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Digital Life
05/04/2020

Corona-Krise: Videotelefonie und Online-Gaming wachsen enorm

Wie die Österreicher telefonieren, das Internet nutzen und streamen hat sich während der Corona-Krise stark geändert.

von Andreea Iosa

In den 7 Wochen Lockdown hat sich Zuhause bei den Österreichern viel getan. Viele Bereiche ob privat oder beruflich  gehen nur noch digital vonstatten. Denn die Corona-Krise hat die Nutzung der Telekommunikationsinfrastruktur massiv verändert.

Laut Mobilfunkanbieter Drei haben die Österreicher am Höhepunkt der Krise gar um zwei Drittel mehr telefoniert als sonst. Ein Rekord. Während vor der Krise zudem eher ab 18.00 Uhr nett geplauscht wurde, hat sich die Zeit zum Telefonieren im Verlauf der Krise auf den Vormittag verlagert – also besonders während der Arbeitszeit. Aus durchschnittlichen 2,7 Minuten wurden 4.

Videotelefonie auf Rang 1

Den größten Anstieg macht laut Jan Trionow, CEO von Drei, die Videotelefonie mit einem Plus von 232 Prozent aus. Internettelefonie habe hingegen um 161 Prozent zugenommen. „Eine der Hauptquellen der gestiegenen Internet-Nutzung war aber auch Online-Gaming“, sagt er – mit einem Zuwachs von 173 Prozent.

Im Vergleich dazu habe die Nutzung von Streaming-Diensten allerdings um nur 21 Prozent zugelegt. Denn: „Streaming hatte auch davor eine große Bedeutung“, so Trionow. Die Kurven der Datennutzung und Telefonie gehen aber langsam wieder zurück – „alles normalisiert sich wieder“, sagt der Drei-Chef.

"Nie dagewesene Nutzung"

Ähnliche Trends konnte auch Magenta ermitteln. „Wir haben in den vergangenen Wochen eine nie dagewesene Nutzung der Netze gesehen. Telefonie hat sich zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen verdoppelt und nun wieder auf einem hohen Niveau normalisiert“, sagt Andreas Bierwirth, CEO Magenta Telekom. „Aufgrund der Corona-Krise erleben wir eine Renaissance der Telefonie. Wir befinden uns seit mehreren Wochen auf einem Rekordhoch, das es noch nie gegeben hat." Die Anzahl der Anrufe ist bis heute auf einem sehr hohen Niveau geblieben. Anders als bei Drei sei die Länge der Telefonate nun ein wenig kürzer, aber nach wie vor auf einem deutlich höheren Niveau als vor der Krise.

Datenvolumina sind bei Magenta zudem um rund 40 Prozent gestiegen. „Zu Beginn der Krise war das noch etwas mehr“, sagt erSeitdem habe sich die Lage etwas entspannt: „Einerseits haben wir in den vergangenen Wochen Kapazitätserweiterungen in den Netzen vorgenommen und bauen auch laufend weiter aus, zudem erzeugen die Streaming-Dienste fast 20 Prozent weniger Daten.“ Dies hänge mit der Reduktion der Bildqualität seitens der Streaming-Plattformen zusammen.

Auch Jochen Schützenauer von A1 bestätigt diese Trends. "Besonders in den ersten Tagen wurde Sprachtelefonie intensivst genutzt", sagt er. Für A1-Kunden habe sich speziell aber im e-Sports-Bereich eine auffällig große Dynamik zeitgleich mit dem Shutdown ergeben. Es geben ein massives Interesse an der A1 e-Sports League.

Was bleibt

Drei-Chef Trionow zufolge hat die Krise in allen Wirtschaftsbereichen generell zu einem massiven Digitalisierungsschub geführt. Besonders relevant seien dabei Themen wie Online-Vertrieb, Telearbeit von zuhause, Videokonferenzen und sicheres Arbeiten auf Plattformen, im VPN oder in der Cloud. Im regionalen Online-Handel hätten sich für die unzähligen heimische Kleinbetriebe zudem auch völlig neue Chancen durch Online-Bestell- und Zustellmöglichkeiten eröffnet.

Er geht davon aus, dass Österreich viele der neu entdeckten Möglichkeiten auch in Zukunft nutzen werden: „Wir sehen, dass viele wichtige Abstimmungen und Meetings oder auch der Weg zum Arzt erfolgreich und unproblematisch durch Telefon- und Videokonferenzen ersetzt werden konnte. Die eine oder andere Geschäftsreise, den einen oder anderen Arztbesuch kann man sich damit ersparen. Egal ob Homeoffice, regionale Onlineshopping-Angebote oder eLearning, ob Online-Kulturerlebnisse oder E-Sports-Events. Vieles davon wird bleiben", sagt er.