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B2B
02/21/2019

Huawei Österreich: "Es gibt keine Hintertüren"

Mehrere hochrangige Huawei-Manager versuchen derzeit, die Bedenken vor dem Aufbau des 5G-Netzes zu zerstreuen.

von Michael Leitner

Gleich vier Top-Manager von Huawei rückten aus, um sich am Donnerstag in Wien den Fragen der Journalisten rund um Spionageverdacht und Boykottaufrufen gegen den chinesischen Technologieriesen zu stellen. Jeder Journalist durfte nur eine Frage stellen, die Antworten kamen zumeist vom globalen Pressesprecher Joe Kelly und vom Simon Lacey von der Abteilung "Global Government Affairs". Anwesend waren auch Huawei-Österreich-Chef Pan Yao mit seinem lokalen Consumer-Business-Manager Wang Fei.

"Kein Sicherheitsrisiko"

Die Botschaft stand schon zu Beginn fest: Österreichs Konsumenten, Mobilfunk-Unternehmen und die Regierung hätten von Huawei nichts zu befürchten, es gäbe "kein Sicherheitsrisiko", die Vorwürfe gegen den Konzern seien aus der Luft gegriffen. "Es gibt keine Hintertüren. Wir haben nichts zu verbergen", betonte Kelly. Der Konzern halte sich an lokale Gesetze und sei offen für Inspektionen, falls es gilt, Bedenken auszuräumen. Gleich mehrere westliche Staaten, allen voran die USA, äußerten zuletzt Sicherheitsbedenken gegenüber den Chinesen vor allem im Hinblick auf den Aufbau der nächsten Mobilfunkgeneration 5G. Großbritannien relativierte dies am Donnerstag jedoch, auch Österreich sieht derzeit keinen Anlass für Sicherheitsbedenken.

Kontakte zur KP

Die vom US-Geheimdienst unterstellte, enge Verbindung zur Machtzentrale in Peking wies Kelly energisch zurück. Auch zur Armee gäbe es keine Verbindungen mehr. Gründer Ren Zhengfei sei bereits in den 1980-er Jahren aus der Armee ausgetreten und "Huawei ist ein ausschließlich ziviles Unternehmen". Die Kontakte zur herrschenden kommunistischen Partei (KP) seien vergleichbar mit jenen zu den Gewerkschaften im Westen. Jedes Unternehmen, das so viele Mitarbeiter beschäftigt, habe Kontakt zur Gewerkschaft. "Aber die treffen keine Entscheidungen". Auch Regierungskontakte seien in allen Ländern üblich.

Lacey verwies darauf, dass Huawei kein Staatsunternehmen, sondern vollständig in privater Hand sei. "Wir sind zu 100 Prozent ein Privatunternehmen und halten uns aus allen politischen Angelegenheit raus", sagte Lacey und bedauerte die zunehmenden Handelsschranken im globalen Geschäft. Ausgerechnet die USA, die für Freihandel stehe, würde sich nun abschotten, dies sei unverständlich. "Die wollen das Rad der Zeit zurückdrehen."

Engagement in Österreich

In mehr als 30 Jahren Firmengeschichte habe man immer höchste Ansprüche an Cyber- und Datensicherheit gestellt. "Huawei wird seit Jahren beschuldigt und nie wurde auch nur ein einziger Beweis erbracht. Wir betreiben keine Spionage", betonte Österreich-Chef Pan Yao. Zugleich bedankte er sich bei der Regierung über die objektive Beurteilung Huaweis. "Wir sind froh, dass uns in Österreich sowohl Politik, Medien als auch Kunden mit großer Fairness begegnen. Wir werden alles unternehmen, um diesem Vertrauen Rechnung zu tragen und Österreich bei der Digitalisierung bestmöglich zu unterstützen."

In Österreich beschäftigt Huawei derzeit 100 Mitarbeiter und setzte zuletzt 255 Mio. Euro um. Alle drei Mobilfunk-Anbieter sind Kunden der Chinesen, insbesondere T-Mobile. Ferner gibt es enge Partnerschaften mit den ÖBB, Raiffeisen oder der Energie AG Oberösterreich.

Nummer 2 bei Smartphones

Binnen weniger Jahre konnte man auch in Österreich zur Nummer 2 am Smartphone-Markt aufsteigen, erzählte Pan stolz. Der Marktanteil kletterte von 9,5 Prozent im Jahr 2015 auf 30,7 Prozent Ende Dezember 2018. Am Tablet-Markt komme man auf einen Marktanteil von 19 Prozent, so Pan.

Im Sommer wird in der Wiener Innenstadt Europas erster Flagship-Store eröffnet, wofür gerade 30 Mitarbeiter gesucht werden. Der Showroom wird 400 Quadratmeter Verkaufsfläche haben und soll anhand von "Erlebniszonen" die Produkte von Huawei den Kunden näherbringen.

Mehr F&E in Österreich?

Es gäbe auch Pläne für Investitionen in die Forschung und Entwicklung in Österreich, bestätigte ohne jedoch konkreter zu werden. In jedem Land, wo Huawei eine Niederlassung habe, würden 15 Prozent des Umsatzes in F&E-Investitionen getätigt.