E-Kreuzfahrtschiff

E-Kreuzfahrtschiff von Hurtigruten

© Hurtigruten

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Dieses Elektro-Kreuzfahrtschiff hat 50 Meter hohe Photovoltaik-Segel

Kreuzfahrten sind beliebter denn je – obwohl die riesigen Schiffe gewaltige Umweltsünder sind. Die bis zu 362 Meter langen Kreuzfahrtschiffe pflügen mit Schweröl oder Diesel durch die Ozeane. Die Wonder of the Seas etwa hat Platz für bis zu 6.988 Passagiere und verbraucht 250.000 Liter Diesel – pro Tag.

Die norwegische Reederei Hurtigruten will in Zukunft umweltschonend unterwegs sein. Dazu hat sie ihr erstes emissionsfreies Kreuzfahrtschiff vorgestellt.

Die Pläne dafür wurden schon vor einem Jahr als „Sea Zero“ angekündigt. Jetzt steht das Konzept für das Kreuzfahrtschiff, das 2030 bereit zum Auslaufen sein soll. Das Schiff wird 135 Meter lang sein und 270 Kabinen haben, für 500 Gäste und 99 Crew-Mitglieder. Für den Fährbetrieb hat es außerdem Platz für Fracht und Autos.

Das Schiff wird rein elektrisch fahren. Die Energiespeicher-Architektur wird auf einem 60-Megawatt-Akku basieren. Welche Batterie-Technologie dabei zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. Der Akku wird im Hafen geladen. Als besonderes Designelement gibt es grüne Lichtstreifen, die den Ladezustand des Akkus an der Außenhülle anzeigen.

Segel eingefahren

50 Meter hohe Segel

Um die Reichweite zu steigern, hat das Schiff 3 ausfahrbare Segel. Sind sie voll ausgefahren, erreichen sie eine Höhe von 50 Meter. Die Segel bieten 750 Quadratmeter Windfläche, um zusätzlichen Vorwärtsschub zu generieren. Die Steuerung erfolgt autonom per KI, um den Wind bestmöglich auszunutzen.

An der Vorder- und Rückseite der Segel sind Solarpaneele, mit einer Gesamtfläche von 1.500 Quadratmetern. Besonders zur Zeit der Mitternachtssonne macht das Sinn, weil das Schiff dann quasi rund um die Uhr Sonnenenergie tanken kann.

Segel ausgefahren

Luft-Schmierung reduziert Wasserwiderstand

Wer sich ein bisschen mit dem Effizienzgrad von Solarpaneelen beschäftig und Größe und potenzielles Gewicht des Schiffs mit dem Konzept der Segelmaste abgleicht, merkt, dass es trotzdem knapp wird mit der Energie. Deshalb hat das Schiff weitere Maßnahmen, um Strom zu sparen.

Dazu gehört die stromlinienförmige, futuristische Form, die Gästen außerdem eine bessere Aussicht gewähren soll. Hinzu kommt eine „Luft-Schmierung“. Dabei werden Luftbläschen am Rumpf erzeugt, die den Wasserwiderstand senken. Bei Schiffen mit Schweröl-Antrieb können mit so einem System bis zu 15 Prozent Treibstoff eingespart werden.

KI dockt effizient an

Eine KI soll der Kapitän*in unter die Arme greifen, um möglichst energieeffizient zu manövrieren, auch beim An- und Ablegen. Dazu werden in den nächsten Jahren Daten gesammelt. Hurtigruten betreibt ua. die gleichnamige Postschifflinie in Norwegen, bei der täglichen 34 Häfen angefahren werden. So sollten genügend Daten zusammenkommen, auch bei schwierigen Wetterbedingungen.

Durch die KI-Unterstützung soll die Brücke kleiner werden, was wiederum mehr Platz für Kabinen schafft. Dadurch ist das Schiff auch effizienter als Schiffe mit ähnlicher Länge. Laut der Reederei wird die Brücke eher einem Flugzeug-Cockpit ähneln als einer klassischen Brücke eines Kreuzfahrtschiffs.

Als weitere Sparmaßnahme werden neue Konzepte für die Hotellerie an Bord entwickelt. Diese könne laut der Reederei bis zu 50 Prozent des Energieverbrauchs eines Schiffs ausmachen. Das gesetzte Ziel: Das neue Schiff soll die Hälfte weniger Energie für die Hotellerie benötigen als die Schiffe, die die Reederei jetzt in seiner Flotte hat.

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