© Franziska Bechtold

Games
02/10/2020

Lego Hidden Side Bus im Test: Geisterjagd mit Smartphone

Lego hat mit Hidden Side eine unterhaltsame Augmented-Reality-Reihe auf den Markt gebracht. Wir haben ein Set ausprobiert.

von Franziska Bechtold

In der Lego City spukt es. Die Geisterjäger müssen Jahrmarkt, Zug und Schulbus von Geistern und Zombies befreien. Mit Hidden Side brachte Lego Anfang August ein Sortiment an großen und kleinen Sets auf den Markt, die mit der zugehörigen Smartphone-App zum Leben erweckt werden. Die futurezone durfte den Spezialbus Geisterschreck 3000 testen.

60 Minuten tüfteln

Mit der Lego-typisch ausführlichen Anleitung ist der Aufbau nicht sonderlich fordernd. Lediglich einige Teile des Busses, die sich in Form und Farbe besonders ähneln, können zu Verwechslungen führen. Muss man etwas umbauen, so ist der Fehler meistens selbst verschuldet (wie ich aus Erfahrung berichten kann).

Setzt man sich mit Kindern zusammen an den Aufbau, verteilt und delegiert die Aufgaben sinnvoll und streitet sich nicht, vergeht etwa eine Stunde, bis alles steht. Für die Stoßstange des Busses fehlte uns ein Teil, was kurz für Diskussionen sorgte. Tatsächlich fällt das aber nicht weiter auf, da der Kühlergrill und die Aufsätze trotzdem gut halten. Bei einem Lego-Set gehört ein bisschen Fantasie und Kreativität eben dazu.

Influencer und Geisterhund

Das Set wird mit sechs Figuren geliefert: Die Technikerin J.B., die Influencer Jack Davids und Parker L. Jackson, sowie die beiden Arbeiter Nanna und Bill. Die beiden haben jeweils einen normalen und einen Geister-Kopf und wilde Geister-Haare, die ausgewechselt werden können. Der niedliche, winzige Geisterhund Spencer ist ein Pluspunkt für die Figuren im Set.

Aufgebaut: Das kann der Bus

Der aufgebaute Bus hat einiges zu bieten. Auf der Motorhaube sind zwei kleine Kanonen angebracht, die violette Chips wegschnipsen können. Das passiert mit genug Schwung, um sie innerhalb kürzester Zeit für immer unter dem Sofa verschwinden zu lassen. Das Dach des Busses lässt sich leicht abnehmen um den Fahrerplatz zu besetzen. Links und rechts klappen die Türen herunter. 

Der Innenraum des Busses kann durch die Hecköffnung herausgezogen werden. Dort befindet sich eine Kommandozentrale mit Kontrollbildschirmen, in der zwei Spielfiguren bei der Geisterjagd den Überblick behalten können. Neben dem Bus sind zwei orange Pylonen und ein Spuk-Klo enthalten. Die blaue Baustellen-Toilette schnipst braune Scheiben, die recht schnell bei den violetten Chips unter dem Sofa landen werden, aber lustig sind. Das bietet auch ohne den Einsatz der App genug Spielspaß für Geistergeschichten und -jagden. 

Virtuelle Gespenster

Um die Mixed-Reality-Funktionen nutzen zu können, muss die kostenlose Hidden-Side-App heruntergeladen werden. Sie ist mit Smartphones und Tablets kompatibel, die ARCore und Android 7.0 oder höher, beziehungsweise iOS 11 und ARKit 2-Unterstützung besitzen. Auf der Lego-Webseite kann überprüft werden, ob das eigene Gerät dazu gehört.

Beim ersten Start gibt man an, welches Set man besitzt, in unserem Fall ist das der Spezialbus Geisterschreck 3000. Die zugehörige Story wird über Texttafeln erzählt und dreht sich um die Figuren aus dem eigenen Set, hier J.B. und Jack Davies. Sie kommen auch in anderen Sets vor. So erweitert sich die Geschichte mit jedem Set um Abenteuer mit den bekannten Charakteren.

Der Geister-Radar springt an

Zum Start braucht die App Zugriff auf die Smartphone-Kamera, denn die Lego-Objekte müssen gescannt werden. Unser echter Bus muss - sehr grob - in die vorgezeichneten Umrisse auf dem Display passen, damit das Abenteuer losgeht. Dann erweitert sich die Umgebung des Busses auf dem Handy-Bildschirm.

Er steht bei Nacht auf der Straße vor der Schule und der Geisterradar schlägt aus. Die Gespenster sind neongrün, wie man das von Filmen wie Ghostbusters gewohnt ist, bleiben aber der Lego-Klötzchenoptik treu. Um sie zu besiegen, muss im richtigen Moment auf einen Ring getippt werden, bis der Geist verschwindet. Auf dem Fahrzeugdach befindet sich eine drehbare Satellitenschüssel mit 4 Farbcodes, die von der App erkannt werden. Die Geister ändern während des Spiels ihre Farbe, weshalb man am Satellit die korrespondierende Farbe einstellen muss, bevor es in der App weiter geht.

Hat man ein älteres oder schwächeres Smartphone, läuft das AR-Spiel nicht immer flüssig und das Gerät kann sehr heiß werden. Trotzdem ist es eine wirklich gut gelöste Erweiterung zum Lego-Spaß. Dass man während des Spiels tatsächlich den Satelliten drehen muss, um auf die Farben der Geister zu reagieren, bindet das haptische Set überraschend gut ein.

Geist oder Ghostbuster

Neben dem AR-Spiel können weitere Minispiele absolviert werden, womit man Ressourcen sammelt. Bei erfolgreich bekämpften Geistern, sammeln die Influencer-Figuren neue Follower. Steigt deren Zahl, erhält man Mut oder Gloom. Gloom ist die grüne Substanz, die die Geister absondern. Die einzelnen Level und neue Spielfiguren und Geister lassen sich so nach und nach freischalten.

Die Minispiele, die kein AR erfordern, sind auf Dauer unterhaltsamer als das eigentliche Haupt-Game. Hier steuert man einen Geisterjäger über einen Friedhof, wo Geister bekämpft werden müssen, oder man spukt selbst als Geist durch die Stadt. Es lohnt sich zudem, die App langfristig zu nutzen, denn immer wieder gibt es saisonale Updates.

Gemischte Gefühle

Das Bus-Set liefert 689 Teile, die in 5 Plastiktütchen verpackt sind. Das umfasst den Bus selbst, das spukende Klohäuschen, sowie die 6 Legofiguren. Der Bus ist mit 59,99 Euro eines der teureren Produkte aus der Hidden-Side-Reihe. Newbury’s spukende Schule ist mit 119,99 Euro das teuerste und J.B’s Geisterlabor mit 19,99 Euro das günstigste Set.

Mit dem 20-Euro Labor ist man sicherlich gut beraten, wenn man sehen möchte, ob den Kindern das Smartphone-Spiel und die Figuren gefallen, bevor man die teuren Sets kauft. Denn obwohl der Geisterbus vielseitig ist, habe ich gemischte Gefühle zum Set.

Die Minispiele machen Spaß, das Verkaufsargument AR ist aber nur okay. Die Umgebung verändert sich nur teilweise und die Spiele wiederholen sich. Das nutzt sich schnell ab und da die anderen Sets in der App schon auftauchen, aber nicht ausgewählt werden können, ist die Nachfrage nach neuen Sets vorprogrammiert.

So hat man nämlich immer das Gefühl, das Spiel sei nicht vollständig - ein geschickter Trick von Lego, damit die anderen Sets auch gekauft werden. Die App kann im App Store für iOS und iPadOS sowie im Google Play Store heruntergeladen werden.