Digital Life
03/30/2019

Das Problem mit den E-Tankstellen

Das größte Problem am Ladenetz für E-Autos sind nicht zu wenige Ladestationen, sondern fehlende Daten.

Wer schon einmal mit einem E-Auto unterwegs war und dabei das Fahrzeug aufladen wollte, kennt die Herausforderung: Wie finde ich die nächste freie und funktionierende Ladestation? Wo gibt es eine aktuelle und vollständige Übersicht über Ladestationen, ihre verfügbaren Stecker und in welcher Leistung wird Energie bereitgestellt? 

Obwohl es einen extremen Wildwuchs an entsprechenden Ladestationen-Apps gibt, verfügt keine der Anwendungen über ein flächendeckendes Verzeichnis der Tankstellen, in dem auch alle nötigen Infos zuverlässig und aktuell sind.

Hat man in einer der Übersichts-Apps also Stromtankstelle ausfindig gemacht, treten damit weitere Fragen auf: Ist sie überhaupt noch in Betrieb? Wie kann ich dort bezahlen? Muss ich mich vorher registrieren und eine Handy-App installieren? 

Unzureichende Infos vorhanden

Dass es auf diese banal klingenden Fragen keine ausreichenden Antworten gibt, sei maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Angst vor fehlender Reichweite ständig Thema sei, sagt Heimo Aichmaier, Geschäftsführer von Austrian Mobile Power. Der Verein, zu dessen Mitgliedern Fahrzeughersteller und der ÖAMTC gehören, ist die größte Organisation zur Förderung von Elektromobilität in Österreich.

"Reichweitenangst entsteht eben aufgrund des bis dato nicht zentral geführten und für jeden Endkunden in Echtzeit einsehbaren Melderegisters für öffentlich zugängliche Ladepunkte". Gäbe es ein nationales oder europäisches Verzeichnis, das alle nötigen Informationen beinhaltet, hätten E-Autofahrer die gefühlte Sicherheit, stets einen passenden Ladepunkt erreichen zu können.

Nationales Verzeichnis

Die Regulierungsbehörde E-Control habe den gesetzlichen Auftrag ein Verzeichnis zu erstellen, in dem sämtliche Ladestationen aufgelistet sind und welches auch aktuell gehalten ist, heißt es aus dem Verkehrsministerium gegenüber der futurezone. Eine Testphase einer solchen Datenbank werde noch vor dem Sommer online gehen. Demnach müssen alle Betreiber von öffentlich zugänglichen Ladepunkten diese der E-Control melden.

Kompliziert wird es bei einer möglichen Ausmeldeverpflichtung – also dem Löschen von nicht mehr verfügbaren oder vorübergehend nicht funktionsfähigen Ladepunkten.  „Wir werden bei den Betreibern regelmäßig nachfragen, ob die Ladestationen noch funktionsfähig sind. Gibt es keine Antwort, wird der  Ladepunkt aus dem Verzeichnis gelöscht“, erklärt Daniel Hantigk, Projektleiter für das Ladenstellenverzeichnis bei der E-Control, der futurezone. 

Verzeichnis im Aufbau

Welche Informationen werden nun in dem Ladepunktverzeichnis der E-Control aufgelistet? "Darin vorkommen werden der genaue Standort, samt Zusatzinfos für die tatsächliche Auffindbarkeit. Darüber hinaus müssen die einzelnen Steckersysteme, welche Leistung die Ladepunkte bereitstellen können und Informationen über den Preis bereitgestellt werden", erklärt Hantigk. 

Beim Preis gibt es ebenso noch Schwierigkeiten, da die meisten Ladestellen-Betreiber mit Abo-Modellen arbeiten und registrierten Kunden günstigere Preise anbieten, als Spontan-Tankern. "Aus diesem Grund ist das Anführen von vergleichbaren Preisen nur begrenzt möglich", sagt Hantigk. 

Die EU schreibt  Betreibern von öffentlichen Ladepunkten vor, dass E-Autofahrer auch ohne Registrierung ihr Fahrzeug aufladen  können müssen. Diese Direct-Payment-Preise  sind in der Regel empfindlich teurer als, jene die auf Abomodellen basieren. Bezahlt wird dabei per Kreditkarte, PayPal oder Bankomatkarte. "Zum Start des Ladestellenverzeichnisses werden wir jedenfalls die Direct-Payment-Preise anführen", erklärt Hantigk. 

Keine App, dafür eine Schnittstelle

Was in der Beta-Phase noch nicht enthalten sein wird, ist die Verfügbarkeit - also, ob ein Ladepunkt gerade besetzt oder frei ist. Das sei vor allem eine technische Herausforderung, da die einzelnen Betreiber entsprechende Daten automatisiert zur Verfügung stellen müssen. Dass Informationen über die aktuelle Verfügbarkeit von Ladestationen den E-Autofahrern in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden, sei jedenfalls geplant, so Hantigk.

Eine Ladeverzeichnis-App der E-Control werde es nicht geben, dafür eine responsive Website, die auch am Smartphone im vollen Umfang bedient werden kann. Es werde aber eine Schnittstelle geben, über die sich App-Anbieter die Daten der E-Control holen und für ihre Anwendungen nutzen können. "Letztendlich wird die Verfügbarkeit der nächstgelegenen Ladepunkte userfreundlich direkt in den Autos landen", gibt sich  Aichmaier zuversichtlich.