Games
15.04.2016

PlayStation VR Games: Horror-Achterbahn der Hoffnung

Die finale Hardware von Sonys PlayStation VR konnte mit sieben Games ausprobiert werden. Das Highlight im Hands-on war der Dual-Lightgun-Shooter Until Dawn: Rush of Blood.

Das Wichtigste bei jeder neuen Gaming-Hardware sind die Spiele, so auch bei Playstation VR (hier geht es zum Hands-on der finalen Hardware). Noch ist nicht klar, welchen Umfang ein Vollpreis-VR-Spiel haben wird. Aufgrund der Demos ist davon auszugehen, dass zu Beginn hauptsächlich Arcade-Games, Mini-Game-Sammlung und Multiplayer-Shooter erscheinen werden – also noch nichts, was den Spieler über eine Dauer von acht Stunden oder mehr mit einer packenden Story fesselt.

Ob und welche PS4-Games im Nachhinein VR-Support erhalten, ist nicht bekannt. Benson wollte sich nicht dazu äußern. Speziell auf den potenziellen Indie-Weltraum-Hit No Man's Sky angesprochen, der Ende Juni erscheinen wird, sagte Benson nur: „Diese Entscheidung liegt bei den Entwicklern.“

Was möglich sein wird, ist normale PS4-Games auf einer virtuellen Leinwand mit PS VR zu spielen. Das Headset simuliert so das Gefühl, auf eine riesige Leinwand zu schauen, auf der das Spiel läuft.

Im Gegensatz zu Sonys Heimkino-Helm HMZ-T2 ist diese Illusion besser, da man den Kopf bewegt, um alle Bereiche der Leinwand zu sehen – so wie man es aus dem Kino kennt (wenn man zu weit vorne sitzt). Die Größe der VR-Leinwand lässt sich skalieren – falls man doch lieber im Kino hinten sitzen will.

Hier sind die Eindrücke zu den ausprobierten Spielen und Demos:

Until Dawn: Rush of Blood

Dieses Game war das Highlight der Sony-Veranstaltung und meiner Meinung nach der erste Must-Have-Titel für PS VR. Mit dem Survival-Horror-Spiel Until Dawn hat Rush of Blood Gameplay-technisch nichts gemein. Hier handelt es um einen Rail-Shooter – im wahrsten Sinne des Wortes, da man in einer Lore auf Schienen, in einer Art Achterbahn des Horrors, fortbewegt wird.

Gespielt wird mit zwei Move-Controllern. Im Game steuert man damit die Waffe in der linken und rechten Hand getrennt voneinander. Nachgeladen wird durch eine schnelle Bewegung von oben nach unten.

Die Spielgeschwindigkeit ist sehr gut dosiert. Die Lore rollt eher gemächlich und nur selten schnell, die meisten heranstürmenden Gegner werden bekämpft, wenn die Lore steht. Dadurch kommt kein Übelkeitsgefühl auf.

Es macht viel Spaß mit der linken und rechten Waffe getrennt voneinander zu zielen und schießen – ein Fadenkreuz gibt es nicht. Entweder zielt man, wie bei einer echten Waffe, über Kimme und Korn oder orientiert sich am fahlen Licht der Taschenlampen, die auf den Waffen montiert sind.

So kann man zwei Feinde gleichzeitig bekämpfen, die von links und rechts kommen, oder mit der linken Waffe eine Weiche abschießen, während man mit der rechten eine verdächtige Stelle anvisiert, von der möglicherweise ein Feind hervorspringen könnte.

Rush of Blood ist die Evolution der Lightgun-Shooter und zeigte im Demo, wie actionreich Virtual Reality ohne Brechreiz sein kann. Grafisch war es einer der schönsten Titel, die auf der Veranstaltung gezeigt wurden. Denn da es kaum Weitsicht gibt und es meistens dunkel ist, bleiben mehr Hardware-Ressourcen für das unmittelbar Sichtbare über.

Battlezone

Battlezone ist ebenfalls gelungen. Der Spieler steuert einen Panzer mit dem normalen Controller. Der linke Stick bewegt den Panzer, der rechte den Turm zum Zielen. PS VR ist eigentlich nur da, um sich im Cockpit umzusehen, bzw. um durch die Scheiben die Gegner auszumachen.

Das Tempo war gut dosiert. Obwohl ich in eine Richtung gefahren, in eine andere gezielt, geschossen und mich gleichzeitig rundherum umgesehen habe, stellte sich bei mir kein Übelkeitsgefühl ein.

Auch wenn das Umsehen mit PS VR ein relativ banales Virtual-Reality-Feature ist, macht es das Spielerlebnis intensiver. Während man noch auf einen Gegner schießt, kann man schnell einen Blick in Fahrrichtung werfen, um nirgends hängenzubleiben oder kurz nach oben schauen, um abzuschätzen, wie man den angreifenden Hubschraubern am besten ausweicht.

Die Grafik von Battlezone ist eher reduziert und erinnert vom Stil her an den Film Tron. Nicht nur, weil Kanten leuchten, sondern weil alles absichtlich eckig gemacht wirkt.

Rigs

Rigs zeigt wiederum, wie man es nicht machen sollte. Es ist eine Mischung aus Mech-Shooter und Sportspiel. Wenn man drei Gegner abgeschossen hat, springt man in den Zielbereich, um zu punkten. Mit dem linken Analogstick wird vorwärts und rückwärts gelaufen, mit dem rechten wird der Körper langsam gedreht. Per Kopfbewegungen sieht man sich um. Sieht man einen Gegner an, wird automatisch auf ihn gezielt.

Das Drehen des Mech-Körpers ist zu langsam. Da man nur in die Richtung des Körpers laufen kann, wirkt das Steuern träge. Das Umsehen ist nicht weit genug möglich, man kann nicht weit genug nach hinten sehen. Diese verzögerte Steuerung ist nervig und auch das Spiel selbst ist nicht spannend. Möglicherweise nutzen die Entwickler noch die Zeit bis zum Release, um die Steuerung zu optimieren.

Zu guter Schluss war noch die zweite Runde der Demoversion verbugt. Die Steuerung des Mechs und Blickrichtung waren plötzlich verzögert, ein kontrolliertes Steuern war nicht mehr möglich. Das war das einzige Mal an dem Tag, an dem mir leicht unwohl wurde. Sobald die Kopfbewegungen in der Realität und im Spiel nicht mehr zusammenpassen, wird es übel.

Eve Valkyrie

Eine ruckelige Version von Eve Valkyrie war auf der Gamescom 2015 das Spiel, das mich an PS VR zweifeln ließ und mich fast dazu brachte vorzeitig das Demo zu beenden.

Die aktuelle Version von Eve Valkyrie mit der aktuellen Hardware war deutlich besser. Das Bild war etwas schärfer und die Framerate stabil. Die Grafik sieht zwar immer noch nicht so gut wie bei der Rift-Version aus, aber immerhin gibt es kein flaues Gefühl im Magen, trotz schneller Weltraum-Flugmanöver.

Per PS VR sieht man sich im Cockpit um. Lässt man die L2-Taste gedrückt, wird der Gegner anvisiert, auf den man gerade schaut. Ist das feindliche Raumschiff erfasst, lässt man die Taste los, um die zielsuchenden Raketen abzufeuern.

Etwas seltsam ist, dass immer noch die Einzelspieler-Demo von Eve Valkyrie gezeigt wurde. Die finale Rift-Version, die bereits erschienen ist, ist ein reiner Multiplayer-Shooter. Bei Oculus Rift liegt das Spiel kostenlos bei. Sollte es für PS VR Geld kosten, bleibt abzuwarten, ob das Game umfangreich genug wird, um den Preis zu rechtfertigen.

The London Heist

Die Autoszene aus The London Heist war ebenfalls schon früher auf Project Morpheus zu sehen. Man fährt als Beifahrer in einem Lieferwagen mit, der plötzlich beschossen wird. In Lightgun-Shooter-Manier schießt man mit einer Maschinenpistole einhändig zurück. Mit der anderen Hand wird zum Nachladen ein Magazin aus dem Handschuhfach gegriffen und in die Waffe gesteckt, indem man den einen Move-Controller an die Unterseite des anderen hält.

Die Framerate ist bei dieser aktuellen Version stabiler, die Grafik aber immer noch reduziert. Es sieht eher nach Zeichentrick aus, als nach„Call of Duty“-realistisch. Gelenkige Spieler können sich noch immer aus der Türe des fahrenden Autos lehnen. Ein Sonnendach, aus dem man rausschießen kann wenn man aufsteht, gibt es leider immer noch nicht. London Heist gehört, wie auch Into The Deep, zur VR-Spielesammlung VR Worlds.

Into The Deep

Auch diese Demo kennt man noch von Project Morpheus. Im Käfig wird man ins Meer hinabgelassen, bis ein Hai beginnt das Metallgestell zu zerlegen. Die Grafik wirkt ebenfalls etwas besser, aber gerade bei solch relativ ruhigen Demos, bei denen man nichts tun kann außer sich umzusehen, machen sich die technischen Limitationen der Hardware bemerkbar.

Hier ist der Dunst/Schleier-Effekt besonders auffällig, ebenso die Unschärfen an den Rändern und die schwarzen Pixel der Kompression. Hat man die Unterwasserdemo von HTC Vive erlebt, verblasst Into The Deep im Vergleich.

Playroom VR

Playroom VR ist eine Minigame-Sammlung, die an den Wii-U-Starttitel Nintendo Land erinnert. Im Idealfall trägt ein Spieler PS VR, während vier andere mit den normalen Controllern am Flat-TV zu spielen.

Bei einem Game muss man als Godzilla-ähnliches Monster mit Kopfbewegungen Häuser treffen und später Gegenständen ausweichen. Bei einem anderen ist der VR-Träger eine Katze, die durch das Bewegen des Kopfs nach vorne durch einen Vorhang schaut. Bewegt sich zu diesem Zeitpunkt einer der anderen Spieler, die Käse-sammelnde Mäuse steuern, werden sie von der Katze erwischt.

Playroom VR wird kostenlos für PS VR erscheinen. Die ausprobierten Games vermitteln nicht das Wow-Gefühl, wie es andere VR-Demos tun. Man kann Playroom VR am ehesten als sanften Einstieg in die virtuelle Realität verstehen. Skeptiker werden sich durch die Mini-Games aber nicht von den Vorzügen von VR überzeugen lassen.

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