, bemüht sich vor der Behörde aktuell darum, eine Genehmigung für die zweite Generation seiner Starlink-Satelliten zu erhalten - eine 30.000 Satelliten umfassende Flotte. Für die erste Generation von 12.000 Satelliten besitzt das Unternehmen bereits eine Lizenz. Für die zweite Generation legte SpaceX nun einen Plan vor, der 2 unterschiedliche Konfigurationen (Satellitenflughöhen, Bahnneigungen) beinhaltet.

Amazon, damals von Jeff Bezos gegründet, der jetzt Vorstandsvorsitzender ist, hat dagegen Einspruch erhoben, weil dadurch "alle wichtigen Details ungeklärt bleiben". Für Konkurrenten verdopple sich dadurch außerdem der Aufwand, um mögliche Signalstörungen und Kollisionsszenarios zu berechnen. Die FCC solle den Antrag für die zweite Starlink-Generation deshalb ablehnen.

Bürokratische Störmanöver

SpaceX lässt dies nicht auf sich sitzen. Der Einspruch sei ein durchschaubarer Versuch, die Konkurrenz zu bremsen, während eigene Versäumnisse vernachlässigt würden. Im Juli 2020 hätte die FCC Amazon um nähere Erläuterungen gebeten, wie das Unternehmen gedenke, andere Satellitenbetreiber vor Signalinterferenzen und Weltraumschrott zu bewahren. "Während darauf seit fast 400 Tagen keine Antworten gegeben wurde, hat es nur 4 Tage gedauert, um Einspruch gegen die Pläne von SpaceX zu erheben", heißt es in einer Stellungnahme von SpaceX.

Amazon könne nicht benennen, welche "wichtigen Details" in den vorgelegten Plänen fehlen. Dem Argument, die Analyse der beiden Starlink-Konfigurationen wäre ein zu großer Aufwand, fehle die Glaubwürdigkeit, "vor allem, wenn man bedenkt, dass Amazon mit 6 Lobbyist*innen und Anwält*innen zu Besprechungen über SpaceX bei der Behörde erscheint."

Die Stellungnahme endet mit einem süffisanten Verweis auf ein Zitat von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der einmal bemerkt hat, dass bürokratische Störmanöver ein größerer Flaschenhals für Innovationen als neue Technologien geworden sind.

Mehrere Fronten für SpaceX

Während Amazon seine ersten Kuiper-Satelliten nicht vor 2023 starten wird, versorge Starlink von SpaceX immer mehr Kunden. Dass Konkurrenten darauf mit allen verfügbaren Mitteln reagieren, sei laut Marktanalyst*innen nur logisch.

SpaceX kämpft dabei auf mehreren Fronten, denn neben Amazon nehmen auch immer mehr US-Mobilfunkanbieter die Firma als Bedrohung für ihr Geschäft wahr. Mit Grund: SpaceX hat über 800 Millionen US-Dollar an Fördergeldern für die Internetversorgung ländlicher Gebiete zugesprochen bekommen. Ein Wettkampf um Funkfrequenzen ist die Folge.

Stichelei unter Milliardären

Dass Amazon so scharf auf SpaceX reagiert, könnte teilweise auch einer persönlichen Fehde geschuldet sein. Amazon-Gründer Jeff Bezos verfolgt mit seinem Privatprojekt Blue Origin nämlich auch über den Orbit hinausgehende Weltraumpläne.

Die NASA hat 2019 sowohl SpaceX als auch Blue Origin beauftragt, eine neue Mondlandefähre zu entwickeln. Später wurde SpaceX jedoch zum alleinigen Auftragnehmer ernannt. Gegen die Entscheidung geht Blue Origin nun gerichtlich vor.

Elon Musk ist klarerweise nicht glücklich darüber. Auf Twitter stichelt er gegen Jeff Bezos. "Klagen gegen SpaceX einzureichen ist *eigentlich* sein Vollzeit-Job", heißt es etwa in einem Tweet von Musk. Er spielt damit auf die Tatsache an, dass sich Bezos im Juli nach 27 Jahren an der Amazon-Spitze von seiner Position als CEO verabschiedet hat. Zuvor hat Musk bereits auf Twitter ein Schäuferl nachgelegt, als Blue Origin den Mondlander-Auftrag der NASA verloren hatte.

Wachsende Flotte

Starlink
wird seit 2015 entwickelt. 2018 starteten erste Prototypen, 2019 die ersten regulären Internet-Satelliten. Mehr als 1.700 Satelliten wurden bisher in den Orbit befördert. Mehr als 100.000 Kunden nutzen den Dienst bereits.

Massentransport
Bis zu 60 Satelliten werden pro Raketenflug ausgesetzt, oft sichtbar als Lichterketten am Nachthimmel. Forscher warnen vor erhöhter Kollisionsgefahr im All durch die Masse an Satelliten.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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