FILE PHOTO: YouTube logo in Los Angeles

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YouTube löschte Kanal von österreichischem Videokünstler

Die US-amerikanische Videoplattform YouTube hat vergangene Woche den Kanal des renommierten österreichischen Videokünstlers Oliver Ressler gelöscht und bisher nicht auf seinen Einspruch reagiert. Betroffen sind unter anderem politisch engagierte Videos, die in wichtigen internationalen Ausstellungen gezeigt wurden. „Ich habe eigentlich gar nicht mit so etwas gerechnet und bin überrascht“, sagte Ressler am Dienstag in einem Telefonat mit der APA. 

Ressler hatte am 2. August ein Mail bekommen, in der allgemein auf die Löschung seines YouTube-Kanals hingewiesen wurde. „Es wurden mehrere Gründe angegeben, die jedoch alle nicht auf meinen Kanal zutreffen“, erklärte der österreichische Künstler.

Google hat sich zum Vorfall noch nicht geäußert

Anschließend habe er sofort die Löschung beeinsprucht, nach der Bestätigung, dass dieser Einspruch eingelangt sei, jedoch nichts mehr von Youtube gehört. Die marktführende Videoplattform ist Teil des Google-Konzerns, der zunächst eine APA-Anfrage zur Causa Ressler unbeantwortet ließ.

Eine „wirkliche Erklärung“ für den Vorgang habe er nicht, betonte der Künstler. „Einige der Filme beschäftigen sich kritisch mit dominierenden Politiken, etwa mit zerstörenden Praktiken transnationaler Konzerne“, schilderte er. Womöglich habe sich deshalb jemand angesprochen gefühlt und Druck ausgeübt. Dies sei jedoch eine Mutmaßung, da er keine konkreten Hinweise habe, betonte er.

Ressler sah sich zuvor schon mit Zensur konfrontiert

Zum Teil handelt es sich bei den gelöschten Beiträgen um Videos, für deren Ankauf europäische Museen auch öffentliche Gelder verwendeten. Betroffen ist etwa die Einkanalfassung jener Arbeit, die als Achtkanalvideo auf der documenta 14 gezeigt wurde und die sich in den Sammlungen des ZKM in Karlsruhe, des Museums für zeitgenössische Kunst in Athen und des Van Abbe Museums in Eindhoven befindet.

Es sei eigentlich ein Akt der Großzügigkeit gewesen, diese Filme einem Publikum kostenlos zugänglich zu machen, sowie wie der Versuch, damit ein Publikum jenseits von Kunstzirkeln und politischen Organisationen zu erreichen, erläuterte der Künstler. Nachdem er bereits einige Mal mit Zensur von Staaten oder Provinzregierungen konfrontiert worden sei, gehe sie in diesem Fall von einem Konzern aus. „Das ist andere Qualität, die sehr besorgniserregend ist und sehr viel über den schlechten Zustand unserer Demokratie aussagt“, kommentierte der Künstler.

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