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Künstliche Intelligenz errechnet wahren Wert von Unternehmen

"Die Bewertung von Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahr stark verändert", sagt Steve Rogers. Während Unternehmen vor 20 Jahren noch hauptsächlich nach ihren materiellen Anlagegütern bewertet worden seien, liege nun der Großteil des  Wertes eines Unternehmens in immateriellen Vermögensgegenständen, wie etwa Patenten. Im S&P 500, der die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen umfasst, betrage der Anteil solcher "intangible assets" am Unternehmenswert bereits über 80 Prozent, sagt Rogers.

Technologie in Österreich entwickelt

Mit seinem Unternehmen Quantum Terminal analysiert der Brite, der 10 Jahre lang bei Google für die User-Experience verantwortlich war und in den 1990er Jahren auch bei Philips in Wien gearbeitet hat, immaterielle Vermögenswerte von Unternehmen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen. 

Ansässig ist sein Unternehmen in London und Wien.  Die Technologie für die Analyseplattform wurde vom eigenen Thinktank in Österreich entwickelt.

Beispiel: Nuance-Übernahme

Dass traditionelle Unternehmensdaten heute nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen, zeige etwa die geplante Übernahme des Sprachverarbeitungsspezialisten Nuance durch den Softwarekonzern Microsoft, erläutert Rogers. Nuance sei zwar vergleichsweise klein, verfüge aber über Know-how und Patente, die Microsoft dazu verhelfen können, auf dem Gebiet zu Konkurrenten wie Google, Apple oder Samsung aufzuschließen. Der Preis von knapp 20 Milliarden Dollar könne deshalb gerechtfertigt werden, sagt Rogers.

Vergleich: Die Kompetenz von Microsoft und Nuance im Bereich Spracherkennungstechnologie (MS dunkeblau - Nuance hellblau)

Zahlreiche Datenquellen

Für seine Analysen greift Quantum Terminal auf ein breites Spektrum an Datenquellen zurück, die angemeldete und erteilte Patente ebenso umfassen wie Angaben zur Dauer der Patenterteilung, Änderungen bei geistigen Eigentumsrechen sowie Zitate von Patenten durch Konkurrenten. Damit lasse sich das Potenzial eines Unternehmens errechnen, sagt Rogers. Kombiniert mit Finanzdaten könne sogar der künftige Aktienkurs prognostiziert werden.

Ohne maschinellen Lernen seien solche Aufgaben nicht zu bewältigen, sagt der Chief Operating Officer (COO) von Quantum Terminal. „Dazu sind die Datenmengen schlichtweg zu groß.“

Prominente Kunden

Zu den Kunden von Quantum Terminal zählen Finanzdienstleister und Vermögensverwalter ebenso wie Unternehmens- und Übernahmeberater oder Firmen, die an ihrer Unternehmensstrategie feilen.

Neben der Deutschen Bank, der Unternehmensberatung Ernst&Young, dem Autohersteller Saab greifen etwa auch der österreichische Halbleiterhersteller AT&S und der heimische Baukonzern Porr auf die Dienste des Fintechs zurück.

Steve Rogers (Bild links) hat bei Google, der BBC und bei Philips in Wien gearbeitet. Jetzt analysiert er Unternehmenswerte

Asien bei Innovation vorne

Gibt es Unterschiede in der Innovationskraft von Unternehmen in Europa, den USA und Asien? Derzeit würden asiatische Unternehmen bei der Innovation vorne liegen, sagt Rogers. Aber auch in den USA und Europa sei die Innovationskraft immer noch hoch. Am Silicon Valley habe ihn begeistert, dass Menschen aus allen Kulturen mit offenen Armen empfangen werden, erzählt Rogers. Das ermögliche viele verschiedene Blickwinkel, um Probleme zu lösen: "Nur so kann Innovation vorangetrieben werden."

Auch Österreich sei bei neuen Technologien innovativer als sein Ruf, meint Rogers. Stärken sieht er neben dem Bereich der künstlichen Intelligenz auch bei Sprachverarbeitungstechnologien sowie Kryptowährungen und Blockchain.  Die Start-up-Szene sei hierzulande zwar kleiner als in London oder San Francisco, sagt Rogers: "Das hat aber den Vorteil, dass man sich kennt und so schnell die richtigen Leute finden kann."

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Patrick Dax

pdax

Kommt aus dem Team der “alten” ORF-Futurezone. Beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Innovationen, Start-ups, Urheberrecht, Netzpolitik und Medien. Kinder und Tiere behandelt er gut.

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