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Digital Life

Was bringt der Inkognito-Modus wirklich?

In den meisten Browser-Programmen ist im Menü eine Option zu finden, die es einem scheinbar erlaubt, besonders „privat“ im Internet zu surfen. Bei Google Chrome heißt das dann „Inkognito-Modus“, bei Firefox und Safari „privates Fenster“ und bei Edge „InPrivate-Fenster“.

Die Privatheit, die dadurch suggeriert wird, ist in der Praxis aber nicht gegeben. In den USA ist Google deswegen nun mit einer Sammelklage konfrontiert. Selbst im Inkognito-Modus würde Google immer noch jede Menge Daten über das Browsing-Verhalten von Nutzern sammeln, lautet der Vorwurf.

Falsche Erwartungen

Google besteht darauf, dass es Nutzern klar vermittelt, was der Inkognito-Modus kann und was nicht. Es gibt jedoch Studienergebnisse der Universität von Chicago, die zeigen, dass Nutzer oft ganz falsche Erwartungen haben. 37 Prozent glauben demnach etwa, dass sie beim „privaten“ Browsen im Büro vor der Neugier ihres Arbeitgebers geschützt sind. 23 Prozent glauben, dass staatliche Einrichtungen ihre Aktivitäten im Internet dadurch nicht rückverfolgen können. 27 Prozent glauben, dass man im Inkognito-Modus besser gegen Viren und andere Schadsoftware geschützt ist.

Das alles trifft nicht auf die Realität zu. Im Prinzip verschleiert der Inkognito-Modus die eigenen Browsing-Aktivitäten lediglich vor anderen Nutzern desselben Computers, sonst vor niemandem. Edgar Weippl, Professor für Sicherheit und Datenschutz an der Uni Wien, bestätigt das: „Von Webseiten platzierte Cookies werden nach Beenden des Inkognito-Modus gelöscht und besuchte Webseiten werden nicht im Verlauf gespeichert.“ Im vermeintlich privaten Modus sei man allerdings nicht anonym im Internet unterwegs.

Jederzeit einsehbar

Welche Webseiten man besucht hat, können sowohl der eigene Internetanbieter als auch die Administratoren von Büro- oder Schulnetzwerken jederzeit einsehen. Analyseinstrumente wie Google Analytics oder Werbenetzwerke wie Google Ads und Facebook Ads wissen immer noch, wer man ist, wenn man eine Webseite besucht. Das verraten ihnen IP-Adresse, Browser-Version, Betriebssystem und andere Daten, die weiterhin übertragen werden. Die Werbenetzwerke wissen auch, welche Webseiten man zuvor besucht hat und können so die eigene Spur durch das Internet „tracken“.

Verbindung vorhanden

Im Inkognito-Modus ist man außerdem nicht völlig entkoppelt von sonstigen im Browser gespeicherten Informationen. Beginnt man etwa, eine Webseiten-URL in die Adressleiste des Browsers einzutippen, so erscheinen auch im „privaten“ Fenster Ergänzungsvorschläge anhand des gespeicherten Verlaufs im normalen Modus. „Wenn man etwa ansonsten öfters Amazon besucht, wird auch im Inkognito-Fenster Amazon aufscheinen, wenn man nur ein 'A' eintippt“, sagt Weippl.

Außerdem werden auch im Inkognito-Modus gespeicherte Passwörter oder Zahlungsinformationen bereitgestellt. Der Modus eignet sich also nicht dazu, um Fremde an den eigenen Computer zu lassen. Dafür gibt es bessere Optionen, etwa den „Gäste-Modus“ in Chrome.

Schon nützlich

Wenn man wisse, welche Grenzen der Inkognito-Modus habe, ergeben sich aber doch einige nützliche Anwendungszwecke, meint Weippl. „Er ist etwa praktisch, wenn ich nicht will, dass eine Webseite dauerhaft Cookies speichert.“ Ein Szenario dazu wäre etwa, dass man regelmäßig verschiedene Konten bei einem sozialen Netzwerk nutzt und nicht immer automatisch in eines davon eingeloggt werden möchte.

Womit man wirklich anonym bleibt

„Wenn man beim Internet-Surfen wirklich anonym bleiben möchte, verwendet man am besten Tor“, sagt Sicherheitsexperte Edgar Weippl von der Uni Wien. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk, das völlige Anonymität beim Internet-Surfen verspricht. Das Netzwerk wird von Freiwilligen betrieben und arbeitet nicht profitorientiert.

Zwiebel

Um es zu nutzen, muss man nur kostenlose, quelloffene Software installieren, die für eine Vielzahl von Betriebssystemen erhältlich ist – auch für Smartphones. Tor steht als Akronym für „The Onion Routing“. Informationen, die man aus dem Internet abruft und sendet, werden dabei in eine Art Code-Zwiebel gepackt und über zufällig ausgewählte Tor-Knotenpunkte geleitet. Jeder Knoten kann nur eine Schicht dieser Zwiebel öffnen, alle anderen bleiben verschlüsselt.

Damit weiß z.B. eine Webseite am Ende nicht, wer sie besucht. Auch Werbenetzwerke, Netzwerkadministratoren oder sonstige Stellen wissen nicht darüber Bescheid, wer über Tor mit wem kommuniziert. Für den Nutzer gibt es unterdessen kaum Einschränkungen. Die komplizierte Routenführung der Daten macht lediglich den Aufbau von Webseiten etwas langsamer.

Anonyme Suche

Ebenfalls hohe Anonymität im Internet versprechen VPN-Dienste. Sie vermitteln z.B. Webseiten den Eindruck, der Besucher käme von ganz woanders. Wer im Internet lediglich bei der Suche nach bestimmten Begriffen anonym bleiben will, der kann unter mehreren anonymen Suchmaschinen wählen, z.B. Startpage oder DuckDuckGo.

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David Kotrba

Ich beschäftige mit großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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