Vorzimmer-Zustellung der Post

Vorzimmer-Zustellung der Post

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Paketzustellung: Postler können ab Juli die Wohnungstür aufsperren

94 Prozent der ersten Zustellversuche sind erfolgreich, sagt die Österreichische Post. „Das ist uns aber nicht genug. Wir wollen auch die restlichen 6 Prozent erreichen, denn jeder gelbe Zettel ist einer zu viel“, sagt Peter Umundum, Vorstandsdirektor für Paket & Logistik.

Eine Maßnahme, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, startet ab Juli: Die Vorzimmer-Zustellung. Bei dieser Form der Abstellgenehmigung wird das Paket direkt ins Haus gebracht. Möglich wird dies durch eine Partnerschaft mit dem österreichischen Unternehmen Nuki.

➤ Mehr lesen: Nuki Smart Lock im Test: Schlüsselloses Schloss aus Österreich

So funktioniert es

Nuki stellt smarte Schlösser her, die mit dem Smartphone geöffnet werden können. Ist die Vorzimmer-Zustellung aktiviert, kann die Postbot*in mit ihrem Handheld-Gerät die Tür aufsperren. Das Paket wird im Vorzimmer auf die spezielle Abstellmatte gelegt. Die Zusteller*in schließt die Tür und verschließt das smarte Schloss wieder mit dem Handheld.

Für die Post-Angestellten entstehe dadurch kein Mehraufwand, da das Paket ohnehin immer gescannt wird, um die Abstelloptionen abzurufen. Das Öffnen und Schließen der Türe mit dem Handheld sei immer noch weit weniger Aufwand, als einen gelben Zettel auszufüllen und das Paket zur nächsten Abholstation zu bringen, sagt Umundum.

➤ Mehr lesen: 5 Tipps für das Empfangen von Paketen

200 User*innen erhalten Nuki-Schloss gratis

2021 wurden erste Tests dafür durchgeführt. Ab Juli wird die Vorzimmer-Zustellung in den Regelbetrieb gehen. Die Einführung erfolgt in Wellen. Bis Ende des Jahres soll der Service in ganz Österreich verfügbar sein. Laut der Post gehe solch ein Angebot erstmalig in Europa in den Regelbetrieb über.

➤ Mehr lesen: Post, Nuki und A1 testen die Paketzustellung ins Vorzimmer

Für die erste Welle kann man sich ab sofort bis zum 4. Juni 2024 anmelden. 200 Personen werden ausgewählt. Falls sie noch kein Nuki-Schloss haben, stellt ihnen die Post eines kostenlos zur Verfügung.

Für den weiteren Rollout müssen sich die Kund*innen selbst ein Nuki-Schloss anschaffen. Dies kostet 289 Euro in der Option mit WLAN (291 Euro bei Amazon), um es auch aus der Ferne zu bedienen zu können und Notifications zu erhalten.

Laut Nuki ist auch die günstigere Version um 189 Euro (185 Euro bei Amazon) kompatibel mit der Vorzimmer-Zustellung, allerdings bräuchte man zusätzlich die WLAN-Bridge um 99 Euro (95 Euro bei Amazon) oder den Fernzugriff über Matter mittels Thread, der einmalig 49 Euro freigeschaltet werden muss.

Nuki rühmt sich damit, dass die Schlösser eine hohe Kompatibilität mit vielen Türen haben und in wenigen Minuten installiert werden können. Um zu erfahren, ob die eigene Tür passend für das Smart Lock ist, bietet Nuki den Installations-Check an.

Weitere Services mit Vorzimmer-Zustellung nutzbar

Die Vorzimmer-Zustellung selbst ist kostenlos und soll es auch bleiben. Allerdings lassen sich kostenpflichtige Zusatzdienste mit der Vorzimmer-Zustellung kombinieren. Beim Service AllesPost werden dann etwa auch die Pakete der anderen Zusteller, wie GLS und Amazon, von der Post ins Vorzimmer zugestellt. Die 200 ausgewählten Nutzer*innen der ersten Welle erhalten ein Ein-Jahres-Abo für AllesPost kostenlos dazu.

Auch der Abholservice der Post kann mit der Vorzimmer-Zustellung genutzt werden. Bis zu 5 vorfrankierte Pakete, etwa mit Retourlabels oder Paketmarken, können aus dem Vorzimmer abgeholt werden. Dafür müssen sie nur auf der speziellen Matte platziert werden, damit die Postler*in weiß, was abzuholen ist.

Fragen und Antworten zur Sicherheit

Eine fremde Person ins Haus oder die Wohnung zu lassen, ist für viele kein wohliger Gedanke. Die futurezone hat deshalb folgende Fragen an die Österreichische Post und Nuki gestellt:

Kommt die Zusteller*in einfach so in die Wohnung?
Nein, die Zusteller*in läutet zuerst an. Nur wenn niemand aufmacht, wird die Vorzimmer-Zustellung durchgeführt.

Was passiert, wenn die Zusteller*in vergisst, nach der Lieferung die Tür zuzusperren?
Man bekommt eine Notification am Smartphone, wenn das Schloss auf- und zugesperrt wird. Hat man die Notification fürs Zusperren nicht bekommen, kann man über die Nuki-App selbst zusperren. Außerdem kann in der App eingestellt werden, dass sich das smarte Schloss nach einer bestimmten Zeit selbst zusperrt.

Kann die Post jederzeit mein Haus oder meine Wohnung aufsperren?
Nein. Laut Nuki wird die Freigabe zum Öffnen des Schlosses nur erteilt, wenn tatsächlich eine Zustellung stattfindet und dann auch nur für das Zeitfenster, indem die Zustellung stattfindet.

Kann ich die Vorzimmer-Zustellung pausieren, etwa wenn ich im Urlaub bin oder wieder ganz abmelden?
Die Vorzimmer-Zustellung kann bei Wunsch für bestimmte Uhrzeiten definiert werden. Auch ein Pausieren ist per App möglich. Das Abmelden ist ebenso recht einfach. Es ist so, als würde man eine erteilte Zustellgenehmigung widerrufen.

Was passiert, wenn die Zusteller*in mit schmutzigen Schuhen meinen Boden beschädigt?
In diesem Fall soll man den Kundendienst der Post kontaktieren. Ist er Schaden wirklich auf die Post zurückzuführen, wird der Schaden übernommen. Normalerweise betritt bei der Vorzimmer-Zustellung der*die Postler*in das Vorzimmer aber gar nicht. Die Tür wird geöffnet und das Paket von außen hineingelegt. Deshalb sollte die spezielle Ablegematte möglichst nahe bei der Eingangstüre platziert werden.

Was ist, wenn die Zusteller*in etwas stiehlt?
Hierfür gibt es noch keine konkrete Vorgangsweise bei der Post. Im Pilotversuch, der 2021 stattgefunden hat, gab es keine diesbezüglichen Beschwerden. Im Anlassfall wäre der Kundendienst der Post zu verständigen, damit der Fall genau untersucht wird. Wie man auf absichtliche Falschanschuldigungen von Kund*innen reagiert („der Postler hat meinen unglaublich teuren Pelzmantel geklaut!“), die Geld von der Post ergaunern wollen, weiß man noch nicht. Auch solche Fälle hat es im Testbetrieb bisher noch nicht gegeben.

Darf man die Zusteller*in mit einer Kamera im Vorzimmer filmen?
Laut der Post darf man das nicht nur, es ist sogar erwünscht. Das würde das Vertrauen der Kund*innen in die Vorzimmer-Zustellung stärken und es bei möglichen Streitfällen beiden Parteien erleichtern, den Fall zu untersuchen und eine Lösung zu finden.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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