B2B
08.10.2018

Trendscouting: Wie sich Unternehmen von Trends inspirieren lassen

Jens Bode spürt für den Konsumgüterkonzern Henkel Trends nach. Beim Austrian Innovation Forum erzählt er, warum Trendscouting kein Luxus ist.

"Innovation ist für Unternehmen ein Überlebensbestandteil, und Trends sind eine Inspirationsform dafür", sagt Jens Bode. Der 54-jährige Manager macht für den Konsumgüterkonzern Henkel Trends ausfindig.

Dazu hat er ein Netzwerk an trendaffinen Menschen aufgebaut, die ihre Fühler in alle möglichen Bereiche ausstrecken. Rund 150 Trends, Impulse und Ideen landen pro Quartal auf seinem Schreibtisch. Soapberries, also Seifenbaumgewächse, können ebenso dazuzählen wie neue Superfoods, neue Verpackungen, Claims oder innovative Distributionswege. 25 bis 30 davon wählt er aus und überlegt mit einem interdisziplinar zusammengesetzten Team, wie sie sich in den Wasch- und Reinigungsmittelbereich übersetzen lassen.

"Spontan Ideen entwickeln"

"Die Idee ist es, sich von anderen Produktkategorien inspirieren zu lassen", erzählt Bode. Muster solcher Trendprodukte präsentiert er in Meetings, bei denen auch Top-Manager des Konzerns anwesend sind: "Jeder kann es dort erleben. Und es sind alle eingeladen, spontan Ideen zu entwickeln."

Am 11. Oktober ist Bode beim Austrian Innovation Forum im Wiener Tech Gate zu Gast, wo er über Trendscouting referieren wird. Für Unternehmen sei das Aufspüren von Trends alles andere als ein Luxus, meint Bode:  "Es ist ein 'Must Have' sich mit externen Einflüssen, mit deren Chancen wie Risiken zu beschäftigen."

Achtsamkeit und Neugierde

Welche Voraussetzungen muss ein Trendscout mitbringen? "Eine sehr große Portion an Achtsamkeit und Neugierde", sagt Bode. Auch offene Kommunikation sei ein wichtiger Bestandteil seiner Tätigkeit:  "Ich teile mein Informationsmaterial, es ist kein Wissen, das verschlossen ist. Jeder soll Bausteine daraus für seine eigene Arbeit nutzen können."

Eine Garantie, dass sich Trends in Produkte übersetzen lassen, die sich nachhaltig am Markt etablieren, gebe es nicht. "Aber ich möchte, dass wir darüber sprechen und sie als Inspiration nutzen", meint der Manager. Bubble Tea – Tee, der in eine gelartige Kapsel eingebunden ist -  sei etwa ein großer Hype gewesen. Dauerhaft durchsetzen konnte er sich aber nicht: "Der Trend war so schnell wieder weg, wie er gekommen ist."

Über konkrete Produkte, die aus solchen Prozessen hervorgegangen sind, redet Bode nicht gerne. Ein erfolgreiches Produkt habe viele Väter. Es gehe auch darum, die Regeln des Marktes in Frage zu stellen, sie zu brechen und Kategorien zu erweitern. Henkel versuche zunehmend in andere Märkte zu gehen. "Es gibt viele Unternehmen, die es vor zehn Jahren noch nicht gab und die heute Weltmarktführer sind. Umgekehrt gilt: Wenn nicht laufend innoviert wird, ist man sehr rasch nicht mehr da. Das kann sehr schnell gehen."

"Innovation Game Changer"

Bei Henkel beschäftigt sich Bode aber nicht nur mit dem Aufspüren von Trends. Seine Job-Beschreibung umfasst auch den Titel "Innovation Game Changer". Dabei geht es nicht nur um die Entwicklung von disruptiven Produkten, sondern auch darum, Prozesse innerhalb des Unternehmens zu hinterfragen.

Worauf sollten Unternehmen achten, die Trendscouting zur Innovation einsetzen wollen? Solche Initiativen müssen vom Top-Management unterstützt werden, rät Bode. Es müsse ein Klima des Netzwerkens, Austauschens und des gemeinsamen Innovierens gefördert werden.

Diversität

Firmen sollten auch auf die Diversität ihrer Mitarbeiter achten. Das internationale Marketing-Team für Laundry & Home Care im Headquarter bei Henkel in Düsseldorf umfasse etwa Kolleginnen und Kollegen aus 26 Nationen. Es brauche aber auch die Diversität an Mindsets, sagt Bode: Pragmatiker brauche man ebenso wie den sprichwörtlichen „Spinner“. Diversität bedeute auch, permanent kreative Fähigkeiten in Teams zu trainieren. "Es braucht eine im positiven Sinne kreative Unruhe."

Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und Austrian Innovation Forum entstanden.