Installateur wartet einen Erdöl-Heizkessel

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Womit man Ölheizungen am leichtesten ersetzen kann

Wer ab kommendem Jahr seine Ölheizung ersetzen will, darf laut Plan der Regierung nicht wieder zu einer Ölheizung greifen. Ab 2035 dürfen überhaupt keine Ölheizungen mehr verwendet werden. Hat man also einen Ölkessel im Keller stehen, sollte man sich schön langsam nach Alternativen umsehen.

Für das Klima zahlt sich die Abkehr von dem fossilen Brennstoff, der immer noch in rund 600.000 heimischen Haushalten verwendet wird, auf jeden Fall aus. Ein Heizsystemtausch bedeutet allerdings einen großen planerischen und finanziellen Aufwand. Bei letzterem greift der Staat Haus- und Wohnungsbesitzern immerhin unter die Arme (siehe unten).

Hauszustand entscheidend

"Bei den Alternativen zu Ölheizungen gibt es im Prinzip drei gute Möglichkeiten", meint Thomas Fleckl, Leiter der Abteilung für nachhaltige Energiesysteme am AIT Center for Energy. "Erstens ein Fernwärmenetz, an das man sich anschließen kann. Zweitens Biomasse, etwa eine Pellets- oder Holzheizung. Drittens Wärmepumpen." Abgesehen davon gebe es noch Mischsysteme, etwa in Kombination mit Solarthermie. Die Wärmestrahlung der Sonne aufzufangen, wird in vielen Fällen aber nicht für eine ganzjährige Beheizung des Haushalts ausreichen, oder man benötigt große Wärmespeicher dafür.

"Bei einem Umstieg geht es aber nicht nur um den reinen Austausch des Heizsystems, sondern man muss sich anschauen, in welchem Zustand das Gebäude ist", warnt Fleckl. In vielen Fällen wird eine teilweise oder komplette Sanierung notwendig sein. Um das Gebäude besser zu isolieren muss man dann etwa Fenster tauschen, die Fassade sanieren oder die oberste Geschoßdecke speziell dämmen.

Vielzahl von Variablen

Für welches System man sich alternativ zu einer Ölheizung entscheidet, hängt stark von individuellen Voraussetzungen und Vorlieben ab. Die Kosten abzuschätzen, sei "gerade jetzt eine schwierige Frage", meint Fleckl. Für die Installation einiger Systeme seien gewisse Bauarbeiten notwendig, dazu kommen volatile Materialkosten und unterschiedliche Kosten im Betrieb.

Bei Fernwärme sind Kunden etwa stets von der Preisgestaltung des Anbieters abhängig. Bei Biomasse gibt es ein breiteres Angebot, dafür braucht man Platz, um Pellets oder Scheitholz einzulagern. Den Strom für Wärmepumpen kann man von einer Vielzahl an Anbietern beziehen. Dafür gibt es technische Unterschiede. Derzeit sehr beliebt seien etwa Luft-Wärmepumpen, die der Umgebungsluft Wärme entziehen. Sie zu errichten, ist günstig im Vergleich zu Wärmepumpen, die Wärme aus der Erde oder dem Grundwasser holen. Letztere arbeiten aber effizienter.

Im Neubau seien Wärmepumpen derzeit die Standardtechnologie. Fleckl: "Die Vorteile sind, dass es ein wartungsarmes System und sehr komfortabel ist." Im Sommer könne man damit auch kühlen. Bei den Installationskosten für eine Wärmepumpe für einen Privathaushalt kann man laut einem Gerätehersteller mit 10.000 bis 30.000 Euro rechnen. Eine Biomasse-Heizung komme auf 20.000 bis 25.000 Euro.

Heizungen, die Strom direkt in Wärme umwandeln, etwa Infrarotheizungen, hält Fleckl für wenig effizient. Während Wärmepumpe aus einem Teil elektrischer Enerige 3 bis 5 Teile Wärme machen, komme man bei Infrarotheizungen auf ein Verhältnis von maximal 1:1. "Ein Vorteil ist, dass sie einfach zu installieren sind, dafür werden sie aber nicht staatlich gefördert."

Brennstoffe wechseln

Für eine ganz andere Lösung plädiert das Institut für Wärme- und Öltechnik (IWO). Dessen Geschäftsführer Martin Reichard ist überzeugt: "Das Problem der Ölheizung ist nicht das Gerät selbst, sondern die CO2-Emissionen." Statt Erdöl könnten künftig synthetische Brennstoffe verwendet werden, etwa klimaneutrale E-Fuels. Diese werden in Österreich etwa künftig in einer neuen Anlage des Technologiekonzerns AVL mit Solarstrom hergestellt. Die Erzeugung sei zwar energieaufwendig, dafür könnte man für den flüssigen Brennstoff die gleichen Vertriebswege verwenden, wie derzeit für Heizöl. Außerdem erspare man sich 15 Milliarden Euro Umstellungskosten.

Dass alle 600.000 Haushalte mit Ölheizung bis 2035 einen Systemwechsel vollzogen haben, hält Reichard für schwierig. Fleckl hält es für realistisch: "Die Hersteller aus Österreich haben ihre Fertigungskapazitäten massiv ausgebaut." Eine Herausforderung sei es allerdings, Installateure, die Jahrzehnte lang nur an Öl- oder Gaskesseln gearbeitet haben, für den Umgang mit Alternativen zu trainieren.

Geld für neue Kessel

Unter dem Motto "Österreich holt die Leichen aus dem Keller" (siehe Video oben) wird die Förderungsaktion "raus aus Öl und Gas" durchgeführt. Mehr Infos dazu findet man auch auf der Webseite kesseltausch.at.

400 Millionen Euro stehen alleine für den Tausch von Ölheizungen zur Verfügung. Privathaushalte erhalten bis zu 7500 Euro, Eigentümer von mehrgeschoßigen Gebäuden bis zu 10.000 Euro.

Individuelle Planung

Auf der Webseite energieinstitut.at findet man einen Heizrechner, mit dem man Kosten und Nutzen verschiedener Systeme für den eigenen Haushalt vergleichen kann. Will man Umbaupläne in die Tat umsetzen, sollte man sich in jedem Fall an Installateure oder Bautechniker wenden.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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