Fortnite Mobile

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Games
08/21/2020

Mit Fortnite gegen Apple und Google: Was hinter Epics Plan steckt

Während sich Epic als Retter sieht, hat das Vorgehen durchaus etwas Gutes, wenn es tatsächlich Monopole aufbrechen kann.

von Franziska Bechtold

Fortnite ist mit 350 Millionen Spielern weltweit derzeit eines der erfolgreichsten Games auf dem Markt. Das Spiel selbst ist kostenlos, die 1,8 Milliarden US-Dollar Umsatz, die Entwickler Epic Games laut der Analysten von Superdata 2019 verdiente, wurden über sogenannte Microtransactions gemacht. Dabei können sich Nutzer beispielsweise Outfits und andere kosmetische Gegenstände kaufen. Gelockt wird hier durch Inhalte von Marvel, Star Wars oder Stranger Things.

Seit 2018 ist das Spiel neben PC und Konsole auch für Smartphones erhältlich. Hier knackte Epic im Mai die magische Marke von einer Milliarde US-Dollar Umsatz nur auf mobilen Geräten. Darauf ruhte man sich aber nicht aus, denn Epic hat sich schon länger den Ruf eines Unruhestifters erarbeitet und den scheint das Unternehmen auch behalten zu wollen.

Konkurrenz schaffen

So hatte man 2018 einen eigenen digitalen Spielestore veröffentlicht, der dem Marktführer Steam eine echte Konkurrenz bieten sollte. Mit zahlreichen Exklusivdeals fiel Epic allerdings schnell in der Gunst der Spieler. Viele haben daher ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Epic, nicht selten hört man einen Aufruf zum Boykott des Unternehmens. Epic versprach Entwicklern, lediglich 12 Prozent der Einnahmen einzustecken, bei Steam müssen Entwickler 30 Prozent abgeben. Inzwischen können Spieler nun einfach nach dem besten Angebot in vielen Stores schauen – kein schlechter Deal für alle Beteiligten.

Nun hat Epic diesen Stunt auf ein ganz neues Level gehoben, das deutlich weitreichendere Konsequenzen haben könnte. Wer ein Spiel in den Google Play Store oder den App Store von Apple hochlädt, verpflichtet sich dazu, die Regeln der beiden Unternehmen einzuhalten. Und diese besagen, dass die Storebetreiber jeweils 30 Prozent der Käufe erhalten, die Nutzer über die App tätigen.

Eigenes Bezahlsystem verstößt gegen Regeln

Damit musste Epic 300 Millionen US-Dollar von der auf mobilen Geräten verdienten Milliarde abgeben. Da bleiben trotzdem 700 Millionen Dollar übrig, also wird Epic sicherlich nicht arm. Zudem sind die beiden App-Stores die größte und wichtigste Pforte für Nutzer, nach neuen Spielen zu suchen. Dieses Angebot kann nicht kostenlos sein, denn auch ein Store muss technisch einwandfrei funktionieren und verwaltet werden.

Epic führte aber plötzlich ein Bezahlsystem für seine Fortnite-App ein, dass die App Stores und damit auch die 30-Prozent-Abgabe umgeht. Wer etwas im Store kaufen wollte, konnte auswählen, ob es über Google Play bzw. Apple oder den Epic Store abgewickelt werden soll. Im Epic Store war der Kauf günstiger. Wenig überraschend wurden die Apps daraufhin aus den Stores von Google und Apple entfernt, da dieses Vorgehen eindeutig gegen deren Richtlinien verstößt. Das war von Epic geplant.

Keine Updates mehr

Android-Nutzer haben also weiterhin die Möglichkeit, Fortnite auf ihrem Smartphone zu spielen. Wer ein iPhone oder iPad hat, kann das Spiel nicht mehr herunterladen. Wenn es einmal installiert ist, kann es aber weiterhin genutzt werden – Updates und Einkäufe kann man sich aber nicht mehr holen. Das bedeutet, sobald Fortnite die nächste Season des Spiels via Update aufspielt, können Nutzer diese nicht mehr spielen.

Ob das rechtlich erlaubt ist, ist nicht ganz klar, denn, wenn etwas über den App Store gekauft wird, beispielsweise Skins, dann müsste die Nutzung eigentlich auch für einen gewissen Zeitraum gewährleistet werden. Ob Epic oder Apple das gewährleisten muss, ist aber nicht eindeutig und die beiden Firmen würden sich vermutlich die Verantwortung gegenseitig zuschieben. Ein Verlust ist es aber für alle Beteiligten, insbesondere die zahlenden Spieler.

Klage gegen Apple und Google

Denn prompt legte man eine 65 Seiten lange Klage gegen Apple und Google vor. Dabei geht es vor allem um die Monopolstellung von Apple. Apples System ist geschlossen, weshalb nur Apps aus dem App Store zugelassen sind. Diese Monopolstellung klagt Epic an. Bei Google sieht es ein wenig anders aus, denn hier können Nutzer auch andere App Stores verwenden oder die App ohne Store direkt auf dem Gerät installieren. Diesen Weg versuchte Epic mit der Fortnite-App 2018 auch kurzzeitig zu gehen, musste jedoch schnell einsehen, dass der Google Play Store die wichtigste Pforte ist, um auf Android-Smartphones zu kommen.

Revolution!

Das Image, das sich Epic Games aufbaut, schreit nach Revolution: „Wir gegen die anderen“. Das zeigt auch ihr Remake eines Apple-Werbespots von 1984. Die von Ridley Scott gemachte Werbung war eine Anlehnung an George Orwells 1984: Das junge Unternehmen Apple „befreit“ die Menschen mit seinem neuen Computer vom Monopol (damals IBM). Epic dreht den Spieß um und zeigt den Spot mit Fortnite-Charakteren. Darin kündigt Epic an, das Monopol des App Stores beenden zu wollen und ruft Spieler offen dazu auf, sich „dem Kampf anzuschließen“.

Damit nimmt sich die Firma wichtiger als sie ist, zeigt aber einen Missstand auf: Apple und Google kontrollieren den App-Markt, bestimmen welche Apps beworben werden, wie viel Entwickler verdienen und welche Apps es überhaupt auf die Plattformen schaffen. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch Größen wie Spotify Epics Vorgehen unterstützen. Googles Entscheidung, auch Apps aus anderen Quellen zuzulassen ist da der richtige Ansatz. Apple hält daran fest, selbst zu bestimmen, was auf hauseigenen Geräten installiert werden kann. Das sorgt natürlich auch für eine höhere Qualität, denn die Apps müssen bestimmte Auflagen erfüllen, um Nutzern die bestmögliche Erfahrung zu bieten.

Auch wenn der Streit auf den ersten Blick auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen wird und Epic sich als frecher Revoluzzer verkaufen möchte – langfristig profitiert man vom Aufbrechen der Monopole. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass Epic Games ein milliardenschweres Unternehmen ist, und der Verlust der Einnahmen aus den beiden Stores wird ihnen vermutlich weh tun, aber nicht zum Verhängnis werden. Ihr Einsatz ist im Kern trotzdem begrüßenswert und schafft auch bei den jüngeren Nutzern Bewusstsein dafür, wie die Firmen hinter den Smartphones arbeiten, die sie tagtäglich benutzen. Ob das Vorgehen Erfolg hat und sich die Strukturen nachhaltig ändern, oder Epic womöglich einen Deal mit Apple und Google aushandelt und eigentlich alles beim Alten bleibt, muss man nun abwarten.

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