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08/31/2020

Flight Simulator 2020 im Test: Friedlich fliegen, viel abstürzen

Microsoft hat ein detailverliebtes Spiel veröffentlicht. Wenn es läuft, gleitet man mit viel Realismus über die Wolken.

von Franziska Bechtold

Es ist schon ein genialer Streich, der Microsoft mit dem Flight Simulator 2020 gelungen ist. Dass eine Simulation so einen Hype generieren kann, dass sogar Joysticks Mangelware werden, liegt wohl zum einen an der großartigen Grafik, zum anderen aber an der Tatsache, dass man derzeit nicht wirklich vereisen kann. Da ist das virtuelle Fliegen mit ultrarealistischen Landschaften Eskapismus in Reinform. Doch spielt es sich auch so?

Hat man die tückische Installation inklusive 95-GB-Update hinter sich gebracht, bietet der Flight Simulator 2020 Modi für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Je nach Auswahl wird der Flug realistischer. Während man im Anfängermodus nur auf Höhe, Geschwindigkeit und Steuerung achten muss, verlangt der Profi-Modus, dass man jede Anzeige liest und auch versteht, was sie bedeutet.

Zudem kann fast jeder Schalter umgelegt, jeder Regler gedreht und jedes Knöpfchen gedrückt werden – viel Spaß beim Flug einer Boeing 747-8, die konnte ich nicht mal im Anfängermodus ohne googlen von der Startbahn in die Luft befördern. Fortgeschrittene müssen ein bisschen aufmerksamer beim Einstellen der Geräte sein, können sich aber auch eher zurücklehnen, ohne gleich abzustürzen.

Ein kleiner Disclaimer: Auf meinem MSI-Gaming Notebook von 2016 mit 16 GB RAM, einer Nvidia GeForce GTX 870M, einem i7 (2,50 GHz) und Windows 10 (64-bit, Version 2004) hat es mehrere Tage gedauert, bis ich das Spiel zum Laufen gebracht habe.

Während die Installation einwandfrei lief, wurde nach dem Spielstart ein Update mit etwa 95 GB verlangt. Dieses Update brach immer wieder ab und konnte erst nach wiederholtem Neustart des PCs und 3 Neuinstallationen des Spiels vervollständigt werden.

Es stürzt weiterhin regelmäßig ab. Wenn es funktioniert, läuft es aber mit stabiler Framerate und ohne Probleme mit hoher Grafikeinstellung. Wer nur die Mindestanforderungen erfüllt, kann es also schwer haben.

Controller allein reicht nicht

Die Trainingsflüge sind ein guter Einstieg, um sich mit der Steuerung vertraut zu machen, insbesondere, wenn man wie ich das erste Mal ein Flugzeug fliegt. Ich spiele mit Xbox-One-Controller und das ist eigentlich ganz angenehm, wenn man die Sensitivität der Analogsticks im Menü korrigiert hat. Ansonsten reagiert die Maschine auf die winzigsten Bewegungen und macht das Spielen unmöglich. Da die Flugzeugsteuerung zu komplex ist, um auf ein paar Controller-Eingaben reduziert zu werden, muss man hin und wieder auf Tastatur und Maus wechseln, das ist aber nicht weiter schlimm.

Danach hat man verschiedene Modi zur Auswahl: Das freie Spiel, kleinere Aufgaben oder Daily Challenges. Man sollte aber nicht vergessen, dass es sich um eine Simulation handelt und es kein wirkliches Ziel gibt. Allerdings ist schon das Kennenlernen und Meistern der Flugzeuge Herausforderung genug. In den Daily Challenges muss man beispielsweise in kürzester Zeit eine sanfte Landung auf einem schwierigen Flughafen hinlegen.

Bei meinem Flug über Tokio mit der Aviat gingen langsam die Lichter der Stadt an

Sehenswürdigkeiten wie das Hollywood-Sign wurden nachgebaut

Auf den Hawaiianischen Inseln war das Wetter an diesem Tag sehr gut

Beim Flug nach New York erhascht man einen Blick auf die Freiheitsstatue und Manhattan 

Der Ladebalken und die entspannende Musik sind ein ständiger Begleiter beim MSFS 2020

Auswahl: ausreichend

Das Spiel wird in 3 Preisklassen angeboten: Standard, Deluxe und Premium. Je nach Version erhält man 20, 25 oder 30 Flugzeuge. Ich halte mich zunächst an die Cessna 172 Skyhawk, die es ab der Deluxe Edition gibt. Tatsächlich ist man hier mit der Standard Edition schon wirklich mit einer guten Selektion an großen und kleinen Flugzeugen ausgestattet. Auch speziellere Modelle, wie das Amphibienflugzeug Icon A5 und die Kunstflugmaschine Aviat Pitts Special S2S, sind schon in der Standard Edition mit dabei.

Über eine Weltkarte kann man Start-Flughäfen und Sehenswürdigkeiten auswählen. In der Standard Edition kann man 30 detailgetreu nachgebaute Flughäfen anfliegen, unter anderem in Innsbruck, Paris und New York. In der Deluxe Edition sind es 35 mit Kairo und Kapstadt. In der Premium Edition werden 40 Flughäfen angeboten. Hier kommen bspw. San Francisco und Frankfurt hinzu.

Alle anderen Flughäfen, die es auf der Erde gibt, werden automatisch generiert und können natürlich auch angeflogen werden – wiedererkennen wird man sie aber nicht. Schließlich kann man noch einstellen, ob man sich bereits in der Luft befinden möchte oder den Start lieber selbst durchführt.

Feintuning oder Autopilot

Das ist nichts für Ungeduldige, denn jedem Flug gehen eine Fahrt auf dem Runway und minutiöse Instrumentenchecks voraus, schließlich soll ja alles reibungslos funktionieren. Jede kleinste Bewegung, die zu stark oder zu schwach ausgeführt wird, zu wenig oder zu viel Gas oder zu spät absolvierte Flugmanöver, können zum Absturz führen. Wer sich zudem sein Leben lang auf das metrische System verlassen hat, wird sich erst an die nautischen Meilen, Fuß und Knoten gewöhnen müssen, über die man plötzlich nachdenken muss, um nicht in die Alpen zu donnern.

Üben, üben, üben, heißt es da, bis man Navigieren lernt, weiß was eine Rudertrimmung ist und wie man eine Platzrunde fliegt. Oder man cruist einfach im Anfängermodus in der Dämmerung über die liebste Urlaubsregion oder das Heimatdorf und genießt die Aussicht, ohne sich Sorgen um die Instrumente zu machen.

Zudem kann man auswählen, ob sich andere Spieler oder der tatsächlich aktuelle Flugverkehr in der Luft befinden sollen und ob man das Live-Wetter oder lieber eigene Einstellungen nutzen möchte. Dann geht es auch schon los nach nur 3 bis 5 Minuten Ladezeit (ja, auch wenn man eine SSD nutzt).

Der Flughafen Innsbruck wurde detailgetreu nachmodelliert

Hier lässt sich fast jedes Instrument einzeln bedienen. Das erfordert Fingerspitzengefühl und Know-How

Mein kleiner Rundflug durch Österreich bringt mich auch nach Salzburg ... 

... ins Salzkammergut ...

... über Gmunden (das Schloss Ort hier als unförmiger Kasten) ...

... nach Linz ...

... bis nach Wien. Schönbrunn lässt sich noch identifizieren ...

... der Stephansdom fehlt aber.

Trotzdem ist ein Flug über Wien bei Sonnenuntergang schön.

Wo ist Wien?

Hat man sich einmal durchgebissen, weiß man, wofür die Plagerei gut war. Selbst mit niedrigeren Grafikeinstellungen ist die Szenerie beeindruckend, mit hohen ist sie ein Genuss. Microsoft hat mit den Kartendaten von Bing und dem Cloud-Service Azur die hauseigenen Mittel genutzt, um die Erde möglichst realistisch nachzubilden. Hinzu kommen Daten des Grazer Unternehmens blackshark.ai.

Das klappt wirklich gut, auch wenn die Illusion gebrochen wird, wenn man nur noch wenige Meter über dem Boden fliegt (dafür ist der Flight Simulator aber auch nicht gedacht). Insbesondere von Wien wurde ich aber schwer enttäuscht. Während man einige markante Sehenswürdigkeiten wie die Pyramiden, den Eiffelturm oder das Empire State Building in knapp 400 Städten nachmodelliert hat, bleiben andere Städte wie London und Wien generisch: Kein Stephansdom und kein Riesenrad sind da zu sehen. Da blutet mir schon ein bisschen das Herz. Aber der MS Flight Simulator ist eine Plattform und in den kommenden Jahren werden immer neue Entwicklungen kommen.

Das erste umfangreiche Update haben die Entwickler auch schon versprochen. Das soll vor allem die fehlerhafte Controller-Steuerung reparieren und so manchen unfreiwillig komischen Glitch beseitigen, den die künstliche Intelligenz in die Landschaft gesetzt hat. Da die Steuerung ein nicht unwesentlicher Teil der Simulation ist, sollte hier wirklich dringend nachgebessert werden. Auch die Probleme bei der Installation, die zahlreiche Nutzer melden und mit denen ich auch zu kämpfen hatte, will man angehen.

Fazit

Obwohl der Microsoft Flight Simulator 2020 mit einigen Problemen zu kämpfen hat, die für den ein oder anderen Frustmoment gesorgt haben, war ich begeistert von der Detailliebe. Die Grafik und Features wie Live-Wetter und -Flugverkehr sind immersiv und es gibt so viel zu entdecken, dass es ewig dauern würde, alle Ecken der Erde so zu erkunden.

Es hat etwas Friedliches und Entspannendes über das nächtliche New York oder einsame Südseeinseln zu fliegen und so Orte zu entdecken, die man in der Realität vielleicht nie besuchen wird. Vielleicht entspringt das Lob auch meiner während der aktuellen Reisebeschränkungen wieder entfachten Liebe zu GeoGuessr (ein Google-Street-View Spiel, bei dem man Orte auf der Welt finden muss), aber mit dem Flight Simulator 2020 hat Microsoft eines seiner besten Spiele seit Langem veröffentlicht. Bevor man zuschlägt, sollte man aber dringend die eigene Hardware begutachten, denn die Mindestanforderungen sind einfach nicht ausreichend, um das beste aus der Simulation herauszuholen.

Der MS Flight Simulator ist im Xbox Game Pass enthalten. Die Standard Edition kostet sonst 69,99 Euro, die Deluxe Variante kostet 89,99 Euro und für die Premium Version werden 119,99 Euro fällig. Das Spiel ist im Windows Store und bei Steam erhältlich. Im Herbst soll es zudem VR-Unterstützung bekommen und man munkelt bereits, dass es auf der Xbox Series X seine Konsolen-Premiere feiern könnte. Ein Code zum Testen der Premium Edition wurde der futurezone von Microsoft bereitgestellt.

Minimum

Betriebssystem: Windows 10-Version 18362.0 oder höher
Architektur: x64
Tastatur: Integrierte Tastatur
Maus: Integrierte Maus
DirectX: Version 11
Arbeitsspeicher: 8 GB
Videospeicher: 2 GB
Prozessor: Intel i5-4460 | AMD Ryzen 3 1200
Grafik: NVIDIA GTX 770 | AMD Radeon RX 570

Empfohlen

Betriebssystem: Windows 10-Version 18362.0 oder höher
Architektur: x64
Tastatur: Integrierte Tastatur
Maus: Integrierte Maus
DirectX: Version 11
Arbeitsspeicher: 16 GB
Videospeicher: 4 GB
Prozessor: Intel i5-8400 | AMD Ryzen 5 1500X
Grafik: NVIDIA GTX 970 | AMD Radeon RX 590

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