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B2B
04/26/2019

Amazon will künftig kostenlos innerhalb eines Tages liefern

Der Online-Versandhändler gab im Zuge seiner Rekord-Quartalsergebnisse bekannt, dass man künftig schneller zustellen will.

Amazon verstärkt nach einem Gewinnsprung den Druck auf die Konkurrenz. Der weltgrößte Online-Händler kündigte am Donnerstag ein ehrgeizigeres Versandziel an. So sollen Kunden des Abo-Dienstes Prime künftig die bestellten Waren binnen eines Tages bekommen. An der Börse kam der Quartalsbericht gut an: Die Amazon-Aktie zog im nachbörslichen Handel um bis zu zwei Prozent an.

Rekordgewinn, Wachstum flaut aber ab

Im abgelaufenen Vierteljahr steigerte der Branchenprimus den Umsatz um 17 Prozent auf 59,7 Milliarden Dollar und lag damit etwas über den Markterwartungen. Der Nettogewinn wurde mehr als verdoppelt auf 3,56 Milliarden Dollar (plus 125 Prozent), ein neuer Rekordgewinn für das Unternehmen. Auch das war mehr als von Analysten vorhergesagt. Dabei profitierte Amazon insbesondere von Zuwächsen in der ertragsstarken Cloud-Sparte AWS. Sie stellt Privat- und Geschäftskunden Platz zur Datenspeicherung im Internet zur Verfügung. Dort stiegen die Einnahmen um 41 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn der ertragreichen Sparte kletterte um 59 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. 

Rund läuft es außerdem in Amazons Anzeigengeschäft. Zudem macht der Konzern von Starunternehmer Jeff Bezos, dessen Ausgabefreude Investoren früher häufig nervös machte, inzwischen große Fortschritte, die Kosten im Ruder zu halten. Im abgelaufenen Quartal kletterten die Ausgaben lediglich um 12,6 Prozent - für Amazons Verhältnisse ein ungewöhnlich niedriger Wert.

Hohe Investitionen für schnellere Lieferung

Für das aktuelle Quartal prognostizierte das Management Umsätze in einer Spanne von 59,5 bis 63,5 Milliarden Dollar. Die Expertenschätzung liegt hier bei 62,4 Milliarden. Das Betriebsergebnis erwartet Amazon mit 3,6 Milliarden Dollar, während Fachleute von einem höheren Wert von 4,2 Milliarden ausgehen.

Finanzchef Brian Olsavsky sagte, der Konzern ernte nun die Früchte von Neueinstellungen sowie Investitionen in Lagerhallen und andere Infrastruktur in den vergangenen Jahren. Analyst James Cordwell vom Wertpapierhändler Atlantic Equities zeigte sich erfreut über steigende Gewinnspannen, nachdem die Investitionen zuletzt nicht mehr so hoch gewesen seien.

Doch nun stehen weitere massive Ausgaben an. Um das künftige Lieferversprechen erfüllen zu können, will Amazon allein im laufenden Vierteljahr 800 Millionen Dollar investieren. Bis wann die Zustellungsfrist offiziell auf einen Tag reduziert werden soll, steht noch nicht fest. „Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr kontinuierlich rasche Fortschritte machen“, sagte Olsavsky lediglich.

Bislang verspricht Amazon die Auslieferung binnen zwei Tagen für die meisten Bestellungen, auch in Europa. Hier haben in den USA Rivalen wie Walmart und Target inzwischen nachgezogen. Analystin Cathy Morrow Robertson von der Beratungsgesellschaft Logistics Trends & Insights schätzt, dass Amazon derzeit bis zu 25 Prozent der Zustellungen binnen eines Tages bewältigt. Dies gelte insbesondere für Großstädte. Schwierig werde dies auf dem Land sein.