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Digital Life
10/14/2019

Was passiert, wenn die Notrufnummern ausfallen?

Ein Hardwarefehler bei A1 legte Notrufnummern in Österreich lahm. Wir erklären, was in so einem Fall passiert.

von Franziska Bechtold

Am Montag kam es zu einer Festnetzstörung in Österreich. Das Alleine wäre kein großes Drama, schließlich in Österreich ja ein Mobilfunkland. Allerdings sorgte die Störung dafür, dass die Notrufnummern ausfielen. 122, 133 und 144 waren nicht erreichbar. Im Notfall sollte man die nächste Polizeiinspektion, Rettungsstation oder Feuerwehrhauptwache aufsuchen, hieß es.

Das ist natürlich keine akzeptable Lösung, besonders wenn so ein Ausfall stundenlang dauert. Wir haben bei A1 und der Stadt Wien nachgefragt, was bei solch einem Ausfall unternommen wird.

Nummern händisch eingeben

Wählt man eine Notrufnummer in Österreich, wird man über das Festnetz der A1 Telekom in die Notrufzentrale weitergeleitet. „Notrufnummern sind speziell abgesicherte Festnetznummern. Die Notrufträger, also Polizei, Rettung und Feuerwehr, haben zusätzliche Funktionen, mit denen sie diese Notrufnummern selbst verwalten können“, sagt ein A1-Sprecher zur futurezone.

Dazu gehört das Verteilen der eingehenden Anrufe an die zuständigen Einheiten und das Installieren von Weiterleitungen bei einer Störung - wie es jetzt der Fall war. Dazu müssen Ersatznummern zu Mobiltelefonen, die in den Funknotrufzentralen für den Fall einer solchen Störung bereitliegen, über eine Verwaltungsoberfläche händisch eingegeben werden. Dieser Prozess würde einige Stunden an Arbeit beansprucht, so eine Sprecherin der Stadt Wien zur futurezone. Deshalb wurde diese Maßnahme nicht gleich getroffen, sondern erst, wenn sich ein längerer Ausfall abgezeichnet hat.

Unstimmigkeit über Umfang des Netzausfalls

„Wir haben einen Krisenstab einberufen. Da Menschenleben in Gefahr waren, haben wir Handlungsbedarf gesehen“, sagt eine Sprecherin der Stadt Wien. Man habe in den ersten beiden Stunden trotz des „Totalausfalls des Netzes“ nur spärliche Informationen seitens der Telekom erhalten. Heißt im Klartext: Hätte A1 von Anfang an gesagt, dass der Ausfall länger dauert, wären 122, 133 und 144 schon früher zu Mobilfunknummern umgeleitet worden.

Bei A1 weist man die Verantwortung von sich: „Wir sind dafür verantwortlich, dass die Festnetzanbindung wieder funktioniert. Die Notrufträger müssen sich in der Zwischenzeit eine eigene Lösung überlegen. Auf das Administrationssystem haben wir keinen Zugriff“, sagt der A1-Sprecher. 

A1 dementiert zudem, dass es einen Totalausfall des Netzes gab, wie es vonseiten der Stadt Wien hieß. Es sei lediglich zu teilweisen Ausfällen gekommen. Man habe zunächst versucht, die Situation einzuschätzen und den Fehler über eingespielte Abläufe zu beheben, ohne Panik zu verbreiten.

Die Mobilfunknummern, die als Ersatz für die Notrufnummern kommuniziert wurden, bleiben sicherheitshalber bis Dienstag 9 Uhr, aktiv. Die Stadt Wien hat auf Twitter inzwischen kommuniziert, dass die regulären Notrufnummern 122, 133 und 144 wieder erreichbar sind.